Seite drucken   Sitemap   Mail an den Paritätischen NRW   Suchtipps   Hinweise zur Änderung der Schriftgröße  
Portal Presse FORUM 2/2008 Praxisbeispiel  · 

Viele Hilfen aus einer Hand

Das Kinder- und Familienzentrum Blauer Elefant Zollverein vernetzt erfolgreich seine Angebote.

Blauer Elefant

(Foto: DKSB, Essen)

Es gibt nicht viele Orte im Ruhrgebiet, an denen die Vergangenheit so eng mit der Zukunft verknüpft ist wie im Essener Stadtteil Katernberg. Hier, im Schatten der Fördertürme des Unesco Weltkulturerbes Zeche Zollverein, hört und sieht man heute spielende Kinder, die vom Kinder- und Familienzentrum Blauer Elefant Zollverein betreut werden. In einem ehemaligen Zechenhaus ist die Einrichtung des Deutschen Kinderschutzbundes, Ortsverband Essen, seit 1991 zu Hause. Das großzügige Haus mit vielen kleinen Räumen und gemütlichen Spielecken ist perfekt auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmt. Auf dem großzügigen Außengelände mit Hügeln und Bäumen befinden sich Spielanlagen, Karussells und ein Gartenhaus, in dem sich eine „Naturwerkstatt“ befindet.

Auf die ganze Familie ausgerichtet

Im Sommer 2006 wurde der Blaue Elefant Zollverein als Best-Practice-Einrichtung im Rahmen der Gründung von Familienzentren in NRW ausgezeichnet. Eine Würdigung, die eigentlich gar nicht geplant war, wie die Leiterin Annette Müller rückblickend erzählt: „Wir haben unsere Unterlagen in der ersten Bewerbungsphase ganz normal abgeschickt. Wenig später kam ein Brief zurück, in dem stand, dass wir bereits alle Kriterien für die Zertifizierung erfüllen und als Best-Practice-Einrichtung vorgeschlagen sind.“ Die von der Landesregierung geforderte Vernetzung frühkindlicher Betreuung, Bildung, Erziehung und Beratung mit Unterstützung der Familien wird in Essen-Katernberg bereits seit Jahren verwirklicht. Der Blaue Elefant Zollverein nimmt auch die Aufgabe einer Anlauf- und Beratungsstelle für Familien wahr, wie Annette Müller berichtet: „Natürlich stehen die Kinder bei uns im Mittelpunkt. Aber die meisten unserer Angebote sind auf die Einbindung der ganzen Familie und die Beratung der Erziehenden ausgerichtet.“

Schwieriges soziales Umfeld

In dem Familienzentrum finden eine Reihe außergewöhnlicher Aktionen für Kinder und Eltern statt. Die Einbeziehung der Erziehenden ist auch den besonderen Herausforderungen geschuldet, die der Stadtteil Katernberg mit sich bringt. Er gilt als einer der ärmsten in der Ruhrmetro­pole: Jedes vierte Kind ist von exis­tenz­sichernder Hilfe abhängig, jedes dritte hat einen Migrationshintergrund und der Stadtteil hat mit 18 Prozent den höchsten Kinder­anteil. Müller: „Die Auswirkungen des familiären Umfelds, Armut, fehlende soziale und emotionale Sicherheit sind bei uns spürbar. Unsere Einrichtung wird deshalb­ gerne von Kindern alleinerziehender Elternteile und von Kindern aus Familien, die sich in Krisen- und Not­situationen befinden, besucht.“ Kein einfaches Umfeld, dem das Kinder- und Familien­zentrum Einfallsreichtum und besondere Aktionen entgegensetzt.

150 Kinder werden betreut

Die Einrichtung arbeitet nach dem Grundsatz „Viele Hilfen aus einer Hand“ und reagiert flexibel auf die spezifischen Situationen von Kindern und Erziehenden. Die Struktur des Hauses macht die besonderen Anforderungen deutlich: Das Kinder- und Familienzentrum ist eine Kombination aus Kindergarten und offenem Angebot. Außerdem ist eine Erziehungsberatungsstelle integrativer Bestandteil der Einrichtung. Insgesamt gibt es hier sechs Kindertagesstättengruppen, darunter zwei Kinder­gartengruppen, eine davon mit Block­öffnungszeiten, in der die Kinder auch über Mittag betreut werden können. Zusätzlich gibt es weitere 49 Betreuungsplätze in drei Tagesstättengruppen für Kinder im Alter von zwei bis sechs. Eine vierte Tages­stättengruppe übernimmt die Betreuung der Drei- bis Zehnjährigen. Insgesamt betreuen 20 fest angestellte Mitarbeiter/-innen und zwei Honorarkräfte 150 Kinder. Für Schulkinder gibt es Möglichkeiten zur Hausaufgabenbetreuung und schulischen Lernförderung, sowie Angebote zur Freizeit­gestaltung mit Spiel- und Sport­aktionen und Ausflügen.

