Schulsozialarbeit: Schluss mit dem Schwarze-Peter-Spiel!

Der Paritätische NRW fordert landesweite Standards und Planungssicherheit


Wuppertal, 14. März 2018. Unabdingbarer Bestandteil einer modernen Schule und unverzichtbar, um Bildungschancen für alle Kinder zu eröffnen: Die Rede ist von der Schulsozialarbeit, die heute im Landtag auf der Tagesordnung steht. Und eins wurde im Vorfeld deutlich: Die vier im Landtag vertretenen demokratischen Parteien waren sich selten so einig wie bei diesem Thema. „Alle loben die Schulsozialarbeit. Doch gibt es weder landesweite Qualitätsstandards noch eine Perspektive für die Finanzierung“, so Christian Woltering, Landesgeschäftsführer des Paritätischen NRW. „Nun haben die Landtagsfraktionen die Chance, jenseits von parteipolitischen Spielchen gemeinsam ein tragfähiges Konzept für die Schulsozialarbeit zu entwickeln. Es ist höchste Zeit!“

Hier eine kommunal finanzierte Teilzeit-Stelle, dort eine befristete aus dem Landesprogramm zur Förderung der sozialen Arbeit an Schulen: NRW gleicht einem Flickenteppich. Und längst nicht jede Schule in NRW kommt überhaupt in den Genuss von Schulsozialarbeiter/-innen. „Es ist der schwarz-gelben Landesregierung ebenso wie ihren rot-grünen Vorgängerregierungen hoch anzurechnen, dass sie mit befristeten Landesprogrammen in die Bresche gesprungen sind, als sich der Bund 2013 nach Auslaufen des Bildungs- und Teilhabepaketes aus der Verantwortung geschlichen hat“, so die Einschätzung Wolterings. „Doch so kann es nicht weitergehen. Schluss mit dem Schwarze-Peter-Spiel, Schluss mit den ewigen Befristungen. Schulsozialarbeit braucht Planungssicherheit.“

Stichwort Befristungen: neben den nicht vorhandenen landesweiten Mindest-Standards eines der Kern-Probleme. Denn die Träger können nicht planen, müssen – ob sie wollen oder nicht – fort-laufend befristete Arbeitsverträge abschließen. Denkbar schlecht aus pädagogischer Sicht. Denn Schulsozialarbeit ist Beziehungsarbeit, funktioniert nur über eine persönliche Vertrauensbasis. Häufige Wechsel bei den Mitarbeiter/-innen sind da naturgemäß Gift, führen zu Unsicherheiten bei Kindern und ihren Familien ebenso wie bei den Lehrkräften. Und nicht zuletzt: „Es ist schlicht schwierig, gute Leute zu finden, wenn ich nur einen befristeten Vertrag bieten kann. Schulsozialarbeiter/-innen wissen oft nicht, ob es ihre Stelle im nächsten Schuljahr noch geben wird“, so Woltering. „In vielen Fällen wurden die Stellen seit 2011 nur befristet fortgeführt. Dass weder wir als Paritätischer noch unsere Mitgliedsorganisationen hinter diesen unsäglichen Kettenverträgen stehen, brauche ich wohl nicht zu betonen. Doch die fehlende Planungssicherheit lässt uns keine andere Wahl.“ Unter dem Dach des Paritätischen NRW sind rund 50 Jugendhilfeträger organisiert, die Schulsozialarbeit in NRW an über 200 Schulstandorten gestalten.

Hintergrund: Warum ist Schulsozialarbeit so wichtig?


Schulsozialarbeiter/-innen greifen pädagogische Themen altersgerecht auf (z.B. über Beratung, Trainings oder Vorträge) und können als Lotsen an zentrale Anlaufstellen (Beratungsstellen, Jugendtreffs usw.) im Sozialraum verweisen. Durch niederschwellige, vertrauliche Einzel- und Gruppenangebote, Hausbesuche, Elterncafés oder die Begleitung bei Elternsprechtagen finden Schulsozialarbeiter/-innen Zugänge zu Kindern, Jugendlichen und deren Familien. Sie helfen Berührungsängste ab- und neue Kontakte aufzubauen, begleiten bei Behördengängen oder geben Tipps beim Ausfüllen von Anträgen. Damit schließt Schulsozialarbeit eine Lücke in der Präventionskette und verhilft Kindern, Jugendlichen und ihren Familien zu mehr Bildungs- und Chancengerechtigkeit.

Schulsozialarbeit ist eine sehr enge Form der Kooperation von Jugendhilfe und Schule und bietet in ihrer präventiv ausgerichteten Arbeit leicht zugängliche Hilfs-, Unterstützungs- und Beratungsangebote für einzelne Schüler/-innen ebenso wie gruppenbezogene Angebote. Schulsozialarbeit ist ein wichtiger Netzwerkpartner bei der Entwicklung eines Gesamtkonzeptes der Bildung, Erziehung und Betreuung an Schulen. Schulsozialarbeit sollte daher als fester Bestandteil in Konzepten von Schulen und Ganztagsangeboten sowie in der kommunalen Bildungslandschaft verankert sein. Für ihre Arbeit brauchen Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter feste Räume an jeder Schule, die für Kinder und Jugendliche uneingeschränkt zugänglich sind. Sie benötigen aber auch eine geschützte Atmosphäre für Beratungen, für Einzelfallhilfen und Gruppenarbeit. Das schließt auch ein transparentes Sachkostenbudget ein, um Räume angemessen ausstatten zu können (bspw. mit Schreibtisch und abschließbaren Schränken zur Aufbewahrung von Dokumenten, Gesprächsergebnissen und pädagogischen Materialien).