Johanna Maria Lug - Foto: Jörg Lange
Um der Vielzahl sozialer Ideen und dem persönlichen Einsatz von Bürgerinnen und Bürgern eine dauerhafte Basis zu geben, gründete der Paritätische NRW die „Stiftung Gemeinsam Handeln – Paritätischer Stifterverbund NRW”. Auch die Wuppertalerin Johanna Maria Lug bündelt ihr soziales Engagement in Form einer Treuhandstiftung in diesem Verbund. Beim Tag des Paritätischen NRW wurde sie für ihr Engagement geehrt.
Johanna Maria Lug - Foto: Jörg Lange
Von einem minutiös geplanten Leben kann bei Johanna Maria Lug nicht die Rede sein: 1943 in Oberschlesien geboren und in Bayern groß geworden, wollte sie ursprünglich Lehrerin werden. Nach Abschluss ihres Theologie- und Romanistikstudiums ging sie nach Paris, arbeitete dort als Assistentin an einem Gymnasium und machte parallel eine Ausbildung zur Chanson-Sängerin. "Doch mir fehlte wohl das entscheidende Quäntchen Talent,um ein gefeierter Star zu werden“, erzählt Johanna Maria Lug mit einem Augenzwinkern. "Anfang der 70er-Jahre kehrte ich nach Deutschland zurück, studierte Psychologie und arbeitete im EDV-Bereich. In dieser Zeit entwickelte ich außerdem Sprachprogramme für Legastheniker und Kinder mit Sprachentwicklungsverzögerungen.“
1980 gründete Lug schließlich in Wuppertal zusammen mit einem Partner eine eigene Firma und spezialisierte sich auf Führungs-, Verkaufs- und Kommunikationstraining. In den darauffolgenden 20 Jahren coachte Johanna Maria Lug hochrangige Wirtschaftsbosse sowie "einfache“ Angestellte und veröffentlichte ein Buch über Verkaufstraining. "Im Jahr 2000 habe ich die Firma aufgegeben, wollte meine persönlichen Ressourcen aber auch im Ruhestand nicht nur für mich nutzen, sondern in die Gesellschaft investieren“, berichtet die Kommunikationstrainerin. Sie engagierte sich dann einige Jahre ehrenamtlich im Vorstand des Hospiz Dienstes Wuppertal Lebenszeiten e. V., einer Mitgliedsorganisation des Paritätischen NRW. Darüber hinaus führte sie kostenlos Bewerbungstrainings für Hochschulabsolventen durch. Johanna Maria Lug: "Zeitgleich zwangen mich gesundheitliche Probleme und die Tatsache, dass ich keine Kinder habe, über mein Testament nachzudenken. Ich wollte mein Vermögen für einen wohltätigen Zweck hier in der Region einsetzen. Und für Kinder, denn die brauchen mehr Schutz, als sie erhalten. Aber wem sollte ich mein Geld anvertrauen?“
Die Antwort fand sich schnell. Johanna Maria Lug kontaktierte den Sozialdezernenten der Stadt Wuppertal, Dr. Stefan Kühn, der ihr die Stiftung Gemeinsam Handeln – Paritätischer Stifterverbund NRW empfahl. "Den Paritätischen kannte ich ja schon über den Hospizverein. Es kam mir auch sehr gelegen, dass der Verband konfessionell und parteipolitisch unabhängig ist“, erklärt die Kommunikationstrainerin. Nach intensiven Gesprächen mit Wilfried Theißen vom Vorstand der Stiftung Gemeinsam Handeln gründet Johanna Maria Lug Ende 2007 unter dem Dach des Paritätischen Stifterverbundes eine Treuhandstiftung. „Das hat viele Vorteile, denn wir kümmern uns um alle rechtlichen und steuerlichen Belange, die beim Errichten einer Stiftung entstehen und übernehmen auch die Verwaltung. Außerdem beraten wir die Stifterinnen und Stifter, für welchen sozialen Zweck sie einen Teil ihres Vermögens verwenden möchten. Dabei liegt es uns sehr am Herzen, ihnen die Projekte unserer Mitgliedsorganisationen nahe zu bringen, denn die Stiftung Gemeinsam Handeln möchte insbesondere die Region NRW stärken“, sagt Wilfried Theißen.
Dieses lokale Engagement schätzt Johanna Maria Lug sehr: "Bei der Stiftung Gemeinsam Handeln bin ich in guten Händen und jederzeit über den Einsatz meines Geldes informiert. Besonders schön ist, dass Herr Theißen persönlich bei vielen Gesprächen dabei ist. Ich bin auch sehr froh, dass mir alles Administrative erspart bleibt, denn es gibt für mich fast nichts Schlimmeres als eine Steuererklärung!“ Von Wilfried Theißen kam auch der Tipp, die Zinserträge aus der Johanna-Lug-Stiftung dem Nachbarschaftsheim Wuppertal e. V. (www.nachbarschaftsheim-wuppertal.de) zukommen zu lassen. Diese Mitgliedsorganisation des Paritätischen NRW ist nicht nur ein zertifiziertes Familienzentrum, sondern auch ein Mehrgenerationenhaus: Kinder, Eltern, Großeltern aller Nationalitäten finden in den Räumlichkeiten am „Platz der Republik“ ein vielfältiges Angebot an Information, Bildung, Beratung sowie Betreuung vor.
Bianca Kühnemund leitet das Familienzentrum und freut sich über die Unterstützung. "Mit dem Geld von Frau Lug finanzieren wir eine externe Fachkraft zur Sprachförderung – das könnten wir uns sonst nicht leisten. Aber genauso wichtig ist ihr persönlicher Einsatz für die Belange unseres Vereins. So haben wir zum Beispiel das von ihr entwickelte Sprachprogramm für Kinder mit Sprachentwicklungsverzögerungen bei uns eingesetzt“, berichtet die 36-Jährige. Johanna Maria Lug ergänzt: "Ich möchte dem Nachbarschaftsheim all meine Ressourcen zur Verfügung zu stellen – die Erträge aus der Stiftung sowie meine persönlichen und beruflichen Fähigkeiten. Bisher habe ich ein gutes Leben geführt, davon gebe ich der Gesellschaft gerne etwas ab.“