Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt - Foto: Jörg Lange
Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt - Foto: Jörg Lange
Die Rolle der Pflegeunternehmen zwischen Dienst am Menschen und marktgerechtem Handeln nahm die gemeinsame Fachveranstaltung
der Facharbeitskreise ambulante pflegerische Dienste, Tagespflege und vollstationäre Pflege am Tag des Paritätischen NRW unter die Lupe.
Seit 15 Jahren gibt es die Pflegeversicherung in Deutschland. Eine Zwischenbilanz mit einem kurzen Rückblick und einem ausgedehnten Blick in die Zukunft bot zu diesem Anlass die gemeinsame Fachveranstaltung der Facharbeitskreise in der Pflege. "Pflegeunternehmen
zwischen Dienst am Menschen und marktgerechtem Handeln? Perspektiven der Pflege als moderne Sozialdienstleistung“, so der Titel des Vortrags von Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt, Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Köln und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA).
Inhaltliche Arbeit im Vordergrund
Mit einem Rückblick auf die 1994 eingeführte Pflegeversicherung stellte Schulz-Nieswandt heraus, dass sich die Pflege als ein Zweig der Sozialwirtschaft in einem Markt befindet. Ihre Ökonomisierung sei unbestritten und Herausforderung zugleich. Die Weiterentwicklung der
Sozialwirtschaft, also auch der Pflege, müsse sicherstellen, dass ihre inhaltliche Arbeit im Vordergrund steht, mahnte Prof. Dr. Schulz-Nieswandt. Sie sollte aber ihre geschichtlich überholten Muster kulturell codierter sozialer Hilfe modernisieren. Dies erfordert ein Management, das auf der Mikroebene der individuellen Zukunfts- bzw. Entwicklungsplanung und der konkreten Handlungsebene sozialer Dienste eine dialogische Praxis ermöglicht, und zwar im Lichte einer "Ethik der Achtsamkeit“. Die unternehmenspolitische Verantwortung müsse auf den Trend zum erwerbswirtschaftlichen Denken und Handeln soziale Antworten finden.
Anteil am Prozess haben
Dieser Beitrag zeigt, wie die notwendigen Umweltanpassungen auch als Chance zur Modernisierung der sozialen Dienstleistungen
genutzt werden können. Angesichts komplexer Bedarfslagen und schwieriger politischer und rechtlicher Rahmenbedingungen auf verschiedenen Ebenen empfahl Prof. Dr. Schulz-Nieswandt den Teilnehmer/-innen, geduldig zu sein und nicht zu erwarten, dass die Veränderungen zügig abgeschlossen seien. Ziel könne es nur sein, an dem Prozess seinen Anteil zu haben, ihn aber nicht komplett mitzugestalten. "Wenn wir es 2045 geschafft haben, ist das gut. Das werden viele von uns nicht mehr erleben.“