Mann im Gefängnis

Straffälligenhilfe

Straffällige, Inhaftierte, Haft-Entlassene und ihre Angehörigen, aber auch Menschen, die gefährdet sind, straffällig zu werden, finden Unterstützung bei Mitgliedsorganisationen des Paritätischen NRW. Es gibt unter anderem Beratungsstellen für Inhaftierte und ihre Angehörigen, Wohnangebote für Haftentlassene, ambulante therapeutische Maßnahmen für Sexualstraftäter, aber auch Projekte zur Haftvermeidung und spezielle Angebote für Jugendliche, wie beispielsweise Anti-Aggressionstrainings.

Angebote für Opfer von Straftaten


Darüber hinaus gibt es spezielle Angebote für Opfer von Straftaten: So kann beispielsweise über entsprechende Fachstellen und Moderationsverfahren ein Täter-Opfer-Ausgleich ausgehandelt oder im Rahmen des Opferschutzes eine psychosoziale Prozessbegleitung zur Verfügung gestellt werden.

Vermeidung von Straftaten und Wiedereingliederung


Der beste Opferschutz und Ziel aller Angebote ist die Vermeidung von Straftaten und Inhaftierung und die Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Die im Bereich der Straffälligenhilfe tätigen Mitgliedsorganisationen, wie beispielsweise der Kreis 74 in Bielefeld oder ABK Neustart in der Städteregion Aachen, unterstützen Straffällige überwiegend während der Haft durch ausgebildete und begleitete Ehrenamtliche. Nach der Haft geht es häufig um die Vermeidung von Wohnungslosigkeit, den Umgang mit Suchterkrankungen oder um berufliche Qualifizierung und Arbeit.

Angebote für spezielle Zielgruppen


Verschiedene Mitgliedsorganisationen engagieren sich außerdem in der Arbeit mit bestimmten Zielgruppen, zum Beispiel mit Kindern, Jugendlichen oder Heranwachsenden. So gibt es vom NRW-Innenministerium die Landesinitiative "Kurve kriegen", in der unter anderem Die Brücke Dortmund aktiv ist. Die Initiative hat zur Aufgabe, Jugendkriminalität zu verringern und zu verhindern. Sie richtet sich an Kinder und Jugendliche (vorrangig im Alter von 8 bis 15 Jahren), die bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten sind und an ihre Familien. Die Idee ist, durch möglichst frühes Handeln einer späteren, intensiven, kriminellen Karriere vorzubeugen und konstruktive Zukunftsperspektiven zu entwickeln.

Tabuthema und unzureichende Finanzierung


Passende Angebote für Straffällige zu organisieren, ist besonders schwer. Gründe dafür sind sehr unterschiedliche und oft nur unzureichende Finanzierungen sowie kaum flächendeckendende örtliche Unterstützungsstrukturen. Weitere Ursachen sind die oft sehr komplexen Problemlagen der Betroffenen und die notwendige Verzahnung verschiedener Fachbereiche und Hilfesysteme. Hinzu kommt, dass es sich um ein sehr angstbesetztes gesellschaftliches Tabuthema handelt und das Verständnis für Menschen, die kriminell geworden sind, häufig fehlt.

Ausbau präventiver Angebote


Der Paritätische NRW engagiert sich insbesondere für den Ausbau präventiver Angebote, etwa für Maßnahmen zur Verhinderung von häuslicher Gewalt. Außerdem setzt er sich für einen familienorientierten Strafvollzug und eine stärkere Fokussierung auf die Stabilisierung des familiären und sozialen Umfeldes potenzieller Täter/-innen ein.

Zuordnung des Themas im Verband:


Fachbereich Straffälligenhilfe
Fachgruppe Arbeit, Armut, soziale Hilfen, Europa (Fachgruppenleiter: Werner Lüttkenhorst)