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Lichtblicke auf dem AusbildungsmarktAber: Jeder zweite Bewerber will aus der Warteschleife! Der Anteil der Schulabsolventen, die eine Ausbildung beginnen, sinkt seit Beginn der 90er Jahre stark, von über 70% auf den historischen Tiefstand von nur noch 59% im Jahr 2005. Erstmalig deutet sich nun eine Aufwärtsbewegung an: 2006 konnte bei den neu abgeschlossenen Lehrverträgen mit 5% der größte Zuwachs seit der Wiedervereinigung verzeichnet werden. Ausschlaggebend dafür waren der wirtschaftliche Aufschwung und die positive Beschäftigungsentwicklung. Ob von einer dauerhaften Trendwende gesprochen werden kann, bleibt abzuwarten. Die Statistik zum Ausbildungsmarkt 2006 ließ erstmals aufatmen. Im Bereich Industrie und Handel, wo knapp drei von fünf Lehrverträgen abgeschlossen wurden, stiegen die Abschlüsse mit insgesamt 336 935 um 6,6% gegenüber dem Vorjahr. Auch das Handwerk konnte mit 162 604 Verträgen nach Jahren des Lehrstellenabbaus erstmalig wieder deutliche Zuwächse verzeichnen (+3,6%). Während die Vertragszahlen bei den Freien Berufen um 3,5% auf 42 110 weiter zurückgingen, weil v.a. Apotheken, Arzt- und Zahnarztpraxen weniger Azubis einstellten, wurde in der Landwirtschaft mit 15 813 Verträgen (+7%) der höchste relative Zuwachs erreicht. Die Ausbildungsleistung des Öffentlichen Dienstes blieb mit 14 082 Neuabschlüssen etwa auf Vorjahresniveau (-0,6%). Licht Somit wurden 2006 insgesamt tatsächlich 26 000 Lehrverträge mehr als 2005 geschlossen. Die außergewöhnlich hohe Zuwachsrate hing v.a. mit dem Auftrieb im Beschäftigungssystem zusammen: Dort stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 317 000. Doch rein konjunkturell können diese Daten nicht erklärt werden. Offenbar zeigen im Zuge der guten Arbeitsmarktentwicklung auch die Förderinitiativen zur Stabilisierung des Lehrstellenmarktes deutlicher Wirkung. Schatten Und dennoch: Grund zur Euphorie ist damit nicht gegeben. Im Hintergrund klafft weiterhin eine weit geöffnete Schere zwischen Schulabgängern und betrieblichen Lehrstellenangeboten. Während das Ausbildungsplatzangebot zwischen 1992 und 2006 von 721 800 auf 591 500 sank (-130 300), wuchs innerhalb des gleichen Zeitraumes die Zahl der Absolventen aus allgemein bildenden Schulen von 759 700 auf 941500 (+181800). Die Zahlen machen deutlich, dass die Positivsignale des letzten Jahres nicht ohne den Kontext vergangener Jahre interpretiert werden dürfen. Zwei Dinge müssen berücksichtigt werden: erstens, die in jüngerer Zeit immer stärker diskutierte Aussagekraft der offiziellen Statistik bzw. das Problem der latenten Nachfrage, und zweitens – damit direkt zusammenhängend – das Problem der so genannten Altbewerber. Was heißt versorgt? Die niedrige Zahl der unvermittelten Jugendlichen (2006: 49 500, nie lag der Anteil seit 1992 über 7%) macht stutzig, wenn man die Diskrepanz zwischen der stark gewachsenen Zahl der Schulabsolventen und der vergleichsweise niedrigen Zahl der Neuverträge betrachtet. Der Umfang der Unvermittelten ist nur deshalb so gering, weil alle Jugendlichen, die in eine Alternative zur Berufsausbildung eingemündet sind (2006: 365 600), nicht zu dieser Gruppe gezählt werden. Selbst wenn diese Jugendlichen unfreiwillig etwas anderes als eine Berufsausbildung begannen und weiterhin auf Ausbildungsstellensuche sind, gelten sie als „versorgte Bewerber” und werden nicht zur Ausbildungsplatznachfrage hinzugerechnet. Nach Erfahrungswerten früherer Jahre dürfte aber die Zahl derer, die weiterhin suchen und im nachfolgenden Jahr oder später erneut als Ausbildungsstellenbewerber vorstellig werden, mehr als 100 000 betragen. Wie eine Bugwelle wuchs der Anteil dieser sog. Altbewerber in den