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Stars in und neben der Manage

Im Mehrgenerationenhaus Circus Schnick-Schnack kommen die Kleinen auf der Bühne ganz groß raus. Möglich macht dies die Unterstützung der Großen.

Schnick-Schnack

(Foto: Circus Schnick-Schnack)

„Grenzenlos familiär“, so das Motto des Circus Schnick Schnack in Herne. Bei dem Mehrgenerationenhaus stehen die Kinder im Mittelpunkt, doch für die ehrgeizigen Projekte werden generationenübergreifend alle helfenden Hände gebraucht.

Jede Altersgruppe findet ihren Platz

Herne, mitten im Ruhrgebiet. In den grau gehaltenen Häusern inmitten eines Industriegebiets leuchtet ein rotes Zeltdach auf. Ein Farbklecks inmitten einer tristen Umgebung. Deutlich hörbar ist das Lachen von Kindern, es fliegen Keulen, Bälle und Bänder durch die Luft. Die Nachwuchsartisten sind mit Feuereifer bei der Sache, strahlende Augen bezeugen, dass sie hier ihrer großen Leidenschaft nachgehen. Zusammen mit weiteren 200 Mitgliedern sorgen sie in der selbsterbauten Zeltstadt des Mehrgenerationenhauses das ganze Jahr über für Sternstunden im Circuszelt. In der Zeltstadt – es stehen dort unter anderem ein Haupt- und ein Trainingszelt - ist jeden Tag etwas los. Das bunte Treiben erfreut den geschäftsführenden Vereinsvorsitzenden und Circusgründer Rainer Deutsch, der mit einem stolzen Lächeln die Übungen der kleinsten Vereinsmitglieder beobachtet. Im Jahr 1996 hatte er den Wunsch verspürt, mit seiner Familie zusammen, ein Projekt zu initiieren, das über die klassische ehrenamtliche Tätigkeit hinausgeht. „Da bin ich auf die Idee des Circus gekommen“, sagt Deutsch rückblickend, „denn in einem Circus wird jeder Einzelne mit seinen speziellen, individuellen Begabungen gebraucht und es findet jede Altersgruppe ihren Platz. Außerdem wird das Thema Circus bei jung und alt positiv aufgenommen.“

Bundesweit beispielhaft

Wer hat als Kind nicht große Augen bekommen, wenn der Cirkus in der Nähe war? Ein Circus bietet die Möglichkeit, aus dem Alltagstrott auszubrechen und er verspricht ein großes, buntes Abenteuer. Dieses wird seit zwölf Jahren im Mehrgenerationenhaus Herne erfolgreich gelebt. So sehr, dass sich die Mitgliedsorganisation des Paritätischen seit dem letzten Jahr Leuchtturmhaus nennen darf. Es ist damit eines von zwölf Top-Häusern im bundesweiten Programm der Mehrgenerationenhäuser. „Ganz besonders im Bereich der Kooperation mit der Wirtschaft sieht man uns in Berlin als beispielhaft“, erläutert Rainer Deutsch. Der hauptberufliche Polizeibeamte hebt hervor, dass der Circus kein Geld aus langfristiger Regelförderung erhält, sich aber vor allem durch Veranstaltungen und die Unterstützung von Sponsoren finanziert und auch erfolgreich in der Einwerbung von Projektmitteln, insbesondere bei Stiftungen, ist. Und er lebt nicht zuletzt von der unentgeldlichen Arbeitsleistung der vielen Ehrenamtlichen, die den Hauptakteuren – insgesamt derzeit 100 Kindern - den Rücken frei halten.

Ehrenamtler nicht nur im Hintergrund

Ab einem Alter von fünf Jahren trainieren die Nachwuchsartistinnen und -artisten jede Woche die verschiedensten Circusdisziplinen. Den Höhepunkt des Jahres bildet die gemeinsame Zeltwoche im Sommer. Dann besuchen bis zu 2.500 Gäste aus ganz NRW die stets ausverkauften Vorstellungen der Circusfamilie. Insgesamt 22 Trainer/-innen unterstützen die Kinder im Trainingszeitraum. Viele von ihnen waren selbst schon als Artisten beim Mehrgenerationenhaus aktiv und geben ihre Erfahrungen an den Nachwuchs weiter. Hinzu kommt die ehrenamtliche Unterstützung von Sportlehrerinnen und -lehrern, Studentinnen und Studenten sowie Sozialpädagoginnen und -pädagogen. Und auch die älteren Vereinsmitglieder haben viel zu tun, wenn sie auch eher im Hintergrund arbeiten, wie Rainer Deutsch betont: „In jeder Familie spielen Kinder eine zentrale Rolle. Das ist in unserer Circusfamilie nicht anders: oft glänzen Kinder in der Manege und viele Große unterstützen sie hinter dem Vorhang.“

