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Schulen und Prüfen

FORUM sprach mit Franz Schumacher, Geschäftsführer der Qualitätsgemeinschaft und Fachberater ambulante Pflege beim Paritätischen NRW, und Andreas Fuhrmann, Geschäftsführer der Sozialstation Jung & Alt – Ambulante Soziale Hilfen e.V., über die Überprüfung von Qualitätsstandards in Pflegeeinrichtungen.

FORUM: Warum hat der Paritätische das Qualitäts-Testat entwickelt?

Testat

Franz Schumacher

Franz Schumacher: Seit 2002 gibt es die Qualitätsgemeinschaft „Ambulante Pflege“. Der Verband hat sie gemeinsam mit 60 Pflegeeinrichtungen gegründet, weil viele Einrichtungen zur Umsetzung von Qualitätsvorgaben ein kostengünstiges Unterstützungs­angebot benötigten.

Wir begannen, unsere Träger in regionalen Arbeitsgruppen zu qualifizieren. Außerdem versuchten wir, mit dem Aufbau eines Qualitätsmanagements Strukturen zu entwickeln, auf deren Basis das Personal seine tägliche Arbeit verrichten konnte. Wir mussten jedoch feststellen, dass die Angebote nicht ausreichten, um ein fundiertes Qualitätssystem zu errichten. Unter dem Motto „Fördern und Fordern“ hat der Verband dann ein bundesweit einzigartiges Prüfinstrument entwickelt: das Paritätische Qualitäts-Testat NRW.

FORUM: Herr Fuhrmann, warum ist die Sozialstation Jung & Alt der Qualitäts­gemeinschaft beigetreten?

Testat

Andreas Fuhrmann

Andreas Fuhrmann: Unsere Einrichtung ist seit 1990 am Markt, aber keiner war so richtig für das Qualitätsmanagement zuständig. Daraufhin haben wir einen neuen Mitarbeiter eingestellt, Frank Möhle, der beim Paritätischen die Weiterbildung zum Qualitätsmanagement-Beauftragten nach PQ-Sys® absolviert hat.

Als 2002 die Qualitätsgemeinschaft „Ambulante Pflege“ gegründet wurde, interessierte uns vor allem die Möglichkeit, unser Qualitätssystem mit anderen Einrichtungen zu vergleichen. Wir mussten schnell feststellen, dass unsere Entwicklung doch noch nicht ausreicht. Wichtig war uns auch, unsere Qualität mit einem Instrument zu verbessern, das sich an den prüfungsrelevanten Faktoren des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) orientiert.

Franz Schumacher: Das ist ein großer Vorteil des Paritätischen Qualitäts-Testats. Wir haben festgestellt, dass jede Einrichtung, die das Testat bekommen hat, auch eine sehr gute MDK-Prüfung absolviert hat. Damit erhält die Einrichtung Sicherheit und Vertrauen in das eigene System und die erbrachten Dienstleistungen.

FORUM: Gibt es noch weitere Vorteile?

Andreas Fuhrmann: Unser Verein profitiert von dem fachlichen und kollegialen Austausch in der Gemeinschaft. Wir sind stets über gesetzliche Vorgaben, Prüfleitlinien und Anforderungen der Kostenträger informiert.

Franz Schumacher: Mit dem Testat überprüfen wir, ob die Einrichtungen ihre Leis­tungen in der häuslichen Pflege passgenau erbringen. Am Ende dieser Leis­tungskette muss immer der Mensch stehen, der eine gute und geplante Versorgung erhält. Entsprechend der Philosophie des Paritätischen, liegt der Nutzen des Testats folglich bei den Versorgten. Wichtig ist aber auch, dass das Personal nach einer Überprüfung zufrieden ist und den Erfolg seiner Arbeit sieht.

Andreas Fuhrmann: Natürlich wollen wir auch nach außen demonstrieren, dass unser Produkt gut ist. Daher ist eine Ergebniskontrolle bei den Versicherten ebenfalls wichtig. Wir wollen schließlich wissen, ob die Patientinnen und Patienten mit unserem Pflegedienst zufrieden sind.

FORUM: Wie oft sind Sie überprüft worden?

