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Berufsparcours

Jugendliche testen Berufe

Jugendliche haben oft nur geringe Kenntnisse über Ausbildungsberufe und die damit verbundenen Tätigkeiten. Als Gegenmittel entwickelte das Technikzentrum Minden – Lübbecke den Berufsparcours. In ihm kann eine große Zahl von jungen Menschen innerhalb weniger Stunden 12 – 14 Berufe kennenlernen und bewerten.

Ein Berufsparcours wird nach dem Minimalprinzip durchgeführt. Dies bedeutet, dass in einer Stadthalle (Schulaula) nur Tische und Stühle, eventuell noch ein Stromanschluss zur Verfügung stehen. Weder Werbetafeln noch Werbegeschenke sind erwünscht. Die teilnehmenden Firmen lassen die Jugendlichen an „ihrem Stand” die für den vorgestellten Beruf typische Übungsaufgabe an mindestens 4 identischen Übungsplätzen ausprobieren. Die Dauer liegt zwischen 5 und 10 Minuten.

600 Jugendliche pro Tag

Die Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse absolvieren den Parcours klassenweise. 200 Jugendliche können ihn gleichzeitig durchlaufen, bis zu 600 pro Tag. Etwa 12 – 14 Berufe können real getestet werden. Zu den berufstypischen Tätigkeiten gehören beispielsweise Kabel abisolieren, Stanzmaschinen zusammenbauen, Teig kneten und formen, Haare schneiden, Überweisungsträger ausfüllen, Post sortieren oder eine technische Zeichnung anfertigen. Insgesamt wurden bundesweit 68 Berufsparcours mit rund 35 000 Jugendlichen und 2 000 Firmen durchgeführt. Im Schnitt trafen bei den Veranstaltungen rund 450 Jugendliche auf etwa 25 Firmen.

Schüler verteilen Noten

Auf einem Laufzettel kann jede/r Jugendliche alle Übungen, ob getestet oder in Augenschein genommen, benoten und vermerken, ob die Station interessant war. Der Parcours bietet somit gute Gelegenheiten, kurze und doch intensive Einblicke in verschiedene Berufe zu bekommen und Fehlentscheidungen für Praktika zu vermeiden. Eigene Fähigkeiten zu erproben, unbekannte Übungen zu absolvieren oder neue Herausforderungen zu suchen lässt die Jugendlichen aufleben. Sie sind begeistert und konzentriert, verhalten sich korrekt und kooperativ. Die Stimmung im Raum ist ruhig und entspannt. Sie wissen relativ rasch, welcher Beruf für sie in Frage kommt oder welchen sie ablehnen. Als sehr positiv hat sich dabei erwiesen, Jungen und Mädchen den Parcours getrennt absolvieren zu lassen.

Arbeitsvertrag möglich

Auch die beteiligten Firmen haben Ihre Vorteile. Sie erleben die Jugendlichen und können Interessierte und Begabte direkt für einen betrieblichen Schnuppertag einladen. Statt standardisierter Bewerbungen sind die praktischen Fähigkeiten der Jugendlichen und der persönliche Kontakt Grundlage einer Einladung. So konnte beispielsweise eine Gebäudereinigungsfirma – trotz negativen Berufsimages – Jugendliche für ihre angebotenen Ausbildungsplätze werben. Eine Schülerin wurde bei einem Berufsparcour praktisch sofort eingestellt, weil sie die Übungsaufgabe als Industriekauffrau so schnell und perfekt lösen konnte.

Prädikat: Sehr Empfehlenswert

praktische Ausprobieren den Jugendlichen eine relativ schnelle und zudem eigenverantwortliche Möglichkeit bietet, sich im beruflichen Umfeld zu testen und die eigenen Talente hervorzuholen. Dieses Angebot sollte anderen schriftlichen oder mündlichen beruflichen Orientierungsangeboten vorgelagert werden, da bei diesen dann auf reale Erfahrungen zurückgegriffen werden kann. Interessenten können sich an das Technikzentrum wenden.

Karin Ressel

 

Zur Autorin
Zur Autorin
Karin Ressel, Leiterin des Technikzentrums Minden – Lübbecke Tel.: 05703 520-510 E-Mail:Karin Ressel