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Interview: Qualitätsmanagement (QM) als Chance

FORUM sprach mit Kirsten Nicolas (QM-Beauftragte Lebenshilfe Bochum Wohnen und Leben gGmbH) und Maike Rock (Geschäftsführerin Paritätische Qualitätsgemeinschaft ® Leistungsanbieter in der Eingliederungs- und Gefährdetenhilfe und Fachberaterin Wohnen für Menschen mit Behinderung im Rheinland) über den Einsatz von QM-Instrumenten.

FORUM: Was war der Auslöser für den Aufbau eines QM-Systems in Ihrer Einrichtung?

Testat

Kirsten Nicolas

Kirsten Nicolas: Bereits 2001 fiel der Entschluss, in einer unserer Wohnstätten die Qualität der Dienstleistung nachhaltig zu sichern und künftig noch strukturierter an problematische und zu optimierende Prozesse heranzugehen.

Schnell war klar, dass wir durch die praktische Erfassung und Reflexion unseres Arbeitsalltags nicht nur bestehende Prozesse verbessern, sondern mithilfe eines fundierten QM-Systems auch die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen einfacher nachweisen können. Als eine der ersten Mitgliedsorganisationen sind wir dann 2003 der Qualitätsgemeinschaft beigetreten.

FORUM: Frau Rock, welche Ziele verfolgt Ihre Qualitätsgemeinschaft?

Maike Rock: Unser Auftrag ist, innerhalb von zwei Jahren mit unseren Mitgliedern ein zertifizierungsreifes QM-System zu erarbeiten und erfolgreich zu implementieren. Gemeinsam mit ihnen möchten wir die Qualität in den Einrichtungen weiterentwickeln, Arbeitsabläufe dokumentieren, die Wettbewerbsfähigkeit sichern und Erfahrungen austauschen.

Die Einrichtungen müssen sich zwar derzeit noch nicht zertifizieren lassen, aber wie von Frau Nicolas bereits dargestellt, gibt es gesetzliche Anforderungen im SGB XII oder WTG, die erfüllt werden müssen.

FORUM: Wie stellen Sie fest, ob eine Einrichtung zertifizierungsreif ist?

Testat

Maike Rock

Maike Rock: Zu unserem Standardrepertoire gehört das soge­nann­te Individual-Coaching. Mithilfe eines Fragebogens beurteilen die teilnehmenden Einrich­tungen ihre Arbeit und erhalten von uns dann eine persönliche Rückmeldung zum Reife­grad ihres QM-Systems. Diese Vorgehensweise wird von den Mitgliedern der Qualitätsgemeinschaft sehr positiv aufgenommen und hilft, die QM-Arbeit weiter zu vertiefen.

FORUM: Welche Vorteile bietet der Einsatz von QM-Instrumenten?

Kirsten Nicolas: Vor zwei Jahren steckte die Lebenshilfe Bochum in einer schweren Krise, die damalige Geschäftsführung konnte die Umsetzung diverser gesetz­licher Anforderungen nicht nachweisen. Auf Dienstleistungsebene waren viele Qualitätsstandards erfolgreich umgesetzt worden, aber im Führungsbereich gab es Fehlplanungen. Damit unsere Einrichtung finanziell überleben konnte, haben die Mitarbeiter/-innen sogar auf das Weihnachtsgeld verzichtet und eine „Spar-Projektgruppe“ gegründet. Insbesondere durch die Einbeziehung aller Beteiligten bei der Entscheidungsfindung und Problemlösung, diese Methode nennt sich Total Quality Management, ist es gelungen, die notwendige Transparenz zu schaffen.

FORUM: Was möchten Sie mit dem Individual-Coaching erreichen?

Kirsten Nicolas: Mithilfe dieses Instrumentes können wir detailliert feststellen, wie sich unsere Einrichtung nach der Krise entwickelt hat und wo wir jetzt stehen. Besonders die Fragen zur Struktur­qualität müssen genauer bewertet werden, denn unsere Qualitätspolitik hat sich stark verändert – das neue Management praktiziert beispielsweise einen partizipativen Füh­rungs­stil. Wir wollen das Wissen aller Mitarbeiter/-innen der Lebenshilfe Bochum nutzen, ihre Ideen kennenlernen und sie motivieren, sich an der Gestaltung des Arbeitsalltags aktiv zu beteiligen.

Als QM-Beauftragte kann ich meine Arbeit jetzt auch wieder als Ganzes betrachten und mich mit der Umsetzung neuer Prozesse wie der Wirtschaftsplanung und dem Verbesserungsmanagement beschäftigen.

 

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Annette Ruwwe I Telefon: 0202 / 2822-388 I Mobil: 0173 / 5830079 I Mail: presse@paritaet-nrw.org


 
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