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Praxisbeispiel: Wege aus der Sprachlosigkeit

In Deutschland leben schätzungsweise 40000 Menschen, die aufgrund körperlicher oder geistiger Behinderungen nicht verbal oder schriftlich kommunizieren können. Wenn sie bereits im frühen Kindesalter andere Kommunikationsformen erlernen, sind sie eher in der Lage, sich nonverbal auszudrücken. Hier setzt das Modellprojekt „Begleitete Kommunikationsförderung von nicht sprechenden, schwerstbehinderten Kindern in Kindertageseinrichtungen und Qualifizierung des Fachpersonals“ an. Träger des von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW geförderten Projektes ist der Förderverein der Forschungsgemeinschaft „Der körperbehinderte Mensch“ e.V. in Köln. Elf integrative Kindertageseinrichtungen aus Köln und Umgebung beteiligen sich an dem zukunftsweisenden Forschungsprojekt.

Foto: Fotolia.de, Daniel Fuhr

Individuell angepasste Kommunikations­hilfen ermöglichen betroffenen Kindern, sich nonverbal auszudrücken. So können sie mit ihren Eltern und weiteren Bezugspersonen kommunizieren – ihre Lebensqualität verbessert sich dadurch erheblich. Zum Einsatz kommen hierbei Symbolkarten, Bildtafeln oder Sprachcomputer. „Manche Kinder leiden beispielsweise unter einer starken Spastik und können ihre Arme zur Steuerung des Computers gar nicht einsetzen. Anschaffung und Anpassung der technischen Kommunika­tionshilfen für eine alternative Bedienung mit Füßen, Mund oder Kopf sind jedoch teuer und beratungsintensiv“, erläutert Dr. Heinz Sevenig, Dipl.-Psychologe und Leiter des Modellprojektes.

Fehlversorgung vermeiden

Häufig können die Betroffenen, ihre Angehörigen und das Fachpersonal in den Kindertageseinrichtungen die Kommunikationshilfen gar nicht richtig bedienen. Sevenig: „Die Kostenträger erstatten in der Regel zwar einen Pauschalbetrag zur Einweisung in den Gebrauch des Hilfsmittels, aber sie sparen bei der Vorberatung und späteren Betreuung. So kommt es zu Fehlversorgungen, die hohe und vermeidbare Kosten verursachen.“ Die Beratungsstelle „Mobiler Beratungsdienst Kommunikationshilfe“, die das auf drei Jahre angelegte Modellprojekt (Laufzeit bis März 2011) umsetzt, ist in Nordrhein-Westfalen derzeit jedoch die einzige ihrer Art.

Individuelle Förderpläne

„Um die in der Sozialgesetzgebung jedem Menschen zugesicherte Hilfe zur Teilhabe am Leben in der Gesellschaft und die dazu notwendige individuelle Versorgung zu erreichen, müssen flächendeckend Beratungsstellen aufgebaut werden. Und das Personal in den Kindertageseinrichtungen muss so qualifiziert sein, das es die schwerstbehinderten Kinder angemessen fördern kann“, erklärt Sevenig. Das mobile Team seines Beratungsdienstes, die Eltern sowie die Logopädinnen/Logo­päden und Erzieher/-innen ermitteln gemeinsam den Entwicklungsstand der betroffenen Kinder und legen fest, wie diese am besten gefördert werden können. Die jeweiligen Bezugspersonen begleiten die Umsetzung zu Hause und in den Institutionen. Falls der erstellte Förder­plan nicht funktioniert, wird er entsprechend verändert. „Diese Vorgehensweise hat sich in der Praxis bereits bewährt. Die Ergebnisse eines Vorläufer-Projekts haben gezeigt, dass die geförderten Kinder deutliche Fortschritte in der Kommunikation gemacht haben“, erläutert Sevenig.

Beratung finanzieren

Mit dem Modellprojekt möchte sein Verein Möglichkeiten aufzeigen, wie die Kostenträger ihrer Verpflichtung zu einer flächendeckenden und individuellen Versorgung der betroffenen Kinder nachkommen können. Sevenig: „Es bewegt sich etwas, die Kostenträger sind zugänglicher geworden. Aber wir wollen erreichen, dass sie auch die Beratung finanzieren.“ Sein Wunsch für die Zukunft: Die Gründung eines Kompetenzzentrums zur praxisgerechten Umsetzung dieser komplexen Aufgabe.

Kontakt:
Dr. Heinz Sevenig
Telefon (0221) 470-5518
aqk10@uni-koeln.de
www.berat-kom.uni-koeln.de

 

Aus der Arbeit
Weitere Informationen zum Mobilen Beratungsdienst Kommunikationshilfe [Mehr]
Förderung
Das Modellprojekt wird gefördert von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW [Mehr]
Pressekontakt
Annette Ruwwe I Telefon: 0202 / 2822-388 I Mobil: 0173 / 5830079 I Mail: presse@paritaet-nrw.org


 
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