Gewalt gegen Frauen nimmt zu - Frauenhäuser fahren "Notprogramm"
Paritätischer Wohlfahrtsverband in Nordrhein-Westfalen fordert Rücknahme der Landeskürzungen
NRW/Wuppertal, 20. Juli 2006. Misshandlungen von Frauen sind keineswegs selten. Die vielen Betroffenen brauchen nicht nur Hilfe in einer akuten Krise sondern Unterstützung. Auch ihre Kinder benötigen eine Veränderung, um möglichst gewaltfrei leben zu können.
Als vor 30 Jahren die ersten Frauenhäuser in Nordrhein-Westfalen gegründet wurden, gab es vielerorts noch Zweifel an ihrer Existenzberechtigung. Heute zeigt die Kriminalstatistik, dass die häusliche Gewalt weiter steigt.
Vor diesem Hintergrund fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband in NRW die Rücknahme der 30prozentigen Landeskürzungen. „Der Wegfall der vierten Personalstelle im Frauenhaus bedeutet, dass die Basisstation für einen Neuanfang geschwächt wird. Frauen aus Gewaltbeziehungen und vor allem auch ihre Kinder brauchen eine echte Lebenschance“, betont der Landesgeschäftsführer des Paritätischen in NRW, Dr. Jörg Steinhausen.
Die Frauenhäuser in NRW fahren derzeit ein „Notprogramm“, weil der steigende Bedarf bei weniger Personal nicht durch ehrenamtliche Arbeit kompensiert werden kann. Das bestätigt auch Elke Schmidt-Sawatzki, Geschäftsführerin des Vereins „Hilfe für Frauen in Krisensituationen“ im ostwestfälischen Espelkamp. Sie ist Mitglied des Landesvorstandes und Sprecherin des landesweiten Facharbeitskreises im Paritätischen. „Frauen bringen eben nicht nur ein Problem mit. Sie müssen das Trauma der Gewalterfahrung überwinden, sie haben Schulden, können ihre Wohnung oft nicht halten, sie suchen Arbeit und müssen zu Jugend- und Sozialämtern. Wenn sich häusliche Gewalt nicht von Generation zu Generation ‚vererben’ soll, brauchen wir mehr professionelle Kapazitäten, um den Kreislauf der Gewalterfahrungen zu durchbrechen“, so Schmidt-Sawatzki.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband appelliert an die Landespolitik, sich in ihren Wahlkreisen über die Arbeit der Frauenhäuser zu informieren und diese Erfahrungen bei den Haushaltsberatungen 2007 in die parlamentarische Arbeit einzubringen.
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