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Willkommen beim Paritätischen in Nordrhein-Westfalen





arbeitsdruck 38 - November 2003
Schwerpunkt: Job-Center

Inhalt

  • Job-Center
    Hartz, Agenda, Modernisierung, ... Politik ist Marketing, setzt – für sehr viel Geld - Zeichen mit Logos und Markennamen. Die Sozialwirtschaft in Deutschland dagegen vermarktet sich schlecht. So wird die Debatte um Zuständigkeiten für Langzeitarbeitslose und ihre Angehörigen geführt, als wären Arbeits- und Sozialämter die einzig relevanten Akteure. Dabei waren es freie Initiativen, die schon in den 80er Jahren flexible, marktnahe und möglichst selbst bestimmte Perspektiven für Arbeitslose und mit ihnen entwickelten.
  • Vom „Fördern und Fordern“ zum „Fordern und Selektieren“
    „Armut treibt zur Arbeit“ sagt ein altes Deutsches Sprichwort. Und damit scheint das schlichte Leitbild aktueller Arbeitsmarktpolitik identifiziert: Wer keine Stelle findet, muss nur wenig genug an staatlicher Unterstützung erhalten, dann wird er schon jede Arbeit annehmen. Und wer sich dann noch widerständig zeigt, dem wird kurzerhand die Leistung gekürzt. Der Sozialstaat erfährt gegenwärtig den größten Wandel seit 1945. Die Arbeitsmarktreform bildet ein Kernelement. Dabei wird die Arbeitsmarktpolitik ihrer sozialen Dimension entkleidet.
  • Case Management
    In den letzten Jahren haben etliche Sozialhilfeträger damit experimentiert, die Dienstleitungsaspekte der Sozialhilfegewährung in der Hoffnung zu verstärken, dass eine intensivierte persönliche Ansprache eher zu einer Verselbstständigung aus der Sozialhilfe führen wird als eine Fortführung des vorwiegend auf Gewährung materieller Hilfe konzentrierten „Massengschäfts“. Case Management ist die zentrale Methode im künftigen Job-Center. Für den arbeitsdruck beschreibt Prof. Dr. Claus Reis die Anforderungen die sie erfüllen muss. Eine entscheidende Bedingung des Erfolgs ist dabei die qualifizierte Kooperation mit freien Trägern. Die Redaktion
  • Keine Chance auf Weiterbildung?
    Das Arbeitsamt hat für die Fortbildungen und beruflichen Weiterbildung (FbW) die Messlatte der zu erreichenden Vermittlungen höher gehängt. 70% der TeilnehmerInnen sollen vermittelt werden. Wem das nicht gelingt der erhält keine Folgemaßnahmen mehr. „Wo liegt da das Problem?“ werden sich viele Fragen, angesichts der bisherigen Erfolgsquoten des Arbeitsamts von 75% bis 85%. Aber der Gesetzgeber hat nicht nur die Vermittlungsquote erhöht, sondern auch die Bezugsgröße. Während bisher die Bezugsgröße die erfolgreichen AbsolventInnen der Weiterbildung waren, zählt nun jede/jeder, der teilgenommen hat. Dies ist ein erheblicher Unterschied.
  • Vermittlungsoffensive – wie und wohin?
    Das Signal zu offensiveren Vermittlungspraktiken zur Verhinderung von Langzeitarbeitslosigkeit hat uns in Kleve im Frühsommer 2002 erreicht. Der Druck der Arbeitsverwaltung, nicht vorhandene Vermittlungskonzepte, aber die Bereitschaft von zwei kooperierenden Trägern SOS Ausbildung und Beschäftigung Kleve (SOS) und Theodor Brauerhaus Kleve (TBH) waren die Ausgangslagen für erste Projekte. Ziel war es gemeinsam neue organisatorische und inhaltliche Konstruktionen bzw. Schwerpunkte in der Arbeitsvermittlung auszuprobieren.
  • Trotz Clement, Hartz und alledem...
    Wolfgang Clement, gestern noch Ministerpräsiden von Nordrhein-Westfalen und heute Superminister in Berlin, weiß seit langem, wo die tatsächlichen Ursachen der Massenarbeitslosigkeit liegen – bei den Arbeitslosen.
  • Freie Lanzenträger mit schwacher Rüstung
    „Ich-AG” war das Unwort des Jahres 2002. Der einzelne als Aktionär seiner selbst: Einst nur eine Modevokabel der Trendforscher, machte die Hartz-Kommission den Nonsens-Begriff zum Element seriöser Arbeitsmarktpolitik. Wer sich als Solounternehmer selbstständig machen will, kann seit Januar 2003 auf staatliche Hilfe hoffen: 600 Euro im ersten, 360 Euro im zweiten und 240 Euro im dritten Jahr. „Existenzgründungszuschuss“ heißt die öffentliche Unterstützung im offiziellen Sprachgebrauch der Arbeitsverwaltung, die das „Unwort” tunlichst vermeidet.
  • Marienthal und die Arbeitsmarktförderung von morgen
    JOB-AQTIV, Hartz, Agenda 2010 – Versuche die Massenarbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen. Millionengrenzen der Arbeitslosenzahlen werden beständig überschritten. Zwei, drei, vier und bald womöglich fünf Millionen und wir sind nicht weit von den sechs Millionen, die Deutschland während der Weltwirtschaftkrise von 1929 –1933 hatte.
