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Willkommen beim Paritätischen in Nordrhein-Westfalen





Arbeitsmarktintegration durch Patenschaften

Philosophie
Wir brauchen eine neue Kultur der Verantwortung gegenüber diesen Jugendlichen, die ihnen das "Gebraucht werden" und die dazugehörige Hilfsbereitschaft signalisiert. Wir wollen künftig verstärkt örtliche und stadtteilbezogene Netzwerke von Patenschaften initiieren, für die sowohl die Betriebe als auch engagierte BürgerInnen gefunden werden - vom Pfarrer bis zum Vorruheständler, vom Vereinsvorsitzenden über den pensionierten Meister bis hin zum ehemaligen Gewerkschafter oder Manager. Ziel ist es, dass mehr Menschen mit Know-How und Erfahrung das Erschließen von betrieblichen Kontakten und das Kümmern um die Jugendlichen zu ihrer eigenen Sache machen. Mit diesen Ausführungen gab NRW Arbeitsminister Harald Schartau den Startschuss für eine "Neue Kultur der Verantwortung", die im Februar 2001 als die "Initiative Paten NRW" der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Aufgaben von PatInnen
PatInnen sollen, auf auf junge Arbeitslose zugehen, ihnen als AnsprechpartnerIn zur Verfügung stehen und gemeinsam eine Perspektive für den beruflichen Einstieg entwickeln. Sie sollen bei der Kontaktaufnahme mit Unternehmen Ansprechpartner bleiben auch in schwierigen Phasen und so zur Vertrauensperson für den Jugendlichen werden. Dabei sind die Erfahrungen der PatInnen der entscheidende Vorteil, den Sie weitergeben können.

Strukturell wurde die Pateninitiative in die Initiative "Jugend in Arbeit" integriert. So lassen sich die bestehenden und bewährten Strukturen optimal nutzen. Da Jugendlichen im Rahmen des Programms bereits professionelle Hilfsangebote gemacht werden, sollen PatInnen dort eingesetzt werden, wo dies bezogen auf einzelne Jugendliche sinnvoll erscheint. Dies gilt insbesondere für die Jugendlichen, die zwar zunächst eine Beschäftigung aufgenommen haben, diese aber vorzeitig abgebrochen haben oder nach Ablauf der Förderung nicht übernommen worden sind. Hinzu kommen einzelne Fälle, in denen die professionellen Berater die Hilfestellung eines/r PateIn für sinnvoll halten, um ergänzend bei der Klärung von persönlichen und beruflichen Vorstellungen zu unterstützen.

Insgesamte meldeten sich circa 300 PatInnen 2001 bei der zentralen Hotline oder bei den regionalen Akteuren. Einige von ihnen haben ihre Bereitschaft später zurückgezogen. Ausschlaggebend waren die falsche Einschätzung der einzubringenden Zeit und die Vorstellungen über die Zielgruppe. Es ist davon auszugehen, dass ca. 200 Personen weiterhin an der Initiative interessiert sind.

Das Spektrum der PatInnenprofile gibt einen Querschnitt der Bevölkerung wieder. Junge und ältere PatInnen sind ebenso anzutreffen wie deutsche und ausländische. Die berufliche Biographie der PatInnen reicht vom Zirkusdirektor über den Architekten bis zum Pensionär. Zur Motivation der PatInnen läßt sich feststellen, dass der überwiegende Teil aus eigenem Erleben oder aus Erfahrungen in der Familie, Nachbarschaft und Arbeitswelt die Situation von Jugendlichen im Übergang Schule - Beruf/Arbeit kennt und hier Unterstützung und Hilfe leisten möchten.

Drei Beispiele
1) Patin: "Ich habe drei Kinder durchs Abitur, das Studium und die Lehre gebracht und weiß, wie schwer das ist. Manche Eltern sind da schnell überfordert. Ich habe von der Möglichkeit, eine ehrenamtliche Patenschaft zu übernehmen, aus der Zeitung erfahren. Und da hab ich mir gesagt: "warum nicht - versuchs` mal !" Man fühlt sich doch verantwortlich."

2) Pate : "Ich bin türkischer Bauunternehmer und selbst bei Null angefangen. Heutzutage beschäftige ich rund 40 Mitarbeiter. Wichtig sind in erster Linie meine Erfahrungen als Arbeitsloser, als Arbeitssuchender, später als Beschäftigter und dann natürlich als Migrant-Unternehmer. Ich selber hatte Probleme und weiß, wie schwierig es ist, ins Arbeitsleben reinzukommen. Ich weiß also, wovon arbeitslose Jugendliche sprechen, und ich möchte meine eigenen Erfahrungen weitergeben. Deshalb habe ich sofort meine Mithilfe zugesagt."

