Rollstuhlfahrerin mit Hund fährt alleine über einen Feldweg

Barrierefreie Zufluchtstätte für Mädchen

Mädchenhaus Bielefeld ist bundesweit erste inklusive Zuflucht für Mädchen in Notlagen

Laut einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sind Frauen und Mädchen mit Behinderungen zwei- bis dreimal so häufig von Gewalt betroffen wie Frauen und Mädchen ohne Behinderung. Für Mädchen war es bisher schwierig, in einer akuten Notlage Schutz und Zuflucht zu bekommen. Der Grund: mangelnde Barrierefreiheit in den Zufluchtstätten. In Bielefeld ist das nun anders. Das Mädchenhaus Bielefeld, Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW, hat mit seiner Zufluchtstätte neue barrierefreie Räumlichkeiten bezogen. Damit nimmt der Verein eine bundesweite Vorreiterrolle ein.

Zuflucht für Mädchen mit und ohne Behinderung


In der Zufluchtstätte finden Mädchen, die sich aufgrund von familiärer oder sexueller Gewalt in einer akuten Notlage befinden, für eine bestimmte Zeit eine geschützte, sichere und anonyme Unterkunft, in der sie zur Ruhe kommen, sich wohlfühlen können und Hilfe bekommen. Die Einrichtung des Mädchenhauses Bielefeld richtet sich an Mädchen mit und ohne Behinderung im Alter von 12 bis 21 Jahren.  Sie befindet sich an einem geheimen Ort in Bielefeld.

Zahlreiche Barrierefreiheits-Maßnahmen


Die Mitarbeiterinnen des Mädchenhauses verfügen über langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Mädchen in Notlagen. Dass sie nun auch Mädchen, die aufgrund ihrer Behinderung besondere Bedürfnisse haben, betreuen können, ist neu. Dafür hat das Mädchenhaus eine neue Zufluchtstätte errichten lassen. Das gesamte Haus und der Bereich um das Haus herum wurden barrierefrei und rollstuhlgerecht errichtet. Für mobilitätseingeschränkte Mädchen im Rollstuhl, auch in einem Elektrorollstuhl, stehen insgesamt zwei umfangreich barrierefrei ausgestattete Zimmer mit Pflegebetten zur Verfügung. Für die Bedarfe von Mädchen mit dem Förderschwerpunkt Hören und Sehen sind verschiedene Erleichterungen verwirklicht worden: Kontrastreiche Übergänge, besonders hohe Lichtquellen in zwei Mädchenzimmern und Schalldämpfungen in den Gruppenräumen und in einzelnen Mädchenzimmern sowie individuelle Notrufsysteme verringern unnötige Barrieren und lassen eine größtmögliche Teilhabe zu. Für den Förderschwerpunkt „Lernen und geistige Entwicklung“ sind die Regeln der Zufluchtstätte sowie das Informationsmaterial in „Leichte Sprache“ übersetzt worden. Beschilderungen, auch mit Punktmarkierung (Braille-Schrift), eine klare Farbstruktur mit Leitsystemen und Handläufen ermöglichen eine gute Orientierung. 

Das Mädchenhaus Bielefeld bietet die bundesweit erste barrierefrei Zufluchtstätte für Mädchen.
©Lukas Kapfer, www.th-10.de (über gesellschaftsbilder.de)