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Langsam aber GenderMit Beginn der neuen Förderphase der EU-Strukturfonds ist Gender-Mainstreaming (GM) auch in der nordrhein-westfälischen Arbeitsmarktpolitik geplant. Was GM aber bedeutet oder vielmehr wie GM in einer regionalisierten Arbeitsmarktpolitik umgesetzt werden kann, ist weiter unklar. Rückblick Die beschäftigungspolitischen Leitlinien der EU geben es vor: Das Ziel der Geschlechterdemokratie im Erwerbsleben soll durch den GM-Ansatz erreicht werden, indem alle Maßnahmen schon bei der Planung, der Durchführung, der Bewertung und der Kontrolle unter dem Aspekt beurteilt werden, welche Auswirkungen sie auf Frauen und Männer haben. Dieser gute Ansatz, der analog einer Umweltverträglichkeitsprüfung querschnittsmässig die geschlechtsspezifische Aspekte beleuchten soll, nimmt im Gegensatz zur klassischen Frauenförderung auch die Interessen von Männern in den Blick. In den regionalen Zielvereinbarungen, welche die Grundlage für die Umsetzung der EU-kofinanzierten-Landesförderung mit den Regionen sind, wurde der Gleichstellungsaspekt in der Regel nur mit dem folgenden Satz abgehandelt: Frauen werden entsprechend ihrem Anteil an der Arbeitslosigkeit an Maßnahmen beteiligt. Doch spätestens seit den Statusgesprächen, in denen Planungen und Durchführung von konkrete Maßnahmen der einzelnen Regionen mit dem nordrhein-westfälischen Arbeitsministerium (MASQT) besprochen wurden, müsste es in jeder Region klar sein, dass zukünftig Fördermittel nur noch fließen, wenn GM in den Regionen auch Gestalt annimmt. Erste Umsetzungsschritte Wie aber einen theoretischen, hochkomplexen Ansatz wie GM auf eine konkrete, sinnvolle Weise umsetzen? Denn GM beinhaltet mehr als eine rein zahlenmässige Berücksichtigung von Frauen in Projekten einer Region. Auch Maßnahmen mit weiblichen Teilnehmerinnen garantieren noch keine Gender-Qualität. Obwohl Strategien und messbare Vorgaben noch rar sind, gibt es erste Versuche in Richtung Konkretisierung. Hier einige Beispiele: Im MASQT fand ein eintägiger Workshop zum Thema statt, indem erste GM-Kompetenzen vermittelt wurde. Weiterhin zeigt eine dreiseitige Arbeitshilfe des MASQT für die Ziel-3-Regionen Bewertungskriterien für das Querschnittsziel GM auf. Es werden vier quantitativen Bewertungsstufen eingeführt; sie reichen von vollständiger bis zu nicht vorkommender Beachtung von Chancengleichheit von Frauen und Männern im Beruf. Darüber hinaus gibt es inhaltliche Kriterien zur Beurteilung von Anträgen nach ESF-Landesförderung, die die Ziele der Maßnahmen, die Projektentwicklung, ihre Durchführung und die Eignung der Antragsteller bewerten. Ziel ist es, bis zum zweiten Teil der ESF-Förderphase 2003, klare arbeitsmarktpolitische Ziele zu formulieren und messbare Vorgaben zur Umsetzung von GM zu entwickeln. Im Auftrag des Frauenministerium, erstellte das "Zentrum Frau in Beruf und Technik" in Castrop eine erste Umsetzungshilfe zur GM für die strukturschwachen Ziel-2-Regionen. Der Leitfaden beinhaltet einen Fragekatalog, der sich an die Verantwortlichen für die Umsetzung, Berater und Projektträger wendet. Gefragt wird darin beispielsweise nach der gleichstellungspolitischen Zielsetzung von Maßnahmen, nach gleichstellungsrelevanten Aspekten in Maßnahmekonzepten oder den institutionellen