3) Pate: "Als Politiker liegt es nahe, ausgiebig über die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit zu sprechen - wobei es meist bei Sonntagsreden bleibt - oder dieses Thema in Form von Gesetzgebungsverfahren abzuhandeln. Wenn sich nun eine solche Möglichkeit bietet, selber tätig zu werden, denke ich, steht es einem Politiker gut an, eine solche Aufgabe zu übernehmen. Von daher reizt mich diese Kampagne auch, um die zuständigen Minister tatkräftig zu unterstützen."

77 Patenschaften bis Ende 2001
Als Zwischenergebnis bleibt festzuhalten, dass bis zum 31.12.2001 77 Patenschaften zwischen den PatInnen und Jugendlichen eingegangen worden sind. Erste Patenschaften sind nach einer geplanten Patenschaftszeit von einem halben Jahr bereits beendet worden.

Diese Unterstützungsangebote zum Übergang in Arbeit und zur Klärung persönlicher Probleme sind als Erfolge zu bewerten. Die Auswirkungen werden im überwiegenden Teil als positiv für die Beteiligten beschrieben. Beispiele sollen die Wirkung verdeutlichen: Jugendlicher: "Ich habe meinen Paten erst vor kurzem kennen gelernt. Aber ich kann Ihnen trotzdem schon sagen: Ich hoffe, da ich ja schon seit Monaten arbeitslos bin, dass ich auf diesem Wege eine berufliche Chance erhalte. Auch wenn ich andere Probleme habe, könnte ich mich mit ihm darüber unerhalten - also auf jeden Fall Kontakt halten, sag ich mal."

Jugendlicher: Bei mir war es so ähnlich. Meine Patin und ich, wir kennen uns allerdings schon etwas länger, ein halbes Jahr. Das erste Treffen, ja, das war schon ungewöhnlich. Ich habe erst gedacht, im Grunde genommen ist es eine Show, es wird wohl nicht viel bei herumkommen...Das Arbeitsamt selbst hat mir nichts angeboten und nun will eine nette Dame als "Arbeitsmarktpatin" versuchen, mir einen Job zu verschaffen ...? Aber wir haben schon einige neue Möglichkeiten durchgesprochen.

Beraterin: "Ein weiteres persönliches Kriterium von mir ist das Gefühl, meine Arbeitszeit reicht nicht aus, mich um einen bestimmten Jugendlichen zu kümmern. Einige brauchen eine zusätzliche Unterstützung außerhalb meiner Arbeitszeit, denn ich muss ja auch die Distanz zu den Teilnehmern bewahren. Habe ich dieses Gefühl, stelle ich ihnen einen Paten zur Seite. Die können dann vielleicht auch etwas anderes bewegen, nicht nur was die Arbeitsstelle angeht, sondern auch darüber hinaus die Festigung oder Änderung der persönlichen Orientierung."

Die Perspektiven
Die Initiative "PatInnen NRW" kann die Grundprobleme der Jugendarbeitslosigkeit nicht lösen, aber einen Beitrag dazu leisten, durch Angebote an Gesprächen, konkrete Hilfen und lebenspraktische Unterstützungen, die Perspektiven einzelner Jugendlicher zu erweitern. Die Begrenzung auf die Zielgruppe der Jugendlichen im Kontext "Jugend in Arbeit" könnte aufgehoben werden und auf andere Zielgruppen (z. B. Unterstützungsbedarf von Jugendlichen, die in der Phase der betrieblichen Beschäftigung sind) ausgeweitet werden.

Dann kann die PatInnen-Initiative zu einem "breiten gesellschaftlichen Bündnis gegen (Jugend-) Arbeitslosigkeit" beitragen und die regionalen Ansätze ergänzen und unterstützen.

Ludger Althoff

Zum Autor
Produkte und Dienstleistungen für die Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik

Ludger Althoff
Bergmannstr. 16
48727 Billerbeck

Tel: 02543-219728
Email: ludger.althoff@t-online.de

Auch im Progamm "Jugend in Arbeit"
...gibt es eine begleitende Betreuung durch PatInnen. Die am Programm beteiligten Träger des PARITÄTISCHEN werden dabei von den Stammkräften unterstützt.
Die Redaktion würde sich freuen, Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit PatInnen aus diesem Programm zu erfahren.