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Portal Presse FORUM 1/2010 Bildungspotenziale  · 

Bildungspotenziale im Paritätischen

Bildung ist mehr als Schule – doch was heißt das konkret? Seit Juni 2008 hat der Landesvorstand in mehreren Sitzungen paritätische Zugänge zum Thema Bildung beraten. Im Herbst 2009 mündete dies in den Auftrag an die Landesgeschäftsführung, das Thema als einen Schwerpunkt in die Jahresplanung 2010 aufzunehmen. Ausgangspunkt war zunächst die Initiative des Paritätischen Landesverbandes Berlin und des Gesamtverbandes zum Konzept der "Bürgerschulen". Daran anschließend wurden Schnittstellen zwischen Jugendhilfe und Schule anhand von Beispielen der Offenen Ganztagsschule und der Jugendsozialarbeit im Paritätischen NRW beleuchtet.

Akteur, Partner und Abnehmer
Aktuell werden die Bildungspotenziale und –zugänge im Paritätischen NRW in der Breite des Verbandes und seiner Mitgliedsorganisationen näher betrachtet. Im Paritätischen gibt es zahlreiche zielgruppen-, angebots- und einrichtungsbezogene Bildungsangebote: zum Beispiel in der Alten-, Behinderten- und Gesundheitshilfe, in der Selbsthilfe sowie in den Qualifizierungs- und Beschäftigungsträgern, in der Migrationssozialarbeit und vielen weiteren Fachgebieten. Des Weiteren gibt es eigene Fort- und Weiterbildungsangebote in Trägerschaft des Paritätischen Bildungswerkes NRW und von zahlreichen Mitgliedsorganisationen. Der Paritätische ist somit Akteur, Partner und Abnehmer im Bildungsdiskurs.

So notwendig wie schwierig
Warum es für einen Wohlfahrtsverband gleichermaßen notwendig wie schwierig ist, Bildungsdebatten zu führen, beleuchtete Prof. Dr. Joachim Merchel, Fachhochschule Münster, in seinem Vortrag im Rahmen der Klausurtagung des Landesvorstandes. Insbesondere das Thema soziale Gerechtigkeit sei für die Soziale Arbeit elementar bedeutsam und habe einen Bildungsaspekt, nämlich die Eröffnung oder Begrenzung sozialer Teilhabemöglichkeiten durch Bildungschancen. Dennoch sei es für die Soziale Arbeit durch die gesellschaftliche Trennung von Bildungssystem und Sozialsystem schwierig, das Bildungsthema zu bewegen. Unschärfen im unterlegten Bildungsbegriff und eine Tendenz zur wechselseitigen Geringschätzung der beiden Systeme täten ein Übriges.

Bildung und Soziale Arbeit
Die Soziale Arbeit, so Merchel weiter, sei in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern trägerplural organisiert, die Schule hingegen staatlich geprägt. An dieser gesellschaftlichen Grundentscheidung könne man nicht vorbeigehen. Die Frage, wie ein Wohlfahrtsverband dennoch produktiv seine Position zum Thema erarbeiten und konstruktiv in den aktuellen Debatten um Bildung und Soziale Arbeit mitwirken kann, bestimmte die Diskussion des Landesvorstands.

Einmischungsauftrag offensichtlich
Für einen offensiven Ansatz in dieser Auseinandersetzung warb Thomas Niermann, Abteilungsleiter beim Paritätischen Gesamtverband. Der Einmischungsauftrag für soziale Gerechtigkeit liege u. a. wegen der Vielzahl der "SchulverliererInnen" auf der Hand. Ausdruck des sozialanwaltschaftlichen Auftrages des Verbandes sei es auch, Schul- und Bildungsprozesse sozialraumorientiert einzubinden. Ein Bildungsverständnis und -begriff der Moderne umfasse die freie und selbstbestimmte Entwicklung der Persönlichkeit, die Mündigkeit des Subjekts, die Rückbindung an kollektive Formen der Lebensführung und Kompetenzerwerb.

Positionierung tut Not
Die vielfältigen Zugänge zum Thema Bildung legen dem Paritätischen eine Positionierung nahe: In Tageseinrichtungen für Kinder, Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, Schulsozialarbeit, Arbeit im Übergang von Schule zu Beruf, Migrationssozialarbeit sind erhebliche Bildungsanteile offenkundig. Genannt seien nicht zuletzt Freiwilligendienste als Bildungsdienste oder Zivildienste als Lerndienste. Außerdem gibt es bundesweit bereits 200 Schulen in Trägerschaft von Mitgliedsorganisationen des Paritätischen. Über die bisher fünf Schulträger im Paritätischen NRW hinaus denken aktuell weitere Mitgliedsorganisationen in diese Richtung.

Kommunale Bildungslandschaften
Ermutigt sieht sich der Verband unter anderem durch einen klaren Anstoß zur Überwindung des Denkens und Handelns in institutionellen Kategorien, den der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge gegeben hat. Kommunale Bildungsland schaften werden sich danach nur entwickeln, wenn soziales, schulisches und emotionales Lernen zur optimalen Entwicklungsförderung junger Menschen miteinander verbunden werden (www. deutscher-verein.de). Als ähnlich deutlichen Auftrag, so Niermann, verstehe der Paritätische Gesamtverband das aktuelle Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Berücksichtigung der Bildung im Regelsatz. Auch die UNBehindertenrechtskonvention habe erheblichen innerverbandlichen Kommunikationsbedarf über inklusive Bildungsprozesse ausgelöst.

Bildungsauftrag der Sozialpolitik
Der Vorstand des Paritätischen NRW bestätigte in seiner Klausursitzung entschieden den Einmischungsauftrag des Wohlfahrtsverbands für soziale Gerechtigkeit in Bildungsprozessen. Bildung weise in diesem Sinne nicht nur deutlich über das System Schule hinaus. Auch dürfe sie nicht einseitig auf die Lebensphasen Kindheit und Jugend fokussiert sein. Im Paritätischen in Nordrhein-Westfalen werden zur Zeit in einer Projektgruppe die Bildungspotenziale in allen Handlungsfeldern des Verbandes und seiner Mitgliedsorganisationen differenziert beschrieben, mit dem Ziel, die bildungspolitische Positionierung zu schärfen. Der Blick richtet sich dabei auf die ganze Breite wohlfahrtspflegerischer Dienstleistungen über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

 

Pressekontakt
Annette Ruwwe I Telefon: 0202 / 2822-388 I Mobil: 0173 / 5830079 I Mail: presse@paritaet-nrw.org


 
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