Rahmenbedingungen für Männer und Frauen bei den Trägern. Leider ist nicht klar, welchen Stellenwert dieser Arbeitshilfe beigemessen wird: Für die Weiterentwicklung dieser Arbeitshilfe wäre es wünschenswert, wenn auch Träger, die in der Umsetzung von arbeitsmarktpolitischen Frauenprojekten ihre Kompetenz schon bewiesen haben, ihre Erfahrungen mit einbringen. Das Know-how von ProjektentwicklerInnen der Verbände sollte ebenfalls genutzt werden. Regionale Workshops Die G.I.B. führte zum Thema GM seit Oktober 2000 sechs Workshops in den Regionen durch, weitere acht sind für die zweite Hälfte des Jahres geplant. Ziel ist es, bis Ende 2002 die Hälfte aller Regionen zu erreichen. Die Workshops, meist auf Anregung der Regionalstellen Frau und Beruf oder der Gleichstellungsbeauftragten in die Regionen geholt, bieten den verschieden arbeitsmarktpolitischen AkteurInnen vor Ort die Möglichkeit, sich praxisnah mit dem Thema zu beschäftigen. Sind gleichstellungspolitische Veranstaltungen oft reine Frauensache, so gelingt es hier, auch ca. 20% der Männer in die Diskussion einzubinden. Wichtig wäre neben einer weitergehenden Beschäftigung mit GM in den Regionen auch, dass sich mehr Männer auf diesen Prozess einlassen und sich die Bemühungen in konkreten Projekten widerspiegeln. Was fehlt? Die ersten Schritte sind getan. GM-Kompetenz muss auf allen Ebenen der Umsetzung der nordrhein-westfälischen Arbeitsmarktpolitik vermittelt werden. Das gilt nicht nur für die männerdominierten Konsensrunden, sondern für alle arbeitsmarktpolitischen AkteurInnnen, und dazu gehören die Träger ebenso wie die Bewilligungsbehörden. Wichtiger als die Schulung ist aber die Verstätigung auf den GM-Ansatz. Deshalb muss GM von der theoretischen Ebene heruntergebrochen werden in alle Beteiligungsebenen der Arbeitsmarktpolitik in NRW, bis zur konkreten, verbindlichen und kontrollierbaren Umsetzungen in den Maßnahmen. Gute Ansätze und Aktionen müssen weiterentwickelt und verfestigt werden. Genau wie das Land greifbare Vorgaben für die Querschnittsaufgabe "nachhaltige Regionalentwicklung" macht, genauso muss es Vorgaben für die nachhaltige Umsetzung von GM geben. Perspektiven Dass GM ein zur Zeit viel beachtetes Thema ist, zeigt die von der Fachberatung Arbeit herausgegeben Literaturliste, die mittlerweile 75 Titel umfasst und über 20 Internetadressen zu GM aufführt. Es bleibt aber die Frage nach der Umsetzung und Konkretisierung für den Bereich der Arbeitsmarktpolitik. Die Landtagsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen haben einen Antrag "Qualitativer Sprung in der Frauenpolitik - Gender-Mainstreaming gezielt und konsequent umsetzen" eingebracht. Ziel ist es, GM künftig in allen Politikfeldern zu verankern und gezielt umzusetzen. Nach ersten Beratungen im Frauenausschuss soll der Antrag jetzt in fast allen Ausschüssen als Querschnittsthema beraten werden. Anfang nächsten Jahres ist dann eine Anhörung im Landtag dazu geplant. Falls die Umsetzung von GM in der Arbeitsmarktpolitik bis dahin noch nicht weitergekommen ist, könnten von der Anhörung vielleicht neue Impulse ausgehen. Wünschenswerter wäre, dass die Arbeitsmarktpolitik vorher richtungsweisende Umsetzungstrategien für GM entwickeln würde.
Doris Rix
Gründungsinitiative Gender Akademie NRW
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