Ambulante Betreuung von Menschen mit Demenz in einer Wohngemeinschaft
Ein Wohnhaus in der Danziger Straße in Oberhausen: Seit Anfang August diesen Jahres leben hier acht Menschen mit Demenz in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft. Alle verfügen über ein eigenes Zimmer, das mit ihren persönlichen Möbeln und Gegenständen individuell eingerichtet ist. Auch über die Gestaltung der Gemeinschaftsräume entscheiden die Mieter/-innen und ihre Angehörigen selbst. Der zur Wohnung gehörende Garten bietet Platz für Erholung und Aktionen. Aufgrund ihrer Demenzerkrankung können die Bewohner/-innen nicht mehr alleine leben, in der neuen Umgebung werden sie rund um die Uhr von speziell geschultem Personal betreut und gepflegt.
"So eigenständig wie möglich, so viel Betreuung wie nötig", erläutert Brigitte Laser-Ortmann, Bereichsleitung Soziale Dienste bei der RUHRWERKSTATT, dieses innovative Wohnkonzept. Das Projekt ist bisher einmalig in Oberhausen, die Idee dazu bereits vor zwei Jahren entstanden. "Wir wollten eine Wohngemeinschaft schaffen, in der Menschen mit Demenz ein weitgehend selbstbestimmtes und würdevolles Leben in Normalität, Vertrautheit und Häuslichkeit führen können. Uns fehlte aber der Kontakt zu potenziellen Investoren für ein geeignetes Wohnobjekt“, berichtet Laser-Ortmann.
Dieser wurde mithilfe des Paritätischen NRW auf der Fachtagung „Wohnen im Alter“ im November 2006 in Dortmund hergestellt. Von der Kooperation des Paritätischen mit dem Verband der Wohnungswirtschaft (VdW) Rheinland Westfalen e.V. profitieren nicht nur seine Mitgliedsorganisationen, sondern auch alle wesentlichen Akteure der Wohnungswirtschaft, Sozialdienstleister und Nutzer. "Es entstehen Synergien und Netzwerke, die bei der Realisierung zukunftsträchtiger Wohn-, Betreuungs- und Pflegeangebote unabdingbar sind“, erklärt Franz Schumacher, Fachberater Ambulante Pflege (Rheinland) beim Paritätischen.
In der Danziger Straße ist die WohnungsGenossenschaft Oberhausen als Investor eingetreten. Als Vermieter des Gebäudes hat sie den alten Wohnbestand im Quartier barrierefrei für die neue Pflegewohngemeinschaft umgebaut und den Bedürfnissen der Menschen mit Demenz angepasst. Das Wohnhaus hat jetzt zum Beispiel einen Aufzug, die handelsüblichen Mischbatterien wurden gegen separate Kräne für heißes und kaltes Wasser ausgetauscht. „Eine scheinbar rückschrittliche Maßnahme, aber genauso sind es die neuen Mieter/-innen gewohnt, und nur so können sie den Alltag mit ihrer Demenz noch erfassen“, weiß Brigitte Laser-Ortmann zu berichten.
Neben der 24-stündigen Betreuung übernimmt die RUHRWERKSTATT auch die gesamte hauswirtschaftliche Versorgung und erbringt die Pflegeleistungen. „Für die Mieter/-innen ist es das letzte Zuhause, sie leben bis zu ihrem Tod in dieser Wohngemeinschaft. Daher ist es unser höchstes Ziel, dass die Bewohner/-innen die neue Umgebung als ihr Zuhause annehmen und erleben“, erklärt Laser-Ortmann.