Andreas Fuhrmann: Unsere Einrichtung ist bisher zweimal geprüft worden. Mit dem Qualitäts-Testat erhalten wir auch eine detaillierte Auswertung. Die letzte Prüfung haben wir mit Bravour bestanden. Das heißt nicht, dass wir uns jetzt auf diesem sehr guten Ergebnis ausruhen können.

FORUM: Wie viele Testate hat die Qualitätsgemeinschaft bereits vergeben?

Franz Schumacher: Bisher haben wir 53 Überprüfungen durchgeführt. 29 Einrichtungen der ambulanten Pflege haben ihre Testate erhalten, 24 sind leider durchgefallen.

FORUM: Wo liegen die Entwicklungs­potenziale in Ihrer Einrichtung?

Andreas Fuhrmann: Die Defizite, die wir noch haben, liegen in der Pflegedokumentation und -planung. Im Alltag fehlt dem Personal oft die Zeit dazu: Es ist ein ständiger Spagat zwischen wirtschaftlichem Einsatz und der Dokumentation der Leistung. Zurzeit überlegen wir beispielsweise, wo wir am besten die Schlüssel unserer Patientinnen und Patienten aufbewahren und wie wir sie bei einem Personalwechsel übergeben.

Sie sehen, Qualitätsmanagement ist ein Prozess, der ständig weiterläuft. Wir müssen und möchten unsere Standards bis zur nächsten Überprüfung in zwei Jahren auch weiterhin nachweislich verbessern.

FORUM: Was passiert, wenn eine Einrichtung das Testat nicht erhält?

Franz Schumacher: Wir lassen unsere Mitglieder natürlich nicht im Regen stehen, sondern unterstützen und begleiten ihre Qualitätsentwicklung kontinuierlich nach dem Motto „prüfen, schulen und Defizite abbauen, erneut prüfen“.

Mit weiteren Qualifizierungsangeboten arbeiten wir aktiv an den Defiziten: Ist die Pflegeleistung beispielsweise zu wenig dokumentiert, suchen wir nach einer praxisnahen Lösung. Zwei- bis dreimal pro Jahr finden auch Qualitätskonferenzen statt. Anhand der Auswertungsbögen können wir direkt feststellen, zu welchen Themen Bedarf besteht und wo zusätzliche fachliche Beratung notwendig ist.

Andreas Fuhrmann: Diese Vorgehensweise ist ein großer Vorteil des Testats. Die Einrichtung wird von außen anhand verschiedener Kriterien bewertet, Schwach­stellen sind direkt erkennbar. Sowohl Einrichtungen, die die Prüfung bestanden haben, als auch diejenigen, die es nicht geschafft haben, erhalten mit dem Auswertungsbogen ein Werkzeug, mit dem sie weiterarbeiten und sich kontinuierlich verbessern können.

FORUM: Ist das Testat bereits offiziell anerkannt?

Franz Schumacher: Die Kriterien werden zurzeit verhandelt. Wir sind aber zuversichtlich, dass das Paritätische Qualitäts-Testat offiziell als Prüfinstrument im Rahmen der Pflegeversicherung (SGB XI) anerkannt wird. Es hat sich bereits als praxis­tauglich erwiesen und ist von Experten des MDK und der Pflegekassen gelobt worden.

Als Verband übernehmen wir gemeinsam mit unseren Mitgliedsorganisationen Verantwortung für die Sicherung und kontinuierliche Optimierung der Qualität in der ambulanten Pflege. Wir sind überzeugt von dem, was wir machen. Mit diesem sehr guten Instrument können wir uns der Öffentlichkeit stellen.

Andreas Fuhrmann: Und ich bin mir sicher, dass wir durch die Mitgliedschaft in der Qualitätsgemeinschaft dazu beitragen, den Ruf unseres Berufsstandes und der Pflege zu verbessern.

Kontakt:
Franz Schumacher

Tel. (0221) 951542-22
Mail: franz.schumacher@paritaet-nrw.org

Andreas Fuhrmann
Tel. (05284) 998 08
Mail: info@jung-und-alt.net

 

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Pressekontakt
Annette Ruwwe I Telefon: 0202 / 2822-388 I Mobil: 0173 / 5830079 I Mail: presse@paritaet-nrw.org


 
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