Muslimische und alevitische Sozialarbeit vor Ort stärken

Modellprojekte des Paritätischen NRW mit muslimischen und alevitischen Verbänden


Düsseldorf, 20. Februar 2017. Soziale Arbeit in den muslimischen und alevitischen Gemeinden erfolgt bis heute überwiegend in eigenen Strukturen, die mit dem etablierten Hilfesystem kaum vernetzt sind. „Wir wollen das ändern und neue Wege der Zusammenarbeit erproben“, so Hermann Zaum, Landesgeschäftsführer des Paritätischen NRW. Der Wohlfahrtsverband führt seit Mai 2016 zwei miteinander verknüpfte Modellprojekte zur Qualifizierung muslimischer und alevitischer Wohlfahrtspflege durch. Beteiligt sind 17 Moschee-Gemeinden sowie zwei Cem-Gemeinden in Köln, Wuppertal und Umgebung. Projektpartner sind der der Landesverband der Islamischen Kulturzentren NRW (VIKZ), der Zentralrat der Muslime (ZMD) und die Alevitische Gemeinde Deutschland (AABF). Förderer sind das Bundesfamilienministerium, das NRW-Integrationsministerium und die Lotterie GlücksSpirale.

Die erste Projektphase der Bestandsaufnahme in den 19 Gemeinden wurde nun abgeschlossen. Gezeigt hat sich: Sie sind insbesondere in der Kinder-, Jugend- und Bildungsarbeit aktiv. In den letzten Jahren kam die Flüchtlingsarbeit hinzu. „Dieses Engagement für geflüchtete Menschen wird anders als bei christlichen oder freien Initiativen öffentlich wenig wahrgenommen“, so Hermann Zaum, Landesgeschäftsführer des Paritätischen NRW. „Und anders als oft unterstellt unterstützen die muslimischen und alevitischen Gemeinden nicht allein geflüchtete Menschen des eigenen Glaubens, sondern ebenso Menschen anderen Glaubens.“ Eins haben zudem alle Gemeinden gemeinsam: Die soziale Arbeit und die Vorstandsarbeit wird ganz überwiegend von Ehrenamtlichen erbracht. „Sei es die hohe Belastung der Vorstände oder Reibungsverluste durch unklare Aufgabenteilung. Die Gemeinden sind mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert wie viele andere Vereine in der Mitgliedschaft des Paritätischen auch“, so Hermann Zaum.

In der nächsten Projektphase ist geplant, die soziale Arbeit der Gemeinden zu qualifizieren. Es werden Fortbildungen angeboten, Arbeitshilfen entwickelt und die Gemeinden beim Aufbau fachlicher und örtlicher Netzwerke unterstützt. Denn das große ehrenamtliche Engagement in den Gemeinden wird noch wenig wahrgenommen. Zugleich wünschen sich die Gemeinden Anerkennung und wollen im Stadtteil sichtbar werden. „Hier sind beide Seiten gefragt, die Gemeinden ebenso wie die Akteure der Wohlfahrtspflege und der Kommunen“, so Hermann Zaum. „Wir stehen als Paritätischer für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Und dazu gehört, dass Menschen, die mit ihren Anliegen Unterstützung in Moschee- oder Cem-Gemeinden suchen, den Anspruch auf ebenso qualifizierte Angebote haben wie die, die Einrichtungen und Dienste unter dem Dach des Paritätischen oder von christlichen wie auch jüdischen Trägern nutzen.“

 

Zwei junge Männer
Der Paritätische NRW führt seit Mai 2016 zwei miteinander verknüpfte Modellprojekte zur Qualifizierung muslimischer und alevitischer Wohlfahrtspflege durch.
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