Mann steht auf Balkon, hat Fotoapparat vor dem Gesicht

Housing-First-Fonds

In Ländern wie Österreich, Finnland oder Portugal wird der Housing-First-Ansatz im Kampf gegen Wohnungslosigkeit bereits sehr erfolgreich praktiziert. In Deutschland ist er noch wenig verbreitet. Mit dem Projekt Housing-First-Fonds wollen der Paritätische NRW und fiftyfifty, eine Mitgliedsorganisation des Paritätischen NRW, das nun ändern. Der Düsseldorf Maler Gerhard Richter spendete dem Projekt 18 Bilder. Erwartet werden insgesamt Verkaufserlöse von mehr als einer Million Euro. Damit soll der Ankauf von bis zu 100 Wohneinheiten für zuvor wohnungslose Menschen bezuschusst werden.

Housing-First ist noch neues Konzept


Bei Housing-First bekommen die Betroffenen im ersten Schritt eine reguläre Wohnung – ein entscheidender Unterschied zum derzeit meist praktizierten System. Darin müssen Betroffene oft zunächst ