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Tagesangebote für Kinder: Qualität entwickeln!

70.000 Kinder unter dem Dach des Paritätischen

Paritätische Mitgliedsorganisationen bieten ca. 70.000 Plätze für Kinder im Elementarbereich sowie in Angeboten der Offenen Ganztagsgrundschule an. Rd. 1.100 Träger stellen dieses Angebot zur Verfügung. Beteiligt sind dabei 850 Elterninitiativen, die mit hohem bürgerschaftlichem Engagement den Betrieb ihrer Einrichtungen organisieren und verantworten. Besondere Schwerpunkte finden sich nach wie vor bei den Angeboten für unter 3-jährige Kinder sowie bei den Tagesangeboten. Wie sich in diesen Bereichen die landesweiten Anteile nach Inkrafttreten des KiBiz verändert haben, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Für mehr als 4.000 Kinder mit Behinderung stehen Plätze in Einzelintegration, integrierten Tagesstätten/Schwerpunkteinrichtungen sowie heilpädagogischen Einrichtungen zur Verfügung.

Im Elementarbereich und der Offenen Ganztagsgrundschule bezieht der Paritätische klar Stellung für seine Mitglieder
Das politisch gesetzte Ziel von 200.000 Plätzen ist im Schuljahr 2008/2009 mit rund 184.000 Plätzen an etwa 2.900 Grundschulen in NRW nahezu erreicht. Rund 15.000 Plätze im Offenen Ganztag an fast 260 Grund- und Förderschulen wurden von 77 Mitgliedsorganisationen des Paritätischen NRW angeboten, was einem Anteil von knapp über 8 Prozent entspricht. Nach dem zunächst quantitativen Ausbau gilt es nun dringend die Ganztagsangebote auch qualitativ weiter zu entwickeln. Daran arbeitet der Paritätische intensiv mit seinen Mitgliedern: Die Paritätische Akademie bietet pro Schuljahr, in einem speziellen Themenheft zur Offenen Ganztagsschule, Fort- und Weiterbildungen für Personal in Ganztagsschulen an. Die Arbeit vor Ort wird durch Fachberatung begleitet und durch Kreisgruppen bei Verhandlungen über finanzielle Rahmenbedingungen unterstützt. Auf Landesebene setzt sich der Verband für eine qualitative Verbesserung der Rahmenbedingungen und landesweit einheitliche Standards zur Offenen Ganztagsgrundschule ein. In den letzten zwei Jahren ist es zudem gelungen, eine aktuelle und umfangreiche Informationsplattform zum Thema Kooperation Jugendhilfe und Schule, mit Schwerpunkt Offene Ganztagsgrundschule, im Extranet einzurichten.

Zentrale Themen im Elementarbereich

Zentrale Themen im Elementarbereich sind die Wirkungen des Kinderbildungsgesetzes, das zum 1.8.2008 in Kraft getreten ist. Im gleichen Zusammenhang stehen die Diskussionen über die Arbeit und Finanzierung zu den Themenfeldern Sprachstandsfeststellung/Sprachförderung sowie Familienzentren. Außerdem ist die Frage nach dem Ausbau von Plätzen für unter 3-jährige Kinder und die Umsetzung des Bundesinvestitionsprogramms hierfür sowie die ab 2009 zur Verfügung stehenden Betriebskosten des Bundes ein fortwährendes Thema.

Das Kinderbildungsgesetz (KiBiz)
Das KiBiz ist zum 1.8.2008 in Kraft getreten. Schon nach einem halben Jahr war erkennbar, dass viele der von der Landesregierung gemachten Versprechungen mit diesem Gesetz bisher nicht eingelöst werden konnten. Wie erwartet sind insbesondere kleinere Träger durch die Finanzierung mit Pauschalen besonders gefährdet. In vielen Fällen kann der Betrieb nur dadurch aufrechterhalten werden, dass die Fachkräfte in den Einrichtungen auf ihnen zustehende Einkommensbestandteile verzichten. Der Verwaltungsaufwand verringerte sich nicht, sondern ist deutlich angestiegen. Die Planungs- und Aushandlungsprozesse mit den Kommunen vor Ort sind zeitintensiver und schwieriger geworden. Die Personalplanung und die finanzielle Absicherung der Einrichtungen sind aufgrund der möglicherweise jährlich unterschiedlichen Belegungszahlen deutlich risikoreicher. Verunsicherung und Irritation auf allen Seiten bei den Eltern, beim Fachpersonal sowie bei den Trägern hat bestimmt nicht zur Verbesserung der Arbeit mit den Kindern geführt. Im günstigsten Fall ist alles so geblieben wie vorher.

