Gekürzte Weiterbildung in NRW verstärkt Zugangshürden bei sozial Benachteiligten
Paritätischer Wohlfahrtsverband zum Weltalphabetisierungstag am 8.September
Bildung fördert die Integration und hilft, schwierige soziale Milieus zu überwinden
NRW/Wuppertal, 8. September 2006. Zum heutigen UN-Weltalphabetisierungstag warnt der Paritätische Wohlfahrtsverband vor weiteren Einschnitten in der Weiterbildungslandschaft in Nordrhein-Westfalen. Rund 18 Mio. Euro will Finanzminister Helmut Linssen im Landeshaushalt 2007 zusätzlich beim Weiterbildungsgesetz einsparen. „Diese Kürzung um weitere 20 Prozent führt zu einem drastischen Rückgang der Bildungsangebote und trifft gerade die Träger mit Angeboten für Migranten, sozial Benachteiligte und alte Menschen“ betont Helga Hege, Geschäftsführerin des Paritätischen Bildungswerkes in NRW. Immerhin müssen seit 2003 bereits Kürzungen von 38 Prozent verkraftet werden. Dies konnte nur durch weitere Vernetzung, Personaleinsparungen, Streichung von Kursen und Preiserhöhungen kompensiert werden. „Gesellschaftliche Entwicklung, Integration und die Überwindung schwieriger sozialer Milieus sind nicht mit angezogener Handbremse erreichbar“, so Hege. Weitere Kürzungen gefährden nicht nur die Existenz von sozialen Bildungsträgern: „Sie erhöhen auch Zugangshürden bei sozial Benachteiligten, die sich Weiterbildung so erst recht nicht leisten können“.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband betont dabei, dass gerade die freien Träger in der Vergangenheit erheblich dazu beigetragen haben, das im NRW-Weiterbildungsgesetz verankerte „Recht auf Weiterbildung“ umzusetzen. Kenntnisse und Qualifikationen seien generationenübergreifend und offen für unterschiedliche Zielgruppen erfolgreich vermittelt worden. Bildung sei gerade in der heutigen Zeit ein wirksames Mittel, um die Persönlichkeit der Menschen zu stärken und sie auf neue gesellschaftliche Herausforderungen vorzubereiten.
Das gelte auch für die persönliche und berufliche Qualifizierung in der sozialen Arbeit. Hege hierzu: „Ehrenamt, bürgerschaftliches Engagement und hauptberufliches Personal brauchen weiterhin gute Bildungsangebote, um neue Herausforderungen sachgerecht meistern zu können.“ Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert die Landesregierung deshalb auf, die bisherigen Kürzungen zurückzunehmen und die Weiterbildungsmittel im Landeshaushalt 2007 zu sichern.