Paritätischer Wohlfahrtsverband kritisiert Berichterstattung am internationalen Tag der Armut
Zyniker am Schreibtisch der BILD-Redaktion
Wuppertal, den 17.10.2005. „Wer ausgerechnet am internationalen Tag der Armut von ‚Abzocke’ durch Hartz IV-Empfängern spricht, hat irgendetwas nicht begriffen oder will es nicht begreifen!“ Der Paritätische Wohlfahrtsverband (DPWV) in NRW kritisiert die aktuelle Berichterstattung in der BILD-Zeitung zu einem bereits seit Anfang Oktober vorliegenden Papier aus dem Bundeswirtschaftsministerium zum Umgang mit Leistungsmissbrauch beim Arbeitslosengeld II.
Die Ursache für die steigenden Kosten der Arbeitslosigkeit liegt im massenhaften Abbau von Arbeitsplätzen in Unternehmen. „Das führt nicht nur zu finanziellen Belastungen der öffentlichen Haushalte sondern hat individuelle Folgen für die Menschen und ihre Familien“, betont Dr. Jörg Steinhausen, Landesgeschäftsführer des DPWV in Nordrhein-Westfalen. Wer seine Berichterstattung auf einzelne Fälle von Leistungsmissbrauch reduziere, trägt zur Spaltung der Gesellschaft bei. „Damit werden Millionen Menschen ausgegrenzt, die immer wieder vergeblich versuchen, sich auf einen Arbeitsplatz zu bewerben.“, so Steinhausen.
In NRW leben allein 405.000 Kinder von Arbeitslosengeld II, das 207 € pro Kind und Monat umfasst. Dieser Betrag liegt 19 % unter der unteren Bedarfsgrenze, erklärt der Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes NRW am heutigen Tag. "Wie sollen von diesem Betrag Lebensmittel, aber auch Schuhe für schnell wachsende Füße, die Einschulung in die Grundschule und ein Geschenk bei Geburtstagseinladungen bezahlt werden?" fragt der DPWV in einer Pressemitteilung.
Mit Blick auf die über 700.000 überschuldeten Haushalte in Nordrhein-Westfalen warnt der Verband vor wachsender Armut in einem reichen Land. Die Lebenssituation von Betroffenen müsse stärker in den Blick der öffentlichen Wahrnehmung genommen werden. Hierzu fordert der DPWV mehr Sensibilität an den Redaktions-Schreibtischen.
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