Autor: Armin Laschet - erschienen im Verlag Kiepenheuer und Witsch 2009 (Rezension von Ulrike Werthmanns-Reppekus, Leiterin der Fachgruppe Jugend, Frauen, Migration)
Es ist eher selten, dass ein Minister in NRW ein Buch schreibt. Und dann noch eins, was nicht unter die Kategorie Wahlkampfpamphlet fällt. Das Buch spannt einen großen Bogen über die Geschichte unseres Landes als Einwanderungsland, der Tenor ist engagiert und selbstkritisch.
In vier großen Kapiteln behandelt der Autor die Themen
Die Frage nach dem "wir" wird zwar mit persönlichen Erzählungen von sich und anderen eingeleitet, aber inhaltlich auf den Punkt gebracht mit der Formulierung der "dritten deutschen Einheit". Der Weg Deutschlands vom Mythos über den Gastarbeiter bis hin zum Integrationsministerium in NRW, dem der Autor als Minister vor steht, zeichnet auch die Geschichte der Integrationspolitik in ganz Deutschland nach und widmet dem Asylrecht ein besonders kritisches Augenmerk. Das dritte "Wandlungskapitel" zeigt an vielen emotionsgeladenen Beispielen (Moscheenbau, Fußballweltmeisterschaft, Kopftuchdebatte etc.) den gescheiterten, gelungenen und verbesserungswürdigen Wandel der Werte in unserer Gesellschaft. Und Laschet zitiert eine türkische Frau – und den Frauen hört er recht verblüffend oft zu –, die sagt: "Wir brauchen keine Willkommenskultur, wir brauchen eine Wahrnehmungskultur" (S.191). Das letzte, der Zukunft gewidmete Kapitel weist auf die Themenfelder hin, die so zu sagen im Fokus einer guten Integrationspolitik stehen müssen: Älter werden; Bildung, Bildung, Bildung; Illegalität; Deutschland als Auswanderungsland und das Thema der gemeinsamen Leitkultur.
Das Buch ist anregend und lesefreundlich geschrieben, es gibt aber auch alle wichtigen Fakten der bundesweiten Integrationspolitik der letzten 50 Jahre wieder. Somit ist es nicht nur ein Erzählband, sondern auch ein Nachschlagewerk. Ich kann es nur empfehlen und ich freue mich natürlich sehr, dass mit dem Reinerlös unsere paritätische Mitgliedsorganisation Coach e. V. in Köln unterstützt wird, deren Zielsetzung die umfassende Erhöhung der Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen ist, die über eine Zuwanderungsgeschichte verfügen.
Eine Bemerkung sei noch gestattet: Hieße das Buch "Die goldene Leiter – Zuwanderung als Chance", gäbe es den Ton weniger politisch konnotiert wieder als "Die Aufsteiger-Republik". Aber lesen Sie selbst!