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Willkommen beim Paritätischen in Nordrhein-Westfalen





Die Projektentwickler

Wie geht's weiter?

Das Land NRW – im Bundesvergleich oft Vorreiter in der Arbeits(markt)politik – hat in den letzten Jahren den Einsatz eigener Mittel stark reduziert und sich auf die Weitergabe von ESF-Mitteln beschränkt. Bekanntlich stehen in der jetzt beginnenden ESF-Förderphase knapp 40 % weniger Mittel zur Verfügung als bisher.

Kurz nach Gründung der G.I.B. im Jahre 1986 hat das Land zwei Förderlinien eingerichtet, um Beschäftigungs- und Qualifizierungsangebote für Langzeitarbeitslose aufzubauen und abzusichern. Gefördert wurden Arbeitslosenzentren und –beratungsstellen (ALZB) und Stammkräfte (Projektentwickler und Projektbegleiter). Die Förderung der Projektbegleiter, angesiedelt bei Arbeitsmarktträgern vor Ort, wurden bereits vor einigen Jahren eingestellt, die ALZB-Förderung aus Landes- bzw. ESF-Mitteln läuft im September 2008 aus (siehe arbeitsdruck Nr. 44). In diesem Sommer hat das MAGS auch das Aus für die Projektentwickler verkündet, die zu großen Teilen bei den Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege angesiedelt sind. Die Förderung endet – so die Ansage des Ministeriums – im März 2008. Sie ist mit 26.000,– € pro Vollzeitstelle eher gering, wie jeder weiß, der Arbeitgeber-Brutto-Gehälter für Fachkräfte kennt. Aber sie hilft. Im Team der Fachgruppe „Arbeit, soziale Hilfen, Europa” des Paritätischen werden damit vier Projektentwicklerstellen anteilig finanziert.

Dienstleister landesweit

Die Projektentwickler stellen landesweit die Fachberatung der Mitgliedsorganisationen des Paritätischen im Bereich Arbeit sicher und bearbeiten die Schnittstellen zu allen Arbeitsbereichen bei Mitgliedsorganisationen und dem verbandlichen Hauptamt in NRW, sind also in einem umfassenden Sinne arbeitsmarktpolitische Dienstleister zum Thema „benachteiligte Zielgruppen”.

Sie betreuen landesweite Facharbeitskreise („Arbeit und Qualifizierung”, „Arbeit für Menschen mit Behinderungen” und „Armut und Sozialhilfe”), informieren (u.a. 45 bis 50 Quickinfo „Arbeit und Qualifizierung” pro Jahr) und beraten zu allen in Frage kommenden Förderprogrammen des Landes (Jugend in Arbeit plus, Werkstattjahr, Kombilohn, Verbundausbildung, um nur einige zu nennen) und des Bundes bzw. der Bundesagentur für Arbeit, organisieren Fortbildung, Qualitätsentwicklung, Erfahrungsaustausch und fachlichen Diskurs.

Projektentwickler machen Konzeptberatungen und Kriseninterventionen, holen durch Fördermittelberatung erhebliche Summen nach NRW, die der sozialen und Arbeitsmarktintegration dienen, arbeiten in Fachgremien der Spitzenverbände der Wohlfahrtspflege und solchen des MAGS in NRW mit und stellen die verbandliche Kommunikation mit der Bundesebene sicher, was bedeutet, schnell und kompetent informiert zu sein und selbst in NRW informieren zu können.

Sie unterstützen Kooperationen und Projekte, werben für mehr Ausbildung und Beschäftigung von Arbeitsmarktzielgruppen. Durch Entwicklung und teilweise eigene Umsetzung von Modellprojekten gemeinsam mit Mitgliedsorganisationen und anderen Verbänden leisten sie wichtige Beiträge zur Weiterentwicklung von Methoden und Strukturen der Arbeitsmarktintegration. Auch die Erstellung des „arbeitsdruck” gehört natürlich auf diese – nicht abschließende – Liste.

Ende der Förderung – Und was kommt dann??

Es sieht aktuell danach aus, als wolle das MAGS diese Arbeit in den Strukturen der Freien Wohlfahrtspflege nicht mehr fördern. Da die Wohlfahrtspflege auch in anderen Bereichen erhebliche Kürzungen verkraften musste, stoßen die Möglichkeiten, weitere Ausfälle zu kompensieren, an Grenzen.

Arbeitslosenzentren und Beratungsstellen müssen jetzt um örtliche Finanzierungen ringen, ohne das Land aus der Verantwortung zu lassen. Für Projektentwickler ist das keine Option, ihre Aufgabe ist überregional. Trotz der unerfreulichen Signale aus dem MAGS hoffen wir weiterhin, dass man dort die beschriebenen Leistungen und Kompetenzen der Projektentwickler, in welcher Form auch immer, weiter nutzen möchte. So lange das Land auch eine Zielgruppen bezogene Arbeits(markt)politik verfolgt, ist ein Verzicht auf die Wirkungsmöglichkeiten der Projektentwickler an der Schnittstelle zur Gesundheits- und Sozialwirtschaft aus unserer Sicht schwer nachvollziehbar.

Werner Lüttkenhorst

Zum Autor
Werner Lüttkenhorst ist Leiter der Fachgruppe
Arbeit, soziale Hilfen, Europa im
Paritätischen Landesverband NRW
Tel.: 0211 94600 17
E-Mail: Luettkenhorst@paritaet-nrw.org