Gewalt gegen Mitarbeitende in Wohneinrichtungen ist ein Problem

Der Paritätische NRW und die GSE in Essen engagieren sich für Pflege- und Betreuungskräfte

 

Essen, 23. April 2018. In Pflege- und Betreuungseinrichtungen ist Gewalt gegen Mitarbeitende ein wachsendes Problem. Dass Mitarbeiter/-innen und auch andere Bewohner/-innen von Menschen, die in einer stationären Einrichtung leben, angegangen werden, ist vielfach ein Tabu-Thema. Die Betroffenen fühlen sich mit ihrer Erfahrung oft alleingelassen und hilflos.

Die GSE Gesellschaft für Soziale Dienstleistungen Essen mbH und der Paritätische Wohlfahrtsverband NRW haben sich entschlossen die betroffenen Gruppen in den Dialog zu bringen. Die GSE ist eine Mitgliedsorganisation des Paritätischen NRW, die selbst Träger von stationären Pflege- und Betreuungseinrichtungen für Ältere und Menschen mit Behinderung in Essen ist. Zusammen haben die beiden Organisationen am 25. April zu einer Veranstaltung in die Kreuzeskirche Essen eingeladen, um Mitarbeitenden die Möglichkeit des gegenseitigen Austausches zu geben und Wege zur Vermeidung und zum Umgang mit Gewalt durch Betreute zu finden. Frank Wübbold, Fachgruppenleiter Alter und Pflege beim Paritätischen NRW: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen einen Ort, um von ihren Erfahrungen zu berichten und die Probleme offen zu benennen. In der öffentlichen Debatte geht es aktuell beim Thema Aggression und Gewalt in Einrichtungen vorrangig um solche, die von Mitarbeitenden oder Einrichtungen ausgeht. Natürlich ist auch das ein wichtiges Thema, aber es gibt auch den umgekehrten Fall und mit dem müssen wir uns dringend befassen."

Aktuell erleben soziale Einrichtungen, dass sich einzelne Mitarbeiter/-innen nach persönlichen  Gewalterfahrungen ängstlich zurückziehen und dass sie Wach- und Sicherheitsdienste oder sogar die Polizei zur Hilfe holen müssen, um ihre Belegschaft oder andere Bewohner/-innen vor einzelnen aggressiven Betreuten zu schützen. Diese Probleme dürfen nicht totgeschwiegen oder dem Einzelnen überlassen werden. Der Paritätische NRW und die GSE wollen Raum für die psychische Entlastung der Betroffenen schaffen und eine Kultur in Einrichtungen fördern, in denen Platz für eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema ist, beispielsweise bei Schicht-Übergaben, Team-Gesprächen oder durch spezielle Coachings. Heribert Piel, Geschäftsführer der GSE: „Darüber hinaus wollen wir auch den Blick auf eventuelle strukturelle Ursachen richten. Denn auch gesetzliche Veränderungen haben dazu geführt, dass das Selbstbestimmungsrecht kranker Personen höher gewichtet wird als der Schutz der Umgebung vor Gewalt. Zu dieser Umgebung gehören nicht nur Mitarbeitende, sondern oft auch andere Menschen, die dort wohnen. Die Träger der Einrichtungen stellt  das vor massive Probleme.“

Die Veranstaltung wird gefördert durch Mittel der GlücksSpirale.

Der Paritätische NRW


Von der ehrenamtlichen Bürgerinitiative bis zur hauptamtlich geführten sozialen Organisation: Der Paritätische NRW bildet das Dach von rund 3.100 Organisationen mit mehr als 6.000 Einrichtungen und Diensten in allen Feldern der sozialen Arbeit. Der Verband berät seine Mitgliedsorganisationen fachlich, organisatorisch und betriebswirtschaftlich, sichert die Qualität ihrer Arbeit und vertritt ihre Interessen gegenüber Politik und Kostenträgern. Zugleich ergreift er Partei für Menschen, die keine Lobby haben. Der Paritätische NRW ist konfessionell und parteipolitisch unabhängig.

GSE Gesellschaft für Soziale Dienstleistungen Essen


Zum Leistungsportfolio der GSE Gesellschaft für Soziale Dienstleistungen Essen mbH gehören Wohn- und Pflegeeinrichtungen für Senioren und betreutes Seniorenwohnen, eine Tagespflege, Wohnheime und ambulant betreutes Wohnen für geistig und psychisch behinderte Menschen, Heime für Nichtsesshafte und anerkannte Werkstätten für behinderte Menschen.

Gesellschafter der GSE sind die Stadt Essen und die Wohlfahrtsverbände AWO, Caritas, Diakoniewerk, Der Paritätische und das DRK.

Mit knapp 1.300 Mitarbeitern in den sozialen Einrichtungen betreut die GSE derzeit etwa 1.200 Bewohner in den Pflege- und Betreuungseinrichtungen und rund 1.700 behinderte Werkstattmitarbeiter.