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Willkommen beim Paritätischen in Nordrhein-Westfalen





Editorial - Qualitätsentwicklung als Chance!

Archimedes, dem alten Griechen, wird der Ausruf: „Heureka / Ich hab’s!“ zugeschrieben. Er entdeckte (angeblich in der Badewanne), wie er ohne unerwünschte Nebenwirkungen überprüfen kann, ob eine Krone wirklich aus reinem Gold ist. (Sie wissen schon, die Sache mit der Wasserverdrängung.) Ein anderer Satz, den wir Nicht-Mathematiker von ihm kennen, lautet: “Gebt mir einen festen Punkt, und ich hebe die Welt aus den Angeln.“ Der Ausspruch: „Störe meine Kreise nicht!“ soll ihn das Leben gekostet haben.

Die Arbeitsmarktpolitik, ihre gesetzlichen und finanziellen Grundlagen, von Bundesanstalt und Kommunen bis zu den Trägern – von den Betroffenen ganz zu schweigen – ist destabilisiert und verunsichert. Feste Orientierungspunkte sind rar. Kaum jemand, der glaubhaft Optimismus zu verbreiten vermöchte. Wo ist der Hebel anzusetzen? Außer den massivsten Leistungskürzungen, die es in der Bundesrepublik je gab, ist wenig erkennbar, was kurz- bis mittelfristig Wirkungen hätte. Auch bei wohlwollender Prüfung und ernsthaften Umsetzungsversuchen (an denen wir uns mit Nachdruck beteiligen!) wird sich herausstellen, dass – etwa bei PSA, Bildungsgutschein oder Ich-AG - nicht alles Gold ist, was da glänzt.

Woran also halten? Wir haben uns im Schwerpunkt dieser Ausgabe für das Thema Qualitätsentwicklung (QE) entschieden. QE nützt den KundInnen und den Trägern und ist für Letztere in der beruflichen Weiterbildung gesetzliche Vorgabe. Alle reden von Geld. Wir wollen hier von Qualität moderner Dienstleistungen reden, und von Qualität in Kooperation. Gut funktionierende Job-Center werden beides brauchen.

Dagmar Schädlich und Doris Rix stellen PARITÄTISCHE QE-Instrumente vor, die seit April auch im Fachgebiet „Arbeit“ eingesetzt werden. Astrid Neese analysiert aus Sicht des Landesarbeitsamtes die Anforderungen, die das SGB III in Sachen QE stellen wird. Ute Lohde, Julian Beywl und Jörg Marx geben Einblicke in die QE paritätischer Träger. Katharina Benner beschreibt die Arbeit paritätischer Q-Gemeinschaften in der Altenhilfe, die dem Fachgebiet Arbeit als Modell dienen.

Kooperationen bieten Chancen, auch in Krisen, wie der „Kooperationsverbund für regionale Arbeitsvermittlung“ und andere QE-Projekte (Johannes Massolle und Andreas Rauchfuß; Move Münster) zeigen. Erfolgreiche Kooperationen innerhalb des PARITÄTISCHEN und mit Anderen beschreiben Iris Bellstedt und Reiner Mathes.

Zurück zu Archimedes. Wer derzeit sagt: „Störe meine Kreise nicht!“ und sich den aktuellen Herausforderungen nicht aktiv stellt, lebt gefährlich. QE und Kooperationen sind keine Überlebensgarantie, aber notwendig und nützlich. Ich wünsche allen Beteiligten auf allen Ebenen ihr „Heureka“; und zwar bevor viel Gutes baden geht.

Ihr

Werner Lüttkenhorst