Langzeitarbeitslosen-Unterstützung

Wohlfahrtsverbände fordern Neuausrichtung der Förderinstrumente im SGB II

Die Beschäftigung boomt. Dennoch sind allein in NRW 290.000 Menschen langzeitarbeitslos. Rund ein Drittel von ihnen hat ohne eine besondere Unterstützung nur schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Um zu verhindern, dass diese Menschen dauerhaft abgehängt werden und in Perspektivlosigkeit abrutschen, fordern die nordrhein-westfälischen Wohlfahrtsverbände eine Neuausrichtung der Förderinstrumente im SGB II (Hartz IV).

Bei ihren Bemühungen, Menschen möglichst schnell wieder in Arbeit zu vermitteln, sind die Jobcenter verpflichtet, individuell, umfassend und aus einer Hand zu helfen. In der Praxis gelingt dies aber häufig nicht. Viele Langzeitarbeitslose geraten in eine Spirale erfolgloser Bewerbungen und kurzfristiger Qualifizierungsmaßnahmen, die sie unter Druck setzen und demotivieren statt sie tatsächlich fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Die Folge sind oft psychische Erkrankungen.

Erfolgserlebnisse schaffen


Bei einer Fachtagung der Freien Wohlfahrtspflege NRW berieten die Wohlfahrtsverbände mit rund 150 Arbeitsmarktexpertinnen und -experten darüber, welche neuen Wege der Unterstützung notwendig sind, um das zu ändern. Der Weg zurück in ein soziales, gesundes und sinnvoll erlebtes Leben sei vor allem durch ein Um- und Neulernen möglich, betonte der renommierte Braunschweiger Neurobiologe Martin Korte auf der Fachtagung. Er plädierte dafür, neue wissenschaftliche Erkenntnisse der Gehirnforschung in der Begleitung langzeitarbeitsloser Menschen stärker zu berücksichtigen. Dazu gehöre, die ständigen Misserfolge, die sie im Kopf hätten, durch Erfolgserlebnisse und positive Denkweisen zu ergänzen.

Projekte der Wohlfahrtsverbände


Bei den Wohlfahrtsverbänden gibt es bereits vielversprechende Methoden und Projekte, die Langzeitarbeitsarbeitslosen helfen, wieder Selbstbewusstsein aufzubauen und ihre Talente zu entdecken. Dazu zählt der sogenannte „Befähigungsansatz“. „Nach Jahren der Arbeitslosigkeit, unzähliger erfolgloser Bewerbungen und zum Teil als sinnlos empfundenen Trainings trauen sich viele Menschen kaum noch etwas zu, sind deprimiert, krank und ohne Selbstvertrauen“, berichtete Werner Lüttkenhorst, Fachgruppenleiter Arbeit, Armut, Soziale Hilfen, Europa beim Paritätischen NRW. „In Gruppenarbeit und Coachingprozessen entdecken sie ihre eigenen Fähigkeiten wieder und werden unterstützt, wieder am sozialen Leben teilzunehmen.“ In den vier- bis sechsmonatigen Kursen bei Wohlfahrtsverbänden werden sie schließlich selbst aktiv und stellen sich gut vorbereitet, selbstbewusst und häufig gesünder bei potentiellen Arbeitgebern vor.

Die Arbeitsmarktexpertinnen und -experten der Freien Wohlfahrtspflege NRW: Ina Heythausen (Diakonie RWL), Michaela Hofmann (Caritas Köln), Werner Lüttkenhorst (Paritätischer NRW), Heinrich Westerbarkey (Caritas Paderborn) und Muna Hischma (AWO Westl. Westfalen) mit Christian Heine-Göttelmann (Vorstand der Diakonie RWL).
©Hans-Jürgen Bauer