Gruppe von Menschen bei Tagung, von oben fotografiert

Teilen, Tauschen, Nachbarschaft

Fachtagung über nachbarschaftliches Netzwerken

Die Themen Nachbarschaft und Zusammenleben im Quartier sind nicht nur wichtig, sondern auch hochaktuell. Die zentralen Fragen: Wie lassen sich nachbarschaftliche Initiativen vernetzen, welche Voraussetzungen müssen sie erfüllen und wie können sie sich finanzieren? Darüber diskutierten rund 100 Gäste bei der Fachtagung "Teilen, Tauschen, Nachbarschaft - Solidarisches Handeln in Bewegung" im Essener Unperfekthaus. Damit brachten der Paritätische NRW, die Paritätische Akademie NRW und die Paritätische Geldberatung Initiativen innerhalb und außerhalb des Verbandes zusammen.

"Dort, wo Begegnung stattfindet, wo geteilt, kommuniziert und getauscht wird, da wird eine Basis geschaffen für sozialen Zusammenhalt. Menschen, die sich einbringen, stärken auch unsere Demokratie - wie wichtig heute - und stärken ein Zusammenleben nach den Grundsätzen 'Toleranz, Offenheit, Vielfalt'", machte Herrmann Zaum, Landesgeschäftsführer des Paritätischen NRW, in seiner Begrüßung deutlich. Der Paritätische NRW unterstützt schon immer Menschen, die ihr soziales Anliegen selbst in die Hand nehmen und die Initiative ergreifen.

Auch die mitnehmen, die sich ausgegrenzt fühlen


Zu den Referentinnen bei der Tagung zählte Erdtrud Mühlens. Sie gilt als Pionierin der Nachbarschaftsbewegung in Deutschland. Sie stellte das Netzwerk Nachbarschaft vor, das seit 2004 online ist und "auf sozial-emotionaler Ebene" agiert. Ihre Botschaft: "Wir wollen erreichen, dass Menschen sich treffen, aktiv sind und sich nicht in Passivität ergeben. Wir wollen auf kreative, bewegende Art auch diejenigen mitnehmen, die sich ausgegrenzt und abgehängt fühlen."

Mehr Gemeinschaft


Auch die Öcher Frönnde, Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW, setzen auf Gemeinschaft und den Ausbau der sozialen Netzwerke der Menschen. Bei dem Aachener Verein geben und empfangen die Mitglieder Hilfe über ein Stundenkonto - ohne regelmäßige Verpflichtung. Das erleichtert nicht nur den Alltag, sondern ermöglicht auch soziale Kontakte, ermutigt zur Selbsthilfe und fördert die Gesundheitsprävention.

Professionelle Quartiersmanager gefordert


Wie man Helfer gewinnt und wie sie bei der Stange bleiben ist für viele ehrenamtliche Initiativen eine Kernfrage. Impulse hierfür gab es vom Nachbarschaftsheim Wuppertal, ebenfalls eine Mitgliedsorganisation des Paritätischen NRW. Der Verein blickt auf mehr als 65 Jahre Erfahrung bei der Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Stadtteil zurück. Seine Vorstandsvorsitzende Gabriele Kamp regte an, flächendeckend professionelle Quartiersmanager einzusetzen, die mit einem offenen Ohr durchs Viertel gehen und Ideen helfen umzusetzen.

Mehr Aufmerksamkeit erwecken


Die Fachtagung hat gezeigt, dass es sowohl bei den Wohlfahrtsverbänden als auch außerhalb, zum Beispiel bei Foodsharing-Projekten, eine breite Bewegung für eine solidarische Gesellschaft gibt. Nun gilt es, diese zusammenzubringen, mehr in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken und mehr Unterstützer/-innen zu finden. "Die Fachtagung war auch für uns eine Art Versuchsballon. Wir wollten die Menschen besser kennenlernen, die im Quartier aktiv sind, und schauen, welche Möglichkeiten es gibt, sich zu vernetzen. Das ist uns gelungen", so das Fazit von Werner Lüttkenhorst, Fachgruppenleiter Arbeit, Armut, soziale Hilfen, Europa beim Paritätischen NRW.

 

 

Gaben spannende Impulse: Werner Lüttkenhorst (Paritätischer NRW), Erdtrud Mühlens (Netzwerk Nachbarschaft), Hermann Zaum (Paritätischer NRW), Monika Lang (Öcher Frönnde), Michael Kuhndt (Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production), Dr. Burghard Flieger (innova eg), Maik Meid (Fundraiser) (v.l.n.r.).
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Werner Lüttkenhorst (l.) vom Paritätischen NRW im Gespräch mit Erdtrud Mühlens (r.) vom Netzwerk Nachbarschaft.
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Die Tagung stieß auf ein reges Interesse.
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