Drei Schülerinnen mit Mevlüde Genc

Jahrestag des Solinger Brandanschlags

Von Jugendlichen produzierter Dokumentarfilm erinnert an den fremdenfeindlichen Anschlag vom 29. Mai 1993

Am 29. Mai jährt sich der Tag des Brandanschlags von Solingen zum 25. Mal. Unter Anleitung einer Medienpädagogin des Medienprojekts Wuppertal, Mitgliedsorganisation des Paritätischen NRW, haben Solinger Jugendliche einen Dokumentarfilm produziert, mit dem sie an die fremdenfeindliche Tat auf die türkisch-stämmige Familie Genç erinnern und zeigen wollen, welche Relevanz der Anschlag noch heute für ihre Generation hat. 

Schülerinnen interviewen Mevlüde Genç


„Der Schmerz ist so groß. Es gibt nichts Schlimmeres als den Verlust der Kinder. An dem Tag habe ich fünf meiner Kinder verloren und mein Zuhause. Was soll ich heute fühlen außer Schmerz? Ich zerbreche an dem Schmerz über den Verlust meiner Kinder“, berichtet Mevlüde Genç. Bei dem Anschlag auf ihr Haus in Solingen starben zwei ihrer Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte. Viele weitere Familienmitglieder wurden teils schwer verletzt. Ein Interview mit ihr steht im Mittelpunkt des rund 15-minütigen Films. 

Erinnern und Verantwortung übernehmen


Der auf YouTube verfügbare Film verbindet das Erinnern an damals mit der Verantwortung für heute. Mevlüde Genç geht es heute um Verständigung – deswegen gibt sie drei Schülerinnen dieses sehr persönliche Interview. „Ich denke heute, dass wir immer gut zueinander sein sollten, dass wir niemals was Böses tun sollten. Erst wenn wir gut zueinander sind und uns näherkommen, entsteht Menschlichkeit. Wir sollten Mensch sein, uns nicht mit bösen Augen ansehen. Wenn wir menschlich sind, können wir auch wie Menschen leben.“ 

Gesellschaft kann an Rassismus zerbrechen


Für die beteiligten Jugendlichen war es traurig und Mut schöpfend zugleich, der Mutter zuzuhören, den ermordeten Kindern zu gedenken, „die ja auch Träume und Ziele im Leben hatten“. Der Film macht Mut zur Verständigung in schwierigen gesellschaftlichen Zeiten. Auch eines der drei Mädchen wurde als Muslima wegen ihres Kopftuches immer wieder diskriminiert. Die Mädchen sagen am Ende: „Rassismus ist ein Thema, da sollte niemand wegschauen, das geht jeden was an. Da sollte sich jeder kümmern, jeder kann Opfer von Diskriminierung werden. Man sollte sich solidarisch zeigen und etwas dagegen tun, weil die Gesellschaft an Rassismus zerbrechen kann.“