Im Rahmen des Forums Förderung von Kindern hat der Paritätische das Sozialpädagogische Institut von der Fachhochschule Köln damit beauftragt erste Auswirkungen des KiBiz im Rahmen einer Befragung von Fachkräften in Tageseinrichtungen für Kinder und Eltern zu erheben. Eine erste Auswertung wurde am 27.4.2009 in Dortmund der Öffentlichkeit vorgestellt. Unter dem Strich werden viele der Befürchtungen der Träger bestätigt: Personalabbau in den Angeboten für unter 3-jährige Kinder, Arbeitsverdichtung, Verunsicherung von Fachkräften, Zunahme von Verwaltungstätigkeiten etc. Die Untersuchungsergebnisse werden für die weitere fachliche und politische Diskussion über bedarfsorientierte Rahmenbedingungen der Arbeit im Elementarbereich genutzt.

Mit dem Kinderbildungsgesetz sind insbesondere die Anforderungen an Elterninitiativen noch mal deutlich gewachsen. Damit haben sich auch die Anforderungen an die Fachberatung und an die Unterstützungsstrukturen des Verbandes noch mal deutlich erweitert. Der mit dem KiBiz verbundene Schritt in eine weitere Kommunalisierung bedeutet insbesondere einen höheren zeitlichen Einsatz durch die in den einzelnen Kommunen zu führenden Planungs- und Aushandlungsgespräche. Diese Aufgaben wurden und werden von der Fachberatung und von den Kreisgruppen mit großem Engagement wahrgenommen und haben ganz wesentlich mit dazu beigetragen, dass es bisher gelungen ist die ehrenamtlich tätigen Vorstände in Elterninitiativen aber auch bei sonstigen finanzschwachen Trägern in ihrer Arbeit soweit zu unterstützen und zu stabilisieren, dass bisher kaum Träger ihre Arbeit aufgeben mussten. Die durch den Verband von der Fachberatung und den Kreisgruppen zur Verfügung gestellte Unterstützung wird durch passgenaue Angebote im Finanz- und Verwaltungsbereich durch PariDienst flankiert. Nichts desto trotz stellt sich häufiger besonders in Elterninitiativen die Frage, inwieweit die ehrenamtliche Trägerstruktur zukünftig gehalten werden kann. Eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten.

Familienzentren: Fachpolitisch immer noch richtig – aber auch immer noch unterfinanziert
Die Einführung von Familienzentren ist aus der Sicht der meisten Fachleute nach wie vor fachpolitisch eine richtige und begrüßenswerte Maßnahme. Ca. 1.750 Einrichtungen wurden und werden bis 2009 als Familienzentrum NRW zertifiziert. Hierbei sind 135 Einrichtungen paritätischer Mitgliedsorganisationen beteiligt. Für alle Einrichtungen gilt, dass der Anspruch einen umfassenden Leistungskatalog für Familienvorzuhalten sehr hoch ist bei einer gleichzeitig vergleichsweise sehr geringen zusätzlichen Finanzierung (12.000 Euro pro Jahr). Insbesondere die Anforderungen an die Koordination sowie für die Finanzierung von Leistungserbringern im Rahmen des Familienzentrums zeigen immer wieder, dass für einen dauerhaft hochwertigen Betrieb eine deutlich höhere Finanzierung als die bisherigen pro Monat 1.000 Euro erforderlich sind. Hier werden in den nächsten Jahren intensive Auseinandersetzungen zu führen sein, wie die Ausstattung sukzessive verbessert werden kann.

