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Das Werkstattjahr - Praktische Erfahrungen bei INITEC

Praktische Erfahrungen aus der INITEC gGmbH in Lippstadt

Sonja sammelt praktische Erfahrung
Die 1987 in Deutschland geborene Libanesin Sonja M. besucht seit Dezember 2005 das Werkstattjahr im Berufsfeld Verkauf im Schulungszentrum der INITEC-Gesellschaft für Ausbildung und Beschäftigung gGmbH in Lippstadt. Eigentlich wollte Sonja, nach ihrem Hauptschulabschluss direkt eine Ausbildung im Einzelhandel beginnen. Aber trotz ihrer Erfahrung durch ein Praktikum in diesem Bereich fand sie keinen Ausbildungsplatz. Nach dieser Enttäuschung beschloss Sonja, an einem Berufskolleg in Lippstadt die Klasse für SchülerInnen ohne Ausbildungsverhältnis zu besuchen, um wenigstens irgendetwas zu machen. Als sie im Unterricht über das Angebot des Werkstattjahrs informiert wurde, sah sie ihre Chance. Sie wusste gleich, dass sie mit dieser zusätzlichen praktischen Qualifikation bessere Möglichkeiten auf dem Ausbildungsmarkt erhalten würde und meldete sich direkt an. Während eines Praktikums im Einzelhandel begann Sonja zu zweifeln, ob sie weiterhin am Werkstattjahr teilnehmen sollte, oder sich doch jetzt lieber mehr in ihrer großen Familie mit 7 Geschwistern engagieren und im kommenden Schuljahr besser eine Schule in Vollzeit besuchen sollte, um den Realschulabschluss zu machen. Nach mehreren Beratungsgesprächen klärten sich ihre Zweifel. Sie entschloss sich weiterhin das Werkstattjahr zu besuchen, denn die zertifizierten praktischen Qualifikationen im Werkstattjahr erhöhen ihrer Meinung nach die Chancen auf eine Ausbildung – auch dann, wenn sie im Sommer keinen Ausbildungsplatz erhält und erst noch den Realabschluss machen sollte. Lieber wäre ihr jedoch eine Ausbildungsstelle. Ohne intensive Betreuung hätte Sonja das Werkstattjahr abgebrochen.

So funktioniert es
Das Werkstattjahr ist eine Möglichkeit der schulischen und praktischen Qualifizierung für Jugendliche bis 25 Jahre, die nach Beendigung ihrer zehnjährigen Schulpflicht keinen Ausbildungsplatz und keine Arbeitsstelle erhalten haben. Das Angebot wurde im Herbst 2005 durch die Initiative des Ministerium für Arbeit und Soziales (MAGS) des Landes Nordrhein-Westfalen neu eingerichtet, um die weiterhin steigende Zahl unversorgter Jugendlicher zu reduzieren. Das Angebot richtete sich an Jugendliche, die sich zur Erfüllung der Berufschulpflicht entweder in Vollzeitklassen der Vorklasse zum Berufsgrundschuljahr befinden oder die Klassen für Schüler und Schülerinnen ohne Ausbildungsverhältnis an ein bzw. zwei Tagen in der Woche besuchten. (Ab August 2006 sollen letztere im Zentrum stehen!) Durch Besuch des Werkstattjahres haben diese Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, in einem Jahr den Hauptschulabschluss an der Berufsschule nachzuholen. Parallel dazu können sie bei einem Bildungsträger verschiedene berufliche Qualifizierungsbausteine einer bestimmten Fachrichtung mit Zertifikat erwerben. Durch den Träger organisierte und begleitete Praktika in der freien Wirtschaft verhelfen einerseits den jungen Menschen dazu, konkrete betriebliche Abläufe kennen zu lernen und andererseits den Betrieben, mögliche potentielle Auszubildende oder Arbeitnehmer zu prüfen. Eine pauschale Mehraufwandsentschädigung für die Jugendlichen in Höhe von inzwischen 120,–€/Monat stellt einen gewissen Anreiz zur Teilnahme dar.