  • Droht der soziale GAU?
    Die drei Ebenen der öffentlichen Hand versuchen in ihrer Uneinigkeit, die Herrschaft über ihre Haushalte zurück zu gewinnen und verursachen dabei massenhafte Armut, eine soziale Pleitewelle, und nicht zuletzt eine soziale Klimakatastrophe. Die Bundesebene setzt mit Hartz I – IV oder Variationen im Sinne des Hessischen Existenzgrundlagengesetzes (EGG) den Rahmen. Die Landesregierung NW legt einen drastischen Sparhaushalt vor. Auch die Kommunen sind in Finanznot. Spekulationen über zukünftige Finanzströme und Zuständigkeiten bestimmen auf fatale Weise die Entwicklung.
  • Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt
    Am 17.10.2003 – Sachstand dieses Artikels - hat der Deutsche Bundestag die Teile 3 und 4 der Gesetze für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt verabschiedet. Da dem Teil Hartz IV auch der Bundesrat zustimmen muss, wird im Vermittlungsverfahren auch das von der Opposition eingebrachte Existenzgrundlagengesetz (EGG) eine Rolle bei der Kompromisssuche spielen.
  • Sozialagentur bei freiem Träger
    Das cultur- und begegnungszentrum achtermannstraße (cuba) aus Münster ist der einzige Träger der freien Wohlfahrtspflege, der am Modellprojekt Sozialagenturen des Landes NRW beteiligt ist. Seit April 2002 übernimmt das cuba, eine Mitgliedsorganisation des PRITÄTISCHEN NRW, Dienstleistungsaufgaben des Sozialamts der Stadt Münster wahr. Aufgabe ist die Unterstützung von Arbeitslosen bei der Integration in den Arbeitsmarkt, sowie auch die Unterstützung bei persönlichen, sozialen und materiellen Problemen. Die Beteiligung des cuba am Modellprojekt war nur möglich durch die finanzielle Unterstützung der Landesarbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege des Landes Nordrhein-Westfalen (LAG FW NRW) und der Stadt Münster.
  • Sprache und Beruf für MigrantInnen
    Die berufliche Eingliederung von MigrantInnen aus der ehemaligen Sowjetunion in den deutschen Arbeitsmarkt verlangt neue Wege und Denkrichtungen in der Integrationsarbeit. Gefragt ist ein Gesamtkonzept, das die mitgebrachten Erwartungen, Erfahrungen und Kompetenzen der Zugewanderten über einen gemeinsam erarbeiteten Bildungsplan auf begrenzte Möglichkeiten des Arbeitsmarkts abstimmt. Der Verein zur Integrationsförderung (Vif) zeigt sich mit Unterstützung der Landesstelle Unna Massen und der Dortmunder Sozialverwaltung dieser Herausforderung gewachsen.
  • Profis der Nation vor Ort
    Hartz gilt als das neue Zauberwort; durch Hartz wird sich alles verändern, Hartz ersetzt alles, was wir jetzt an (guten!) kreiseigenen Programmen haben. Wir brauchen vor Ort nichts mehr zu tun, Hartz wird alles richten, so ist die Einschätzung der derzeitigen kommunalpolitischen Mehrheit im Kreis Wesel.
  • Gemeinwohlorientierter Arbeitsmarkt als Alternative?
    Zum 30. Juni 2003 berichtete die Bundesregierung über die Beschäftigungssituation behinderter Menschen in Deutschland. Vorgelegt wurde eine abschließende Bewertung der Aktion „ 50.000 Arbeitsplätze für behinderte Menschen“ der Jahre 2000 - 2002. Gleichzeitig sollten Vorschlägen diskutiert werden, um die berufliche Integration behinderter Menschen noch effizienter zu gestalten.
  • gutesleben.de
    In seinem Buch „gutesleben.de – Die neue Balance zwischen Arbeit und Liebe“ macht sich s Gesterkamp auf die Spur von Wandlungen im Beruf und im Privatem in der postindustriellen Informationsgesellschaft. Selber Wissensarbeiter (Journalist) aber auch Familienmensch beleuchtet er Möglichkeiten, die der Abbau von starren Rollenzuschreibungen und festen Beschäftigungsformen für die Entwicklung neuer, besserer Lebensstile bieten.
  • Freie Wohlfahrtspflege NRW fordert soziale Vernunft
    Kürzungen in den Sozialhaushalten von Bund, Land und Gemeinden bedrohen die Existenz vieler Menschen. Arbeitslose, alte Menschen, chronisch Kranke, allein Erziehende, sozial benachteiligte Familien, Menschen mit Behinderungen, MigrantInnen geraten immer stärker unter Druck. Veränderungen in den gesetzlichen Sozialversicherungen. Die Freie Wohlfahrtspflege in NRW wendet sich gegen eine weitere Verschlechterung des sozialen Klimas. Das kurzsichtige Sparen verursacht mittelfristig erhebliche gesellschaftliche Mehrkosten für Bildung, Innere Sicherheit und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen. Wir fordern deshalb eine große Koalition der sozialen Vernunft! Unterstützen Sie uns in dem Anliegen, weitere Kürzungen in den Sozial- und Jugendhaushalten zu verhindern!