Sprachstandsfeststellung/Sprachstandsförderung
Der Paritätische ist weiterhin der Auffassung, dass die Sprachstandsfeststellung - also die Diagnoseverfahren - zu aufwändig ist. Die Kompetenzen der Fachkräfte im Elementarbereich werden nach wie vor noch nicht ausreichend in dieses Verfahren mit eingebunden. Außerdem sind die mit dem KiBiz jährlich pro Kind zur Verfügung gestellten 340 Euro für eine zusätzliche Sprachförderung in sehr vielen Fällen unzureichend. Besser wäre eine Grundausstattung der Einrichtungen, um eine verbesserte breite Sprachförderung in den Alltag der Einrichtungen integrieren zu können. Zukünftig wird es erforderlich sein, die jetzt mit dem Kinderbildungsgesetz geschaffenen Strukturen zu evaluieren und die Ansätze für eine Weiterentwicklung in den Vordergrund zu stellen.

Unterstützung für den Ausbau U 3 vom Bund
Mit dem KiBiz hat sich für das Jahr 2009 die Zahl der unter 3-jährigen Kinder in den institutionalen Angeboten der Tageseinrichtungen für Kinder von 17.000 auf 60.000 erhöht. In vielen Fällen sind die für die Arbeit mit unter 3-jährigen Kindern erforderlichen räumlichen Bedingungen immer noch nicht geschaffen. Hinzu kommt, dass auch die Fort- und Weiterbildung des Personals nicht in dem Umfang möglich gewesen ist, wie dies bei der großen Zahl zusätzlicher Kinder unter 3 Jahren im System erforderlich gewesen wäre. Seit anderthalb Jahren stehen die Investionsmittel des Bundes für den Ausbau der Plätze für unter 3-jährige Kinder bereit.zur Verfügung. Es ist ärgerlich, dass es aufgrund von bürokratischen Hürden und Vorgaben immer noch nicht gelungen ist, diese Mittel reibungslos für die Umsetzung in der Praxis zur Verfügung zu stellen. Auch bei den Betriebskosten hat das Land die für 2009 zusätzlich vorgesehenen Bundesmittel nur zu einem Teil an die Kommunen weitergeleitet. In beiden Fällen ist der Paritätische gemeinsam mit den anderen Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege sowie den Kommunalen Spitzenverbänden darum bemüht, eine praxisnähere und bedarfsgerechtere Umsetzung zu beschleunigen.

Zusammenarbeit mit dem Gesamtverband
Im Arbeitskreis Tageseinrichtungen für Kinder beim Gesamtverband des Paritätischen wurden fachpolitische Positionen und Arbeitshilfen für die praktische Arbeit vor Ort entwickelt.

  • Zur Unterstützung der Diskussionen über bessere Rahmenbedingungen wie Fachkraft-Kind-Relation und Gruppengrößen wurden fachpolitische Positionen in einer Broschüre „Paritätischer Anforderungskatalog – Standards für Rahmenbedingungen in Kindertageseinrichtungen“ für die politische Arbeit vor Ort veröffentlicht. Gemeinsam mit der Alice-Salomon-Fachhochschule in Berlin werden die Ausführungen in der Broschüre z. Zt. mit einer empirischen Studie untermauert.
  • In einer ersten Reaktion auf den zunehmend auch in NRW erkennbaren Fachkräftemangel im Elementarbereich wurden fachpolitische Positionen zur Ausbildung, zur Fort- und Weiterbildung sowie zu den Arbeitsbedingungen des Fachpersonals entwickelt und veröffentlicht.
  • In Verbindung mit den bildungspolitischen Diskussionen der jüngeren Zeit sowie der stark gewachsenen Bedeutung des Elementarbereichs als der ersten Stufe des Bildungswesens hat die Beobachtung und Dokumentation der Bildungsprozesse der Kinder einen hohen Stellenwert bekommen. Um die Arbeit in den Einrichtungen vor Ort zu unterstützen wurde hierzu die Arbeitshilfe für Kitas im Paritätischen „Beobachtung und Dokumentation“ entwickelt und allen Einrichtungen zur Verfügung gestellt.

 

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zu Fragen rund um den Betrieb von Tageseinrichtungen für Kinder (Mitgliederbereich: Zugang mit dem üblichen Passwort) [Mehr]
Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung [Mehr]
Standards
für Rahmenbedingungen in Kindertageseinrichtungen [Mehr]
Familienzentren
Praxisbeispiel: Das Kinder- und Familienzentrum Blauer Elefant Zollverein in Essen [Mehr]
Fachkräftemangel
Paritätischer Position: Zum Umgang mit dem zunehmenden Mangel an Fachkräften in Kindertageseinrichtungen [Mehr]


 
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