Die Idee landesweit verbreiten

Neben den Kindern sorgen noch mal genau so viele Erwachsene für einen reibungslosen Ablauf der Zeltwoche. Die begeisterten Eltern und Großeltern bringen ihre Fähigkeiten in sieben Ressorts ein: Von der Technik bis zum Bühnenbild oder der Verpflegung. Und einige der Erwachsenen stehen selbst in der Manege und präsentieren dem staunenden Publikum ihre Künste. Die umfangreichen Anstrengungen aller Beteiligten bilden die Basis für den großen Erfolg der Veranstaltung und den darüber hinaus gehenden Aktivitäten. Denn die in der Zeltwoche freigesetzte Kreativität hat die Entwicklung weiterer innovativer Projekte bewirkt. Ein Beispiel ist die Gauklerarbeit: Jugendliche des Mehrgenerationenhauses erarbeiten selbstständig Programme und treten damit in ganz NRW auf. Außerdem führen sie Workshops in anderen Institutionen durch und transportieren so die Circusidee weiter.
Vom Klinikclown bis zur Riesenschule

Vom Klinikclown bis zur Riesenschule

Auch in Schulen ist der Circus aktiv: Im Laufe von Projekttagen erarbeiten Trainer/-innen des Circus sowie Lehrer/-innen und Eltern, die in Seminaren durch die Circusmitarbeiter geschult werden, mit den Schülern Circus-Nummern und präsentieren diese dann in einem eigenen, abschließenden Programm. Für strahlende Gesichter sorgen Klinikclown Hannes und seine mittlerweile fünf „Mit-ClownInnen“. Die Clowns schenken den 3500 Kindern, die sie im Jahr besuchen, glückliche Momente in einer schwierigen Situation und wollen ihre Belastungen ein Stückchen mittragen. Schließlich bietet das Projekt „Riesenschule“ Kindern die Chance über sich hinaus zu wachsen. Adipöse Kinder sind dabei ebenso ein Teil der wachsenden Circus-Familie, wie Kinder aus sozial benachteiligten Stadtteilen.

Individuelle Stärken entdecken

Die integrative Kraft des Circus Schnick-Schnack geht damit weit über die Einbindung aller Altersgruppen hinaus. In der Circusfamilie steht keiner außen vor, alle können einen Teil zum großen Ganzen beitragen, indem die ganz individuellen Kompetenzen jedes einzelnen erschlossen und entwickelt werden. Menschen über alle Grenzen hinweg entdecken die Möglichkeit sich zu ergänzen. Und so wachsen die Mitglieder nicht nur sportlich, sondern auch hinsichtlich Kreativität und sozialer Kompetenzen über sich hinaus. Das gesellschaftliche Problem kaum geforderter und deshalb träger und lustloser Kinder, gibt es im Circus nicht. Deutsch: „Viele Kinder wissen heutzutage gar nicht mehr, was in ihnen steckt. Bei uns lernen sie, zusammen mit anderen, an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten. Da gibt es natürlich Rückschläge – aber am Ende siegt der Wille aufzustehen und es immer wieder zu versuchen.“

Benachteiligte werden zu Stars

Kinder, die sonst eher am Rande stehen, können im Circus ihre Begabungen ausleben. Rainer Deutsch nennt dazu das Beispiel der Menschenpyramide: „Wenn ein übergewichtiger Junge unten in der Pyramide steht und sich die anderen auf ihn stellen, dann ist er die tragende Säule - auf ihn kommt es an. Er, der in der Schule vielleicht aufgrund seiner Figur belächelt wird, bildet die wichtige Basis, auf die sich die anderen verlassen können. Und oben steht beispielsweise das ansonsten schüchterne und gehemmte, kleine Mädchen, bildet im Rampenlicht die Spitze und erntet den meisten Applaus. Eine solche Konstellation gibt es sonst nirgendwo.“ Deshalb finden gerade auch benachteiligte und behinderte Kinder ihren Platz im Herner Mehrgenerationenhaus. Sie alle sind Stars – in der bunten Abenteuerwelt des Circus Schnick-Schnack.
(Christian Donner, Wickede)

 

Aus der Arbeit
Weitere Informationen zum Circus Schnick-Schnack und seinen Projekten. [Mehr]
Pressekontakt
Annette Ruwwe I Telefon: 0202 / 2822-388 I Mobil: 0173 / 5830079 I Mail: presse@paritaet-nrw.org


 
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