Therapeutin mit Kindern mit Behinderung

Frühförderung

Frühförderung ist ein niedrigschwelliges Angebot für Kinder von der Geburt an bis zu ihrem sechsten Lebensjahr mit einer Behinderung oder drohenden Behinderung, Entwicklungsverzögerung oder Verhaltensauffälligkeit. Die Förderung erfolgt in sogenannten Frühförderstellen. Ziel ist, Kinder unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen eine selbstständige Lebensführung und die gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen. Dies gelingt am besten, wenn die Förderung möglichst früh erfolgt und präventiv wirkt.

Zwei Arten von Frühförderstellen

In Nordrhein-Westfalen gibt es zwei Arten von Frühförderstellen: rein heilpädagogische und interdisziplinäre. Letztere bieten eine so genannte Komplexleistung (IFF) an, bei der heilpädagogische und medizinisch-therapeutische, ärztliche, psychologische, ergo- und physiotherapeutische sowie logopädische Maßnahmen kombiniert werden.

 

Interdisziplinäre Frühförderstellen

Bei der interdisziplinären Frühförderung erhalten Eltern und Kinder alle Maßnahmen aus einer Hand. Das macht die Zusammenarbeit besonders vertrauensvoll, kinder- und familienfreundlich und ermöglicht individuell passgenaue, umfassende Förderung. Das die Therapeutinnen und Therapeuten alle Maßnahmen auf ein übergeordnetes Teilhabeziel abstimmen und sich stetig austauschen, macht die interdisziplinäre Frühförderung zudem effektiver. Umso wichtiger ist es, dass Kinder und ihre Familien flächendeckend die Komplexleistung in Anspruch nehmen können.

 

Ausbau vorantreiben

In Nordrhein-Westfalen gibt es die interdisziplinären Frühförderstellen seit 2003. Der Paritätische NRW hat ihren Ausbau maßgeblich vorangetrieben. Die meisten der Stellen sind in Trägerschaft von Mitgliedsorganisationen des Verbandes, wie der Lebenshilfe, dem Zentrum für Frühbehandlung und Frühförderung Köln sowie vieler kleiner örtlicher Anbieter. Ihre Interessen vertritt der Paritätische NRW beispielsweise in Gremien mit Krankenkassen und anderen Leistungsträgern. Er hat außerdem maßgeblich an der Landesrahmenempfehlung Frühförderung von Januar 2016 mitgearbeitet und ist nun dabei, gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft der nordrhein-westfälischen Wohlfahrtsverbände, den Landschaftsverbänden und den Krankenkassen eine verbindlichere Landesrahmenvereinbarung zu verhandeln.

 

Bundesteilhabegesetz bringt Veränderungen mit sich

Das 2017 in Kraft getretene Bundesteilhabegesetz, kurz BTHG, bringt für die Landschaft der Dienste und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen zahlreiche Veränderungen mit sich. In der Frühförderung werden ab 2020 nicht mehr die Kommunen als Kostenträger zuständig sein, sondern die beiden Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe. Damit der Wechsel reibungslos gelingt und Familien und ihre Kinder lückenlos gefördert werden, setzt sich der Paritätische für schnelle Verhandlungen mit den neuen Kostenträgern und die vollständige Übernahme aller bisherigen Angebote ein.

 

Gute Frühförderung in ganz NRW

Besonders wichtig ist, dass es künftig einheitliche Standards und Rahmenbedingungen für die Frühförderstellen  gibt. Familien von Kindern mit (drohender) Behinderung sollen –  egal, wo in NRW sie leben – qualitativ gute Frühförderung in Anspruch nehmen können. Deshalb fordert der Paritätische den flächendeckenden Ausbau der interdisziplinären Frühförderstellen, einen frühen und präventiven Zugang zur Frühförderung und dass die Kinder passgenau und so lange wie nötig Förderung erhalten. Zu den weiteren Zielen gehört, dass die Frühförderstellen genug Zeit bekommen, um sich zum Beispiel mit den Erzieherinnen und Erziehern aus der Kita des Kindes oder den behandelnden Ärztinnen und Ärzten auszutauschen. Außerdem sollen sie eine erste offene und niedrigschwellige Beratung von Eltern übernehmen, um mögliche Frühförderbedarfe frühzeitig festzustellen.


Zuordnung des Themas im Verband:

Fachbereich Frühförderung

Fachgruppe Behinderung und Rehabilitation (Fachgruppenleitung: Thomas Tenambergen)