Mann mit Kapuze über den Kopf lehnt an Wand und schaut nach unten

Gedenken an Drogentote

Aidshilfe NRW fordert moderne Drogenpolitik

Jährlich am 21. Juli findet der Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher/-innen statt. Auf diesem Wege soll zum einen an die vielen Drogentoten erinnert werden, zum anderen dient der Tag auch dazu, den Gründen und Umständen, die zu ihrem Sterben geführt haben, mehr Aufmerksamkeit zu schenken und Veränderungen in der Drogenpolitik zu fordern. Die Aidshilfe NRW beteiligt sich mit zahlreichen Aktionen in vielen Städten an dem Gedenktag. Gemeinsam mit den Organisationen akzept und JES hat die Deutsche Aidshilfe außerdem die Handreichung „Eine moderne Drogenpolitik nützt allen“ herausgebracht.

45.000 verstorbene Drogengebrauchende in den letzten 20 Jahren


In den vergangenen 20 Jahren sind bis zu 45.000 Menschen in Deutschland an Überdosierung von Drogen, den Folgen von konsumbedingten Infektionen wie HIV und Hepatitis und den negativen Auswirkungen von Schwarzmarkt und Kriminalisierung verstorben. An diese Menschen erinnert der Gedenktag am 21. Juli. Nachdem die Zahl der Drogentoten über vier Jahre kontinuierlich gestiegen ist, sind die drogenbedingten Todesfälle im vergangenen Jahr in Deutschland erstmals seit 2012 wieder geringfügig zurückgegangen (von 1.333 im Jahr 2016 auf 1.272 im Jahr 2017). Die Zahlen in NRW blieben nahezu unverändert (204 im Jahr 2016 und 203 im Jahr 2017).

Politik ist auf Repression und Verfolgung ausgelegt


Patrik Maas, Landesgeschäftsführer der Aidshilfe NRW: „Die Akteure der Selbst-, Drogen- und Aidshilfe haben durch ihre Arbeit viele positive Veränderungen bewirken können. Entscheidende Schritte wie die Regulierung des Drogenmarkts und des entkriminalisierten Konsums stehen allerdings noch aus.“ Er kritisiert auch die Aussagen der Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler, die ein entschlossenes Vorgehen gegen Drogenkriminalität fordert. Es sei vor allem der Kriminalisierung und Marginalisierung Drogen gebrauchender Menschen geschuldet, dass viele von ihnen vom Hilfesystem nicht erreicht werden und von gesundheitsförderlichen oder schadensminimierenden Maßnahmen nicht profitieren können.

Viel zu wenig Angebote


In NRW stehen eine Reihe an Instrumenten zur Verfügung, die auf wissenschaftlicher Evidenz statt ideologischer Vorbehalte basieren. Das erfolgreiche Spritzenautomatenprojekt oder Drogenkonsumräume sind gute Beispiele von wirkungsvollen und am Bedarf der Menschen ausgerichteten Angeboten der Präventions- und Gesundheitsförderung. Solche Maßnahmen gibt es jedoch viel zu wenig.

Wichtige Schritte


Neben dem Ausbau dieser Angebote fordert die Aidshilfe vor allem auch die Etablierung einer auf wissenschaftlichen Standards beruhende HIV- und Hepatitisprävention im Strafvollzug. Hier mangele es an freiem und anonymen Zugang zu Konsumutensilien,
Kondomen und Gleitmitteln. Weitere wichtige Schritte wären die dringend notwendige Evaluation und Reform des Betäubungsmittelgesetzes, Take-Home-Programme zur Vergabe des Notfallmedikaments Naloxon, Drug-Checking-Angebote, der Ausbau der Substitutionsversorgung einschließlich der Diamorphinvergabe.

Anlässlich des Gedenktags für verstorbene Drogengebraucher/-innen fordert die Aidshilfe NRW eine modernere Drogenpolitik.
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