Kooperation zwischen den Akteuren
Die INITEC in Lippstadt bietet das Werkstattjahr seit dem 1. Dezember 2005 an. Im Vorfeld gab es Gespräche mit der Leitung des örtlichen Berufskollegs, die in eine ausgesprochen gute Kooperation mit der zuständigen Lehrkraft für die Klassen für SchülerInnen ohne Ausbildungsverhältnis mündete. Vor der Entscheidung der SchülerInnen für das Angebot gab es Informationsgespräche in den entsprechenden Klassen und die Besichtigung der verschiedenen Werkstattbereiche des INITEC Schulungszentrums. Das Werkstattjahr begann mit 15 SchülerInnen, von denen zurzeit noch 12 teilnehmen. Sie sind in den Berufsfeldern Metall, Verkauf, Hauswirtschaft und Gesundheit/Körperpflege tätig. Am Berufskolleg gibt es weiterhin kontinuierlich eine Beratung der Jugendlichen bezüglich des Angebotes, so dass weitere Jugendliche für die Maßnahme gewonnen werden konnten. Durch den kontinuierlichen Austausch zwischen der INITEC und der Schule wird die umfassende fachliche Betreuung der SchülerInnen gewährleistet.

Instrumente zur Steigerung des Erfolgs
Es kann nicht oft genug betont werden, dass der Erfolg des Werkstattjahres in hohem Maße von der guten Zusammenarbeit zwischen den Berufsschulen und den Trägern der praktischen Qualifizierung abhängt. Das oben aufgeführte Schülerportrait zeigt aber auch deutlich auf, dass weitere ergänzende Instrumente für die Wirksamkeit des Werkstattjahres wichtig sind - und seinen Erfolg in erheblichem Maße mitbestimmen. Dies ist z.B. eine konsequente ergänzende sozialpädagogische Betreuung, um den Jugendlichen mit ihren zahlreichen Zweifeln und Ängsten zur Seite zu stehen, aber auch um die notwendige Qualifizierungsberatung zu leisten. Diese Betreuung ist nun ab dem 1. Juli 2006 mit einer Betreuungsfachkraft bei einem Schlüssel von 1:30 vorgesehen, wobei die Finanzierung kostendeckend sein muss. Ein weiterer wichtiger Aspekt liegt beim pauschalen Zuschuss für die Jugendlichen. Finanzielle Anreize spielen für Jugendliche eine große Rolle bei der Entscheidung, ob sie eine Qualifizierung beginnen oder nicht; dies kann den Jugendlichen nicht verübelt werden. Die erfolgte Aufstockung des pauschalen Zuschusses auf 120€/Monat ist hier in Bezug auf die Attraktivität des Werkstattjahrs für Jugendliche eindeutig positiv zu bewerten. Allerdings muss weiterhin die Wirkung unterschiedlich hoher Geldleistungen bei Förderprogrammen im Auge behalten werden. Die Tatsache, dass die Berufsausbildungsbeihilfe für berufsvorbereitende Maßnahmen höher liegt als der pauschale Zuschuss für das Werkstattjahr, hat eine steuernde Wirkung. Für Jugendliche, die „BvB-geeignet” sind, macht das Sinn, weil das Werkstattjahr nachrangig sein soll.

Werkstattjahr – nächste Runde
Was hier im Schuljahr 2005/06 im kleinen Maßstab an den Start ging, wird 2006/07 weitergeführt. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen und des höheren Bekanntheitsgrades, wird die Zahl der Schüler wesentlich höher sein. Um die bisherigen Erfahrungen des Werkstattjahres zu nutzen und damit den Erfolg für die Zukunft sicher zu stellen, standen das MAGS und das Ministerium für Schule und Weiterbildung (MSW) im kontinuierlichen Austausch mit den Schulen und den Trägern. So fanden in der Zeit seit Installation dieser Qualifizierungsform in den verschiedenen Landesregionen Veranstaltungen zum Erfahrungsaustausch statt. Der CDU-Arbeitskreis Soziales der Landesregierung unter Federführung von Minister Karl-Josef Laumann holte sich darüber hinaus Träger und beteiligte Schulen zur Beratung in eine Arbeitskreissitzung. Auch hierzu war die INITEC eingeladen und konnte ihre Anregungen einbringen. Gut, dass die Erhöhung der Pauschalen und der Einsatz der Betreuungsfachkraft in Zukunft umgesetzt werden und damit einen höheren Erfolg sicherstellen können.

Anne Richter



Zur Autorin
Anne Richter ist GeschäftsführerinINITEC gGmbH.
Tel.: 02941/752111
E-Mail: anne.richter@ini.de

Anne Dorn-Pollmann ist Abteilungsleiterin des Werkstattjahres.
Tel.: 02941/75 121
E-Mail: anne.dorn-pollmann@ini.de

Externer Link

www.ini.de

 

Zur Autorin
Anne Richter Geschäftsführerin INITEC gGmbH. Tel.: 02941/752111 anne.richter@ini.de