Der Paritätische in NRW. Wir verändern.
FORUM sprach mit Doris Rix (Geschäftsführerin der Paritätischen Qualitätsgemeinschaft® Dienstleister am Arbeitsmarkt), Gabriele Bremicker (Geschäftsführerin RE/init e.V.) und Holger Schelte (Bereichsleitung „Bildung, Qualifizierung und berufliche Integration“ bei der RUHRWERKSTATT Kultur-Arbeit im Revier e.V.) über Wettbewerbsfähigkeit, Transparenz und gelebtes Qualitätsmanagement.
FORUM: Was ist das Hauptanliegen der Qualitätsgemeinschaft Dienstleister am Arbeitsmarkt?
Doris Rix: Wir möchten unsere Mitglieder dabei unterstützen, die Qualität ihrer Angebote gemeinsam weiterzuentwickeln und kontinuierlich zu verbessern. Als Arbeitsmarktdienstleister haben sie keine Grundfinanzierung, sondern sind auf häufig wechselnde Förderprogramme angewiesen. Um gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden und wettbewerbsfähig zu bleiben, brauchen sie ein effektives Qualitätsmanagementsystem.
FORUM: Herr Schelte, sehen Sie das auch so?
Holger Schelte: Ja, denn die Förderzeiträume werden immer kürzer und wir müssen stets informiert sein, welches Projekt als nächstes ansteht. Wir nutzen Qualitätsmanagement als strategisches Instrument, können damit ressourcenschonend arbeiten und flexibel auf Veränderungen reagieren.
Gabriele Bremicker: Das kann ich bestätigen. Ohne ein einheitliches System sowie passgenaue Dokumente könnten wir bei RE/init die vielen unterschiedlichen Antrags- und Ausschreibungsverfahren gar nicht so schnell abwickeln.
FORUM: Gibt es noch weitere Vorteile?
Gabriele Bremicker: RE/init ist in den letzten Jahren stark gewachsen und mittlerweile an elf Standorten vertreten. Unsere Mitarbeiter/-innen müssen über sämtliche Arbeitsprozesse informiert sein, dabei hilft ein gut funktionierendes Qualitätsmanagementsystem enorm. Wir arbeiten zum Beispiel mit einer Datenbank, auf die alle Zugriff haben. Und in einer internen Fortbildung erfahren die Teilnehmenden unter anderem, wo sie einheitliche Vorlagen für Anträge oder Geschäftskorrespondenz finden.
Holger Schelte: Diese Transparenz erleichtert den Arbeitsalltag. Durch Rückmeldungen des Personals erfährt das Management außerdem, ob alle Arbeitsabläufe reibungslos funktionieren. Als Qualitätsmanagementbeauftragter arbeite ich mit meinem Team immer wieder an unserem netzwerkgestützten Qualitätshandbuch. Jedes Projekt hat dort einen eigenen Ordner. Wenn die Benutzer/-innen sagen, dass es zu lange dauert, bis sie benötigte Informationen oder Dokumente finden, wird die entsprechende Rubrik sofort geändert. Auch bei der Vorbereitung auf die Überprüfung der Bundesagentur für Arbeit hat mir unser Qualitätssystem sehr geholfen. Ich konnte mit Sicherheit sagen, dass alle Anforderungen erfüllt sind, und wusste genau, worauf die Prüfer/-innen achten.
FORUM: Was bedeutet praxisnahes Arbeiten in der Qualitätsgemeinschaft?
Doris Rix: Unsere Mitglieder haben verschiedene Möglichkeiten sich regelmäßig auszutauschen und voneinander zu lernen. Neben externen finden auch interne, gegenseitige Audits statt. Auf diese Weise überprüfen die Geschäftsführungen untereinander ihre Führungsprozesse. Weil dieses Vorgehen so effektiv ist, nutzen es einige Einrichtungen auch für ihre Leistungsprozesse.
Gabriele Bremicker: Das verhindert „Betriebsblindheit“. Wir sprechen uns gegenseitig Empfehlungen und Optimierungsvorschläge aus. Ein vertrauensvolles und mutiges Vorgehen, schließlich gewährt man Außenstehenden einen Einblick in interne Geschäftsprozesse.
Holger Schelte: Dabei stehen fachlicher Austausch und kollegiale Beratung im Vordergrund. Unsere Qualitätsgemeinschaft hat als einzige Qualitätsstandards als Selbstverpflichtung entwickelt. Die große Kunst ist, sie alltagstauglich und benutzerfreundlich umzusetzen.
Doris Rix: Qualitätsmanagement muss immer gelebt werden und praxisnah sein. Steht unsere Qualitätsgemeinschaft vor neuen Herausforderungen, nehmen wir sie an. Derzeit entwickeln wir zum Beispiel eine Arbeitshilfe für die internen Audits, da die Zertifizierer zum bisherigen Verfahren wiederholt Verbesserungsvorschläge hatten.
FORUM: Warum ist Ihr Verein auch nach der Zertifizierung Mitglied in der Qualitätsgemeinschaft geblieben, Frau Bremicker?
Gabriele Bremicker: Man muss doch nicht aus den eigenen Fehlern lernen, das kostet nur Zeit und Kraft. In der Gruppe bekomme ich zwölf unterschiedliche Möglichkeiten aufgezeigt, wie ich zum Beispiel ein bestimmtes Antragsformular verbessern kann. Solche Anregungen nimmt RE/init weiterhin dankbar an und setzt sie in die Tat um.
Holger Schelte: An der Arbeitsgemeinschaft nehmen ausgewiesene Experten teil. Jeder ist ein Profi, kennt sich mit Organisationsentwicklung aus und weiß über die Branchentrends Bescheid. Alle Beteiligten beschäftigen sich in ihrem Arbeitsalltag mit dem Planen und Überprüfen von Projekten und Bildungsmaßnahmen. Obwohl jede Einrichtung ihr eigenes Qualitätsmanagementsystem hat, sind wir fachlich auf einem Niveau. Von diesem geballten Know-how kann die RUHRWERKSTATT nur profitieren. Außerdem ist man mit dem Qualitätsmanagement nie fertig. Die spannende Zeit beginnt doch erst nach der Zertifizierung!
FORUM: Frau Rix, wie sehen Sie die künftige Entwicklung der Qualitätsgemeinschaft Dienstleister am Arbeitsmarkt?
Doris Rix: In den Anfangsjahren haben wir die Qualitätsmanagementsysteme entwickelt und aufgebaut. Jetzt sind alle Mitglieder zertifiziert und wir kümmern uns vor allem um die Verschlankung und Einsparung von Kapazitäten. Dazu verbessern wir unter anderem bestehende Prozesse und Verfahren und reagieren auf aktuelle Änderungen der Normvorgaben. Derzeit schauen wir uns zum Beispiel die Beschaffung und Bewertung von Lieferanten noch einmal genauer an. Seit 2006 führe ich einmal pro Jahr auch eine Kundenbefragung durch. Die Ergebnisse zeigen, dass die Beteiligten mit der Arbeit der Qualitätsgemeinschaft sehr zufrieden sind. Wir richten gerne weitere Arbeitsgruppen ein – neue Mitglieder sind bei uns herzlich willkommen!
Ausdruck aus:
http://www.paritaet-nrw.org/content/e13324/e24538/e27499/e27691/index_ger.html
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2/2010
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