Existenz von tausend Kitas in NRW gefährdet

Paritätischer Wohlfahrtsverband sieht massive Nachteile für Elterninitiativen

NRW/Wuppertal, 4. August 2006. Auf heftigen Protest stoßen die Planungen von NRW Familienminister Armin Laschet zur künftigen Finanzierung der Tageseinrichtungen für Kinder. Der Paritätische Wohlfahrtsverband schlägt Alarm, weil die Einrichtungen in Elternträgerschaft besonders belastet werden.

Der Verband vertritt mehr als 1.100 Träger von Tageseinrichtungen, von denen 75% in Trägerschaft von Elternvereinen organisiert und verantwortet werden. Von steigenden Elternbeiträgen und höheren Trägeranteilen wären diese Familien mehrfach betroffen. Hinzu kommen die wirtschaftlichen Risiken durch Kürzungen und Pauschalierungen bei steigenden Kosten.

Für Martin Künstler, Fachgruppenleiter beim Paritätischen in NRW, hat die geplante Finanzierungsstruktur fatale Folgen: „Viele Träger können ihre Angebote, die an den Bedürfnissen von Kindern und Eltern orientiert sind, so nicht mehr aufrecht erhalten. Betreuung von Kindern unter drei Jahren, Ganztagsangebote und spezielle pädagogische Konzepte haben unter solchen Bedingungen kaum noch eine Zukunft. Das führt zu einem Rückschritt in tradierte Familienbilder und Frauenrollen. Es stellt sich die Frage, ob dies politisch so gewollt ist.“
Die Weiterentwicklung von Tageseinrichtungen zu Kinder- und Familienzentren sei zwar ein wichtiger Schritt und die Vernetzung im Stadtteil sei bei vielen Elterninitiativen längst gängige Praxis, „… wenn das Schiff jedoch Schlagseite hat, nützt auch der Leuchtturm nichts.“, so Künstler mit Blick auf die befürchtete Finanzsituation der Kitas.

Dr. Jörg Steinhausen, Landesgeschäftsführer des Verbandes, warnt vor den bildungs- und strukturpolitischen Folgen: „Bildung fängt bei den Kleinsten an. Neugierde, Kreativität und Wissensdurst unserer Kinder sind die Bausteine für die Zukunft. Wer bei der Förderung und Betreuung der Kleinsten den Rotstift ansetzt, konterkariert die Zukunftsinteressen unserer Gesellschaft und nicht zuletzt die Perspektiven der Kinder.“

Die zusätzlichen Belastungen der Träger seien überdies auch vielfach Existenz bedrohend. Steinhausen warnt: „Dies führt zu strukturellen Verwerfungen in der Versorgung, die weder von den Kommunen, noch von der Landesregierung ernsthaft gewollt sein können.“

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