Sally Perel applaudierend am Rednertisch

Aus der Geschichte lernen

Zeitzeuge Sally Perel berichtete über seine Geschichte als „Hitlerjunge Salomon“

Seine in den 1990er Jahren verfilmte Autobiographie „Ich war Hitlerjunge Salomon“ machte ihn weltweit bekannt. Nun erzählte der 93-jährige Sally Perel seine Geschichte als Überlebender des Holocausts beim Jugendforum Nordstadt. Das Jugendforum ist ein Projekt vom Planerladen Dortmund, Mitgliedsorganisation des Paritätischen NRW, das die Teilnahme Jugendlicher an politischen Entscheidungsprozessen fördert. Während des Zeitzeugen-Gesprächs bat Perel sie, sich gegen Rassismus zu engagieren und sich für ein Miteinander einzusetzen.

Als Jude in der Hitlerjugend


Für Perel ist „Die Geschichte ist die beste Lehrmeisterin.“ Deshalb erzählte der Zeitzeuge den Jugendlichen aus der Dortmunder Nordstadt seine Geschichte. Die Eltern des im niedersächsischen Peine geborenen Perel waren fromme Juden, die 1935 vor den Nationalsozialisten nach Polen flüchteten. Nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen floh Perel 1939 weiter in die Sowjetunion bis nach Minsk, wo er 1941 deutschen Truppen in die Hände fiel. Um zu überleben, entsorgte er seine Papiere und gab sich als Volksdeutscher aus. Der Mut der Verzweiflung und die Ironie des Schicksals machten aus ihm Jupp Perjell, das jüngste Mitglied der deutschen Wehrmacht. Ein Jahr lang lebte er mit den Soldaten an der Ostfront und unterstützte sie als Dolmetscher. Danach schickte man ihn nach Braunschweig, wo er bis Kriegsende in einem Internat der Hitlerjugend lebte. Vier lange Jahre musste er dort seine wahre Identität verbergen und mit der Angst leben, entdeckt zu werden. Mit viel Glück überlebte er den zweiten Weltkrieg. Seine Eltern und seine Schwester fielen dem Holocaust zum Opfer. Lediglich sein Bruder überlebte. 1948 wanderte Perel nach Israel aus und baute sich dort eine neue Existenz auf.  

Einen Zeichen gegen Nationalismus und Rechtspopulismus setzen


In seinem Vortrag beim Jugendforum Nordstadt beschrieb er ausführlich, wie den jungen Deutschen damals der Hass eingeimpft wurde und wie der Hass auch ihn selbst veränderte und verrohte. Er berichtete auch darüber, wie er selbst der NS-Ideologie verfiel und welche innere Zerrissenheit das Doppelleben, das ihn in die Rolle des Opfers wie in die des Täters zwang, mit sich brachte. Er appellierte an die jungen Gäste, sich dem stetig aufkeimenden Nationalismus und Populismus entgegenzusetzen und ein Zeichen gegen den Hass zu setzen


Bild: © Planerladen / Jugendforum Nordstadt

Das Zeitzeugengespräch mit Sally Perel stieß auf großes Interesse.
© Mustafa Şirin
Im Anschluss an das Gespräch signierte Perel seine Autobiographie „Ich war Hitlerjunge Salomon“.
© Mustafa Şirin