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Viele I-Dötzchen starten ins gesellschaftliche Abseits
AWO, Kinderschutzbund und Parität fordern: Kinderarmut in Nordrhein-Westfalen bekämpfen
v.l. Cord Wellhausen, Paul Saatkamp, Dieter Greese
Düsseldorf, 10. August 2006. Jedes fünfte Kind in Nordrhein-Westfalen lebt unterhalb der Armutsgrenze. Nur vier Prozent dieser Kinder schafft den Sprung ins Gymnasium. Mehr als zehn Prozent aller Hauptschüler in NRW wurden in diesem Jahr ohne Schulabschluss in das Berufsleben und i.d.R. in die Arbeitslosigkeit entlassen, mit wenig Chancen, sich einen Weg aus dem gesellschaftlichen Abseits zu bahnen. Trotz PISA-Schock im Jahr 2000 sei auch in NRW so gut wie nichts passiert, um der sozialen Selektion des deutschen Bildungssystems entgegenzuwirken. Darauf machten AWO, Kinderschutzbund und der Paritätische in NRW im Rahmen eines gemeinsamen Pressegesprächs aufmerksam. Vertreter der drei Verbände forderten eine politische Neuausrichtung und wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung der Folgen von Armut bei Kindern und Jugendlichen. Diese Neuausrichtung sei umso dringlicher, da die Armut rapide zunehme.
Dieter Greese, Vorsitzender des Kinderschutzbundes in NRW: „Bundesweit leben 2,5 Mio Minderjährige unterhalb der Armutsgrenze, 540 Tsd. davon in NRW. Und der besondere Skandal ist: Seit Ende 2004 hat sich die Zahl der in Armut lebenden Kinder mehr als verdoppelt! Nun trifft es schon mehr als jedes 5. Kind unter 18 Jahren.“ AWO Niederrhein Vorsitzender Paul Saatkamp macht die Politik für diese Entwicklung verantwortlich: „Wesentliche politische Entscheidungen der letzten Jahre haben zu einem Anstieg der Kinderarmut und zu einer Verschärfung der Lebenssituation betroffener Kinder geführt. Hauptleidtragende der ‘Hartz-Gesetze’ sind Kinder.“ Und Cord Wellhausen, Vorsitzender des Partätischen in NRW, fordert: „Wer Lebensqualität und Wohlstand in unserer Gesellschaft sichern will, muss allen Kindern - unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern - wenigstens die Chance geben, sich gut gefördert und ausgebildet das eigene Leben erschließen zu können.“
AWO, Kinderschutzbund und Parität NRW präsentierten einen gemeinsam herausgegebenen Katalog mit Forderungen und Vorschlägen zur Bekämpfung der Kinderarmut mit dem Titel: ‘Kinderarmut bekämpfen - die Zukunft unserer Gesellschaft sichern’. Zu den wichtigsten Forderungen zählen: Das Recht auf Bildung und Erziehung muss eingelöst, die materielle Grundversorgung sichergestellt, Tagesbetreuung ausgebaut, die schulische Bildung reformiert und die medizinische Vorsorge verbessert werden. Die Broschüre ist bei den drei Verbänden kostenlos erhältlich und wird Bundes-, Landes- und Kommunalpolitikern in NRW zugänglich gemacht.
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Gerade Kinder aus Familien, die aufgrund ihrer materiellen Lage oft auch emotional belastet sind, brauchen so früh wie möglich auch die Unterstützung, Betreuung und Förderung von
Kinderbetreuungs- Einrichtungen, betonte der Landesvorsitzende des Paritätischen NRW.
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Arme Kinder haben erheblich mehr gesundheitliche Beeinträchtigungen und sind
von qualifizierenden Bildungsabschlüssen für unseren Arbeitsmarkt ausgeschlossen, stellte Dieter Greese, Vorsitzender des Kinderschutzbundes in NRW, in seinem Statement heraus.
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Vor einer Verschärfung der Kinderarmut durch die derzeitige Politik warnte Paul Saatkamp, Vorsitzender der AWO Niederrhein. Der Ruf nach mehr Kindern bei gleichzeitig zunehmender Kinderarmut verdeutliche die Widersprüchlichkeit der gegenwärtigen Politik.
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