FORUM: Sehr geehrter Herr Dr. Scholz, Gratulation zur Wiederwahl als Vorsitzender des Arbeiter-Samariter-Bundes NRW. Welche konkreten Ziele haben Sie für die kommenden Jahre?
Dr. Scholz: Wir haben uns drei wesentliche Ziele gesetzt. Erstens wollen wir den Prozess der wirtschaftlichen Konsolidierung fortsetzen. In den öffentlichen Haushalten wird immer mehr gespart und wir müssen uns zunehmend der aktuellen Situation anpassen. Das zweite Ziel besteht darin, dass wir uns noch besser als Dachverband in NRW aufstellen wollen. Das bedeutet, dass wir uns gegenüber unseren regionalen Verbänden, die vor Ort das operative Geschäft betreiben, als effektiver Dienstleister präsentieren und weiterentwickeln, der wirtschaftlich rentable Leistungen erbringt. Das schließt finanzielle und wirtschaftliche Beratung genauso ein wie die Förderung und Weiterentwicklung von Projekten. Wir haben den Vorteil, dass bei uns vieles nicht so festzementiert ist, wie bei anderen, größeren Wohlfahrtsverbänden, bei denen oft von oben herab gesteuert wird. Experimentierfreude und Kreativität sind bei uns wesentlich größer. Wir werden unsere eigenständige Position weiter ausbauen und die Marke ASB stärker als bisher nach außen zeigen, in dem wir die Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit verstärken.
FORUM: Welche Dienstleistungen stehen in der Zukunft für den ASB im Mittelpunkt?
Dr. Scholz: Angesichts der demografischen Entwicklungen werden die Bereiche Seniorenarbeit und Pflege stetig zunehmen. Der Bereich der sogenannten wohnungsnahen Dienstleistungen wird weiter anwachsen. Themen im Bereich von Jugend und Familie, besonders die notwendige Verknüpfung von Schule und Kindergarten und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, stehen ebenso im Mittelpunkt.
FORUM: Was bedeutet die Mitgliedschaft im Paritätischen NRW für den ASB?
Dr. Scholz: Der Paritätische ist für uns der Dachverband, der letztendlich auch unsere Position gegenüber der Öffentlichkeit und der Landesregierung vertritt. Wir sind zwar mit über 150 000 Mitgliedern ein relativ großer Verband, letztendlich aber nicht groß genug, um als Dachverband auftreten zu können. Deswegen ist eine gute Zusammenarbeit mit dem Paritätischen notwendig und – wie die Erfahrung zeigt – auch möglich. Wir haben eine ähnliche Vielfalt im Verband wie der Paritätische. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass man mit einer Stimme auftreten und mit zentralen und gebündelten Positionen die Interessen der Mitglieder und Menschen vertreten muss. Das kann man auf Grundlage der Vielzahl der Mitglieder nur mit einem großen und starken Dachverband.
FORUM: Sie sind auch Mitglied des Landesvorstandes des Paritätischen NRW. Was würden Sie dort gerne bewegen?
Dr. Scholz: Erstmal ist es wichtig, dass wir es gemeinsam mit dem Paritätischen schaffen, die finanzielle Grundlage unserer Arbeit zu sichern. Die öffentlichen Kassen sind leer, die Bezuschussung aus den entsprechenden Wetteinnahmen wird knapper. Jetzt muss eine vernünftige finanzielle Basis organisiert werden. Eine notwendige Voraussetzung für die vielfältige und immens wichtige soziale Arbeit der Wohlfahrtsverbände und ihrer Mitglieder.
FORUM: Welche Forderungen und Wünsche haben Sie als ASB-Vorsitzender an die neuen Landesregierung?
Dr. Scholz: Letztendlich erwarte ich, dass die neue Regierung ihre Versprechungen gegenüber dem Sozial- und Jugendbereich wahr macht. Die erste Forderung ist, dass jeder Mensch die Möglichkeiten bekommt, eine Arbeit zu einem vernünftigen Lohn aufzunehmen. Zweitens muss im Bildungsbereich dafür gesorgt werden, dass jeder die gleichen Chancen hat, damit Armut nicht vererbt wird. Drittens ist es notwendig, dass dort, wo Notstände trotzdem auftreten, insbesondere Verbände in die Lage versetzt werden, ausreichend zu helfen. Die Regierung sollte auf Basis des Subsidiaritätsprinzips daran erinnern, dass es Verbände und Organisationen gibt, die vielfältige Dienstleistungen anbieten und, dass keine eigene teure Verwaltung vorgehalten werden muss. Verbände und Organisation müssen dann aber auch mit den notwendigen finanziellen Mitteln ausgestattet werden.