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Job-Center der Werkstatt im Kreis Unna gGmbH

Job-Center bei freien Trägern schon aktiv

arbeitsdruck:
Die innovativen, erfolgreichen Projekte der Werkstatt im Kreis Unna sind landesweit bekannt. Der Ansatz Job-Center unterscheidet sich völlig von den bisherigen Maßnahmetypen. Wie kam es dazu, diesen neuen Ansatz zu erproben?

Rengers:
Viele Instrumente der neuen Arbeitsmarktpolitik gehören schon wieder zum Standardrepertoire, das die Werkstatt in vielen Städten des Kreises Unna in unterschiedlicher Weise umsetzt. Aber im Juni 2000 war das Konzept des Job-Centers schon etwas ganz Neues.
Die ansteigende Zahl der Langzeitarbeitslosen, die Überforderung der ArbeitsvermittlerInnen des Arbeitsamts angesichts der Anzahl der Beratungsfälle, die damit einhergehende schlechte Bewerber-Datenlage, bewog die Leitung des Arbeitsamtes Schwerte im Kontext der bereits beginnenden Diskussion um das Job-Aqtiv-Gesetz und die Vermittlungsoffensive dazu, einen neuen Weg zu erproben. Die Werkstatt, bis dato bereits langjähriger Kooperationspartner in der Beschäftigungsförderung und beruflichen Weiterbildung, legte das Konzept hierzu vor und bekam für zunächst ein halbes Jahr einen Erprobungsvertrag.

arbeitsdruck:
Also ist euer Job-Center eines von den vielen Maßnahmen, die Arbeitsämter in allen Regionen zur Umsetzung des Job-Aqtiv-Gesetz an Dritte vergeben haben. Ich denke z.B. an Profiling- oder Assessment-Maßnahmen?

Rengers:
Das Job-Center unterscheidet sich ganz wesentlich von den anderen im Kreis Unna umgesetzten "Job-Aqtiv-Maßnahmen" durch den einzig hier praktizierten Individualansatz. Wir beraten und unterstützen Arbeitslose individuell über einen Zeitraum von 3 Monaten und bündeln dabei eine Vielzahl arbeitsmarktpolitischer Instrumente, wobei nicht alle Arbeitslosen alle Elemente des Angebotes in Anspruch nehmen müssen. Alle anderen Konzepte basieren auf einer Maßnahmestruktur. In Gruppen von bis zu 20 TeilnehmerInnen werden Arbeitslose zur Teilnahme an Maßnahmen mit einer Dauer von 3 Tagen bis zu vier Wochen gezwungen. Dieser Maßnahmecharakter und die oft viel zu knapp bemessene Zeit stehen dem Auftrag der individuellen Potenzialanalyse und persönlichkeits- und arbeitsmarktorientierten Chancenabschätzung völlig entgegen.

arbeitsdruck:
Wie sieht die Arbeit im Job-Center konkret aus? An welche Zielgruppen richten sich eure Angebote? Und mit wie vielen MitarbeiterInnen arbeitet ihr?

Rengers:
Ein Kernelement der Job-Center Aktivitäten stellt die höchstmögliche Identifizierung von Kompetenzen und Vermittlungshemmnissen in der Person des Arbeitslosen dar, um von hier ausgehend passgenau die erforderlichen arbeitsmarktpolitischen Instrumente zum Einsatz zu bringen.

Im intensiven Erstgespräch werden gemeinsam mit dem/der Arbeitslosen die weiteren spezifischen Vorgehensweisen und die Inanspruchnahme weitergehender Unterstützungsbausteine festgelegt. Entsprechend der ermittelten Bedarfe, Voraussetzungen und Wünsche kann der/die Arbeitslose an den Bausteinen Potenzialanalyse, Berufseignungsprüfung, Profiling, Information zur regionalen Arbeitsmarktsituation, Einführung in die computergestützte Stellensuche, Erstellen der Bewerbungsunterlagen und Bewerbungstraining teilnehmen. Die Infrastruktur des Job-Centers (Telefon, Computer etc.) steht darüber hinaus, zur Flankierung der Aktivitäten der Arbeitslosen, durchgängig zur Verfügung.

Die in der Einzelarbeit im Prozess erhobenen Daten und Erkenntnisse fließen ein in den individuellen Eingliederungsplan, der dem/der jeweils zuständigen ArbeitsvermittlerIn des Arbeitsamts zur weiteren Verfolgung ausgehändigt wird. Waren es in den Anfängen die Arbeitslosen, die erst nach 6-monatiger Arbeitslosigkeit zu uns kamen, so richten sich unsere Angebote heute im Sinne des Präventivgrundsatzes an alle Arbeitslosen vom ersten Tag der Arbeitslosmeldung an. Von Juni 2000 bis Juni 2002 haben insgesamt 2020 Arbeitslose unsere Unterstützung in Anspruch genommen.