letzten Jahren an. Maßnahmen drohen Stigma zu werden 2006 war erstmalig jeder zweite bei der Bundesagentur für Arbeit registrierte Bewerber ein Altbewerber. Jugendliche, die nicht direkt im Jahr ihres Schulabschlusses in eine Berufsausbildung einmünden, haben zwar die Möglichkeit, sich über verschiedene Bildungsgänge im Übergangssystem zwischen Schule und Berufsausbildung weiterzuqualifizieren, tendenziell sinken ihre Erfolgschancen jedoch, je länger die Erfolglosigkeit andauert. Maßnahmenkarriere und Alter drohen dann zum Stigma zu werden. Hauptschüler bleiben auf der Strecke Während steigendes Alter, Maßnahmenkarrieren, aber auch eine hohe Arbeitslosenquote am Wohnort des Bewerbers und ein Migrationshintergrund als Risikofaktoren wirken, gelten ein guter Schulabschluss und gute Zeugnisse als wichtigste erfolgsfördernde Faktoren. Dabei kann ein Hauptschüler mit guten bis sehr guten Noten unter Umständen bessere Chancen haben als ein Bewerber mit mittlerem Abschluss, der schlechtere Zensuren hat. Weitreichende Folgen hat allerdings, dass in den letzten Jahren die Zahl der Ausbildungsplätze in den Fertigungsberufen stark gesunken ist und das duale System zunehmend tertiarisiert wurde. 2006 entfielen 53% aller neuen Lehrverträge auf Dienstleistungsberufe, während die Fertigungsberufe nur noch einen Anteil von 40% ausmachten. Hauptschüler, die im Fertigungsbereich traditionell die meisten Auszubildenden stellen, müssen sich vielfach umorientieren, treten jedoch bei Ausweichen auf die tertiären Berufe in Konkurrenz mit Realschülern und Gymnasiasten. Generell ist aufgrund des Strukturwandels ein deutlicher Trend zu Gunsten höher Qualifizierter erkennbar. So stieg der Anteil der Bewerber mit Hochschulreife 2006 um 4%, der Anteil derer mit Fachhochschulreife sogar um 20%. Der Anteil der Studienberechtigten liegt in den seit 1996 neu entwickelten Berufen bei über 30%, bei den Ausbildungsanfängern insgesamt bei 17%. Chancen für Geringqualifizierte Um die Chancen von Bewerbern mit schwächeren Schulabschlüssen zu verbessern, wurden in den vergangenen Jahren verstärkt zweijährige Berufsausbildungsgänge entwickelt. Bei den zweijährigen Ausbildungen, wie Verkäufer/-in, Fachkraft im Gastgewerbe, Fachlagerist/-in, Teilezurichter/-in, betrug der Anteil der Schulabsolventen mit höchstens Hauptschulabschluss zuletzt immerhin 61% gegenüber 27% Realschulabsolventen und Abiturienten. Allerdings bleibt das Instrument der zweijährigen Berufe zwischen den Sozialpartnern umstritten. Bewerbern, die nur eingeschränkte Vermittlungsperspektiven haben, wird seit 2004 zudem die Möglichkeit eingeräumt, im Rahmen einer überwiegend von der Bundesagentur für Arbeit finanzierten betrieblichen Einstiegsqualifizierung (EQJ) ihre Ausbildungsreife unter Beweis zu stellen. Im Hintergrund steht dabei die Hoffnung, dass die EQJ-Teilnehmer im Anschluss von den Betrieben in eine reguläre Lehre übernommen werden (sog. „Klebe- Effekt”). 2006 gelang dies immerhin rund der Hälfte der 28 700 Teilnehmer (unter denen allerdings nur zu 46% Hauptschüler waren). Trotz Hoffnungen – die Bugwelle rollt
Für die Jahre 2007 und 2008 wird damit gerechnet, dass der Auftrieb im Beschäftigungssystem anhält und damit auch auf dem Lehrstellenmarkt zu einer dauerhaften Trendwende führen könnte. Vorausschätzungen auf ökonometrischer Basis gehen für 2007 von einem Angebotsplus von rund 26 000 aus. Zudem kommt dem Ausbildungsmarkt zu Gute, dass die Zahl der Schulabgänger wieder abnimmt. Allerdings bewegt sich die Zahl der Altbewerber auf Rekordniveau, und insofern dürfte die Lage auch in näherer Zukunft trotz deutlich positiver Signale zunächst noch sehr angespannt bleiben.
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