Podiumsdiskussion, in der Mitte Franz Müntefering mit Mikro, rechts und links drei Frauen und ein Mann

Geschlechtliche Vielfalt im Alter

Fachtag zu kommunaler Verantwortung Vielfalt in der Senior_innenarbeit

In NRW leben rund 230.000 Lesben und Schwule im Alter über 65 Jahre. Für sie gibt es bislang kaum  spezifische Angebote. Weder die lesbisch-schwule Community, noch die Einrichtungen der offenen Seniorenarbeit sind vorbereitet auf gleichgeschlechtliche Lebensformen im Alter. Welche Verantwortung haben dabei die Kommunen? Dieser Frage widmete sich ein Fachtag den die Landesfachberatung Gleichgeschlechtliche Lebensweisen in der Seniorenarbeit NRW gemeinsam mit der Stadt Oberhausen ausrichtete. Die Fachberatung gehört zu rubicon, Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW.

Nur wenige zielgruppenspezifische Angebote


Herkömmliche Angebote der Altenarbeit gehen selten auf die speziellen Biografien und Bedürfnisse von lesbischen, schwulen, trans und queeren Menschen ein und es gibt nur wenige zielgruppenspezifische Angebote. Dazu zählen neben den Themen Wohnen und Pflege auch spezielle Beratungs- und Freizeitangebote. Gleichgeschlechtliche Lebensweisen älterer Menschen werden öffentlich oft nicht wahrgenommen. Dabei haben diese Menschen das Recht, auch im Alter offen und ohne Angst vor Diskriminierung leben zu können.

Bessere Finanzierung notwendig


Der Fachtag „Kommunale Verantwortung und Vielfalt in der Senior_innenarbeit“ hat gezeigt: Geschlechtliche Vielfalt gehört auf kommunalpolitische Tagesordnung. Wie eine kommunale Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsarbeit für ältere Lesben, Schwule und Transgender aussehen kann, zeigte ein Beispiel aus München. Gesprächsrunden ergaben, dass vor Ort Steuerungsstellen notwendig sind, die helfen, die Interessen der Menschen voranzubringen und sie zu unterstützen. Dazu seien neben mehr Wissen über geschlechtliche Vielfalt vor allem finanzielle Mittel notwendig. Franz Müntefering, der als Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen mitdiskutierte, forderte zusätzliches Geld vom Bund für die Kommunen. Sie seien es, die die Seniorenarbeit übernähmen. Altenarbeit müsse ebenso wie Jugendarbeit zu einer Pflichtaufgabe werden. Cornelia Harrer, Fachreferentin für Offene Seniorenarbeit und Quartiersentwicklung beim Paritätischen NRW, teilte diese Einschätzung. Die Gestaltung einer solidarischen Gesellschaft mit immer mehr älteren Menschen könne nicht durch befristete Projekte gelöst werden.

Diskutierte mit beim Fachtag Kommunale Verantwortung und Vielfalt in der Senior_innenarbeit: Franz Müntefering (Mitte).
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Cornelia Harrer (links) vom Paritätischen NRW machte deutlich, dass die Gestaltung einer solidarischen Gesellschaft mit immer mehr älteren Menschen nicht durch befristete Projekte gelöst werden könne.
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