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Soziales, Kultur und Sport fordern stärkeres Engagement für eine friedliche Gesellschaft
Strategischer Dialog der zivilgesellschaftlichen Kräfte beim Anstoß Parität am 31. März 2006
Düsseldorf, 3. April 2006. „Soziales, Kultur und Sport haben gemeinsame Aufgaben für die Menschen in Nordrhein-Westfalen. Sie haben darum auch gemeinsame Interessen gegenüber der Politik im Land und in den Kommunen.“, so der Landesvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in NRW, Cord Wellhausen, auf einer Veranstaltung am letzten Wochenende in Düsseldorf.
Zum ersten strategischen Dialog der zivilgesellschaftlichen Kräfte hatte sein Verband Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur-, Sport- und Sozialverbänden eingeladen. Bürgerschaftliches Engagement könne nicht die staatliche Verantwortung ersetzen. Der Landtag und die Landesregierung habe die Pflicht, das friedliche Zusammenleben der Generationen und von Menschen unterschiedlicher Herkunft zu fördern. Eine weitere Polarisierung gesellschaftlicher Gruppen müsse verhindert werden.
Vor dem Hintergrund der laufenden Auseinandersetzungen um den Landeshaushalt in NRW forderte Landesgeschäftsführer Dr. Jörg Steinhausen die politisch Verantwortlichen auf, die individuelle Lebenslage der Menschen im Blick zu behalten, das gesellschaftliche Klima nicht weiter zu gefährden und die soziale Infrastruktur zu erhalten.
Für den Präsidenten des Landessportbundes NRW, Walter Schneeloch, sind die 20.000 Sportvereine in NRW Orte des sozialen Friedens, weil hier die Begegnung der Generationen auch über Nationalität und kultureller Identität hinweg möglich ist. „Wenn sich die öffentliche Hand aus der Förderung der rund 550.000 ehrenamtlich engagierten Menschen zurückziehen würde, hätte das katastrophale Folgen für die Gesellschaft.“, betonte Schneeloch und unterstützt damit die Forderung der Kampagne der Freien Wohlfahrtspflege unter dem Titel „NRW bleib sozial!“. Ein Land ohne Breiten- und Gesundheitssport, in dem sich nur noch Wohlhabende in Fitness-Studios aufhalten und die Sponsoren den Hochleistungssport finanzieren, sei kein soziales Land.
„Der Staat weiß ganz genau, dass er bürgerschaftliches Engagement nicht ersetzen kann, denn die Bürgerinnen und Bürger sind in gesellschaftlichen Feldern aktiv, die staatliche Stellen gar nicht erreichen.“, so die stellvertretende Landesvorsitzende des Paritätischen in NRW, Else Rieser, die gleichzeitig darauf aufmerksam machte, dass bei zurückgehender Förderung das Engagement zwar nach wie vor da ist, aber das System zwischen Ehrenamt und hauptamtlicher Unterstützung nicht mehr funktionieren wird.
Der künstlerische Leiter der „Theater an der Ruhr gGmbH“, Dr. Roberto Ciulli, machte aufgrund internationaler und historischer Erfahrung auf die Bedeutung der Kultur für die Persönlichkeitsentwicklung aufmerksam. „Die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen durch Theater-Initiativen wirkt sich nachhaltig auf das Zusammenleben der nächsten Generation aus. Aber auch der große Erfolg von Projekten mit Demenzerkrankten, in der Forensik, bei der Resozialisation in der Straffälligenhilfe sowie in der Psychiatrie zeigen, welchen wichtigen Beitrag die Kultur für den Erhalt einer humanen und gewaltfreien Gesellschaft leistet.“ Gleichzeitig forderte er dazu auf, wie in seinem Theater praktiziert, kulturelle Einrichtungen für Familien mit geringem Einkommen zu öffnen und „Tage ohne Eintritt“ einzuführen.
Pfarrer Uwe Becker, der sich als Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege in NRW an der Diskussion beteiligte, zeigte sich entsetzt darüber, mit wie wenig Sensibilität und Weitsicht die derzeitigen Haushaltsberatungen im Düsseldorfer Landtag geführt werden: „Wir betreiben derzeit ‚Alphabetisierungskurse’ für Landtagsabgeordnete in Sachen Sozialpolitik“. Vielen Abgeordneten seien die Folgen einer kurzsichtigen Sparpolitik gar nicht bewusst, bedauerte Becker in seinem Statement.
Der Landesgeschäftsführer des Paritätischen, Dr. Jörg Steinhausen, machte auf die große Resonanz der Kampagne „NRW bleib sozial!“ sowie der beiden Volksinitiativen gegen die Kürzungen bei Kindergärten und in der Jugendarbeit aufmerksam. Er betonte den Stellenwert dieser ersten gemeinsamen Initiative: „Es muss verhindert werden, dass die Politik weiter die Saatkartoffen der Gesellschaft in Gefahr bringt. Es scheint gesellschaftliche Kräfte zu geben, die sich restlos gegen die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung gestellt haben. Die Zusammenarbeit von Organisationen, die die Zivilgesellschaft und das Bürgerengagement repräsentieren, kann der Beginn einer neuen außerparlamentarischen Kraft sein – im Interesse der Menschen in Nordrhein-Westfalen“.
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