Heute arbeiten wir mit 4 Beraterinnen auf insgesamt 2,5 Stellen und einer halben Stelle für eine Verwaltungskraft bei einer vereinbarten Sollzahl von 45-60 Neuzugängen pro Monat und einer individuellen Nutzungsdauer des Job-Center von bis zu 3 Monaten pro Arbeitslosen.

arbeitsdruck:
Ein spannender Punkt ist für mich die Zusammenarbeit mit den Arbeitsamt. Wie ist die organisiert? Mit welchen Widerständen bei den Menschen oder bei technischen Problemen habt ihr zu kämpfen gehabt?

Rengers:
Nach jetzt zweijähriger Zusammenarbeit können wir sagen, dass sie sehr gut funktioniert. Die Widerstände der ArbeitsvermittlerInnen in der Anfangszeit, als verständliche Folge von Konkurrenzangst, sind gebrochen. Die Erfolge haben überzeugt, der Nutzen der Zusammenarbeit und Zuarbeit durch die Job-Center KollegInnen ist vielfach deutlich geworden und führte schließlich zu einer breiten Akzeptanz und positiven Bewertung des Gesamtkonzeptes. Heute arbeiten die Arbeitsamt- und Job-Center MitarbeiterInnen "Hand in Hand" im gemeinsamen Interesse für den/die Arbeitslose/n.

arbeitsdruck:
Wie nehmen die Betroffenen eure Angebote an? Ist es nicht die Angst vor Sanktionen, die die arbeitslosen Menschen ins Job-Center kommen lässt?

Rengers:
Die Arbeitslosen werden durch das Arbeitsamt "eingeladen" und bereits im ersten Anschreiben auf die Rechtsfolgen bei Nichterscheinen hingewiesen. Diese Verpflichtung in Verbindung mit der Skepsis des Nutzens für die eigene Situation, führt natürlich nicht immer dazu, dass das Angebot freudestrahlend angenommen wird und viele kommen zunächst nur gezwungenermaßen. Aber nur die Erstberatung ist verpflichtend und danach ist in der Regel die Skepsis der Erkenntnis gewichen, dass hier endlich jemand wirklich Zeit hat und eingeht auf die besonderen individuellen Fragen und Probleme. Die meisten kommen freiwillig gerne wieder, im Durchschnitt zehnmal und nutzen den Zeitraum von drei Monaten sehr intensiv.

arbeitsdruck:
Könnt ihr denn vor dem Hintergrund fehlender Arbeitsplätze für alle eure Kunden eine zufriedenstellende Berufsperspektive entwickeln?

Rengers:
Die Job-Center Angebote können nichts gegen die eklatante Arbeitsplatzlücke ausrichten und das Strukturproblem Arbeitslosigkeit lösen. Die Erfahrungen zeigen aber, dass es sehr wohl möglich ist, mit den entsprechend passgenauen Unterstützungsangeboten die Dauer der Arbeitslosigkeit Einzelner zu verkürzen. Die Chance ist es bereits resignierte Arbeitslose wieder zu aktivieren und tragfähige, individuelle, bedarfsorientierte und zeitnah zu realisierende Handlungsschritte zur Arbeitsmarktintegration zu initiieren. Der Erfolg ist messbar.
Nach der letzten zahlenmäßigen Auswertung für den Zeitraum November 2001 bis Juni 2002 konnte für 210 von insgesamt 395 Personen eine konkrete Perspektive entwickelt und umgesetzt werden. Für weitere 55 Personen ist nach dem Beratungsprozess klarer, welche Qualifizierung zur Integration notwendig ist und gewünscht wird. Hier liegt ein weiterer positiver Nutzen des Job-Center-Konzeptes. Auf der Basis, der per Potentialanalyse ausgemachten Förderungsbedarfe, können passgenaue Weiterbildungsangebote entwickelt werden. Erste Ansätze einer nachfrageorientierten Angebotsstruktur im Weiterbildungssektor sind in Schwerte bereits praktiziert.

arbeitsdruck:
Nun wurde das Job-Center bisher aus dem "Innovationstopf" des Arbeitsamts finanziert. Wie sehen eure Perspektiven vor dem Hintergrund der Hartz-Vorschläge aus?

Rengers:
Der jetzige Vertragszeitraum läuft am 14. November diesen Jahres aus. Angekündigt ist bereits, dass die Förderung nach § 10 SGB III abgelöst wird von der Förderung nach § 37a, womit zwangsläufig auch eine Veränderung des Konzeptes einhergehen wird. Wir hoffen, dass der bewährte individuelle Beratungs- und Unterstützungsansatz nicht verloren geht und es in der Finanzierung nicht zu einer zu befürchtenden einseitigen Risikoverlagerung auf den Träger kommen wird (z.B. durch Prämienfinanzierung). Genaues hierzu werden wir erst in den kommenden Wochen wissen.

Nähere Informationen bei:
Doro Rengers
Werkstatt im Kreis Unna gGmbH
Nordring 43
59427 Unna

Tel.: 02303/981900
Email: d.rengers@werkstatt-unna.de
Homepage: www.werkstatt-unna.de