(Foto: Ralf Emmerich, Münster)
Als Folge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise prognostizieren Experten für dieses Jahr massive Arbeitsplatzverluste. Die vermehrte Auftragsvergabe durch die Bundesagentur für Arbeit und die ARGEn durch Ausschreibungen und die aktuelle Neuausrichtung der Arbeitsmarktinstrumente im Sozialgesetzbuch (SGB) III und II stellen hohe Anforderungen an den Paritätischen NRW und seine Mitgliedsorganisationen. Die Arbeit wird wichtiger und schwieriger zugleich. Zu den Antworten darauf gehören ein schnelles und flexibles Management, betriebliche Anpassung durch Umorganisation und die Einführung von Qualitätsmanagementsystemen, um fachliche Standards bei der Umsetzung von Fördermaßnahmen überprüfbar zu machen. Der Verband unterstützt seine Mitglieder dabei mit Information, Beratung und innovativen Projekten.
(Foto: Ralf Emmerich, Münster)
Im Paritätischen NRW sind im Fachgebiet Arbeit rund 220 gemeinnützige Vereine und Einrichtungen Träger von Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen: Sie sind täglich mit dem Thema Arbeitslosigkeit konfrontiert. Zahlreiche Mitgliedsorganisationen bieten mit Schuldnerberatung, psychosozialer Betreuung oder Suchtberatung außerdem Leistungen zur individuellen Unterstützung für Betroffene an. Ein Praxisbeispiel hierfür liefert die Drogenberatung Bielefeld (www.drogenberatung-bielefeld.de): Mit seinen Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekten unterstützt der Verein Menschen mit einer bestehenden Drogenproblematik bei der Rückkehr ins Arbeitsleben. „Wir freuen uns, dass dank der Fördermöglichkeiten des Instrumentes JobPerspektive inzwischen drei ehemalige Teilnehmer eine sozialversicherungspflichtige Anstellung gefunden haben. Leider ist das die Ausnahme, da die Diskrepanz zwischen den Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt und der Belastbarkeit der Teilnehmenden beträchtlich ist“, berichtet Fabian Czerwinski, zuständig für organisatorische Fragen rund um die Projekte.
Mit der Einführung der „Gesetze für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt I bis IV“ entstand im Jahr 2005 die Grundlage für diese Arbeitsgelegenheiten (damals nach § 16 Abs. 3, heute § 16d, SGB II). Seitdem werden die sogenannten „Ein-Euro-Jobs“ kontrovers diskutiert: Ihre Umsetzung ist rechtlich und fachlich fragwürdig. Da sie dennoch in großer Zahl durchgeführt wurden (und werden!), hat der Paritätische sich bereits sehr früh für eine qualifizierte und sinnstiftende Form der Umsetzung von Arbeitsgelegenheiten eingesetzt.
Der Verband entwickelte das Konzept „GemeinwohlArbeit“ und führte auf dieser Basis ein breit angelegtes Modellprojekt in NRW durch. Oberstes Ziel: Arbeitsgelegenheiten müssen für Teilnehmende individuell, passgenau und nützlich sein.
Ziel des Projektes GemeinwohlArbeit war es, Arbeitsgelegenheiten zu schaffen, die eine Perspektive und einen nachhaltigen Nutzen bieten. Den Teilnehmenden wurden Tätigkeiten auf dem gemeinnützigen Sektor angeboten, die ihrer sozialen Wiedereingliederung und ihrer Integration auf dem Arbeitsmarkt dienen. Die Ergebnisse dieses erfolgreichen Modellprojektes sind evaluiert und in einem Praxishandbuch festgehalten worden. Außerdem haben sich bereits 15 Mitgliedsorganisationen des Paritätischen und zehn Unternehmen anderer Verbände im Qualitätsverbund GemeinwohlArbeit zum fachlichen und wechselseitigen Austausch zusammengeschlossen – Tendenz steigend.
Auch die Drogenberatung Bielefeld gehört dem Verbund an: „Die Mitgliedschaft gibt uns die Möglichkeit, unsere qualitativ hohen Angebote im Bereich Arbeitsgelegenheiten besser darstellen und kommunizieren zu können. Gleichzeitig profitieren wir von dem fachlichen Austausch mit anderen Trägern“, erklärt Czerwinski.
Die PariTeam gGmbH Mönchengladbach ist ebenfalls dem Qualitätsverbund beigetreten. Werner Lüttkenhorst, Projektleiter GemeinwohlArbeit NRW, ist zuversichtlich, dass diesem Beispiel noch andere paritätische Gesellschaften, die Arbeitsgelegenheiten anbieten, folgen werden: „Mehr Ausbildung und Maßnahmen, von denen die Teilnehmenden profitieren – an diesem brandaktuellen und zeitlosen Thema arbeitet der Verband weiterhin.“
Die Arbeitsmarktförderung ist im ständigen Wandel, geprägt durch neue Programme, die durch Land, Bund, Agentur für Arbeit und den Europäischen Sozialfonds gefördert werden: „Das erfordert von unseren Mitgliedern eine ausgeprägte Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Sie benötigen und erhalten vom Verband schnelle Informationen sowie eine intensive Beratung über alle Förderprogramme. Nur gemeinsam können wir auch künftig eine am Menschen ausgerichtete, bedarfsorientierte Integrationsarbeit und passgenaue Arbeitsvermittlung gewährleisten“, so Lüttkenhorst.
Seit zehn Jahren realisiert der Paritätische NRW gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen und zum Teil auch in Zusammenarbeit mit anderen Spitzenverbänden Projekte im Bereich der Arbeitsmarktpolitik. Auch das Projekt „Ausbilden ist Zukunft – Paritätische Initiative Pro Ausbildung“ (siehe Seite 6-7) haben der Verband und seine Partner ins Leben gerufen: Jugendliche am Niederrhein und in der Emscher-Lippe-Region sollen in Lehrstellen in der Sozial- und Gesundheitsbranche vermittelt werden. Mit diesem Modellprojekt möchte der Paritätische nicht nur fachliche Innovationen umsetzen, sondern auch die Sozialbetriebe in seiner Mitgliedschaft anregen, selber auszubilden, um so die Jugendarbeitslosigkeit aktiv zu bekämpfen.
Die Herausforderungen sind in den letzten Jahren gewachsen, die wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen schwieriger geworden.
Zu den Themen Arbeitsgelegenheiten, Ausbildung und JobPerspektive („Kombilohn“) setzt das Fachgebiet Arbeit auf mehr Kooperation mit den Sozialbetrieben anderer Fachgebiete des Verbandes.
Kontakt:
Werner Lüttkenhorst
Leiter der Fachgruppe Arbeit, soziale Hilfen, Europa
Tel. (0211) 94600-17
luettkenhorst@paritaet-nrw.org
Der nächste Qualitätsworkshop findet voraussichtlich im April 2009 statt.