Fahrdienst und gesunde Ernährung

Kinder aus Familien mit besonderem Betreuungsbedarf können zudem den Fahrdienst der Einrichtung nutzen. So haben die Erzieherinnen die Garantie, dass die Kinder regelmäßig zur Einrichtung kommen. Die umfangreiche Betreuung der Kinder zielt auch auf eine gesunde Ernährung. Müller: „Für viele Kinder ist ein regelmäßiges Mittagessen heutzutage leider keine Selbstverständlichkeit. Ein gemeinsamer Mittagstisch ist daher eine wichtige Ergänzung unseres Angebots.“ Tipps zur ausgewogenen Ernährung stehen auch sonst beim Blauen Elefanten auf der Tagesordnung. Mit Erfolg, wie Annette Müller lachend berichtet: „Eine Mutter ist neulich zu mir gekommen und erzählte, dass ihr Sohn die angebotenen Pommes mit der Begründung ‚Aber Mama, Pommes sind doch rot!’ ausschlug – in Anlehnung an eine Einteilung der Nahrungsmittel in unsere Gruppen, bei der rot für ungesund und grün für gesund steht.“

Vielfältige Angebote

Beim Blauen Elefanten Zollverein kann die ganze Familie offene Angebote wie die Rückenschule für Eltern, Kochkurse und den monatlichen Familiensamstag nutzen. Müller: „Durch unsere Angebote entlas­ten wir die Eltern bei der Kinderbetreuung. Lange, flexible Öffnungszeiten leisten einen entscheidenden Beitrag zur Verein­barkeit von Beruf und Familie. Unser Haus hat sich mit der Zeit zu einer Begegnungs­stätte entwickelt. Es gibt für die Eltern Kurse und Vorträge zu familienspezifischen Themen und individuelle, regelmäßige Beratungsgespräche über Entwicklungsprozesse des Kindes.“ Auch die Freizeit wird vom Blauen Elefanten mitgestaltet: Es gibt regelmäßige Feste und Konzerte, sowie als Höhepunkt die jährliche Familien­freizeit. Müller: „Einmal im Jahr fahren wir mit Familien an die Nordsee. Dort finden wir Gelegenheit, die Familien­systeme und Beziehungen der einzelnen Mitglieder untereinander zu beobachten und, wenn es erforderlich ist, unterstützend tätig zu werden. Die Eltern können Kontakte knüpfen und Erziehungsmuster vergleichen.“

Qualität soll erhalten werden

All diese Aktionen werden von den Eltern gerne angenommen und intensiv nachgefragt. Das Fördergeld für die Auszeichnung zur Best-Practice-Einrichtung wurde in neues Personal investiert, um den hohen Qualitätsansprüchen weiter gerecht werden zu können. In wöchentlichen Teamsitzungen wird die pädagogische Arbeit geplant und reflektiert. Diese interne Überprüfung basiert auch auf dem Feedback der Kinder und Eltern. „Hier in Katernberg merkt man schnell, wenn Angebote nicht richtig funktionieren – dann kommt nämlich erst gar keiner“, schmunzelt Müller. Aber das ist selten geworden, denn das Ansehen der Einrichtung ist deutlich gestiegen: „Wir sind natürlich als Einrichtung des Kinderschutzbundes in der Öffentlichkeit anders angesehen, als beispielsweise kirchliche Kindergärten. Unser Image hat sich aber stark verändert. Erst neulich sagte ein Vater zu mir: „Früher habe ich immer gedacht, ihr betreut nur Problem­fälle. Jetzt bin ich froh, dass mein Sohn zu euch kommen kann.“
(Christian Donner, Wickede)

 

Aus der Arbeit
Der Blaue Elefant Zollverein ist eines von sechs Best-Practice-Beispielen der Landesregierung in NRW und vereint alle geforderten Kriterien unter einem Dach. Die Einrichtung ist in der Gemeinwesenarbeit verankert, pflegt Kooperationen mit Beratungsstellen, dem Jugend- und Gesundheitsamt, Therapeuten, Schulen, der Zeche Zollverein und ist Mitglied im Paritätischen NRW. [Mehr]
Pressekontakt
Annette Ruwwe I Telefon: 0202 / 2822-388 I Mobil: 0173 / 5830079 I Mail: presse@paritaet-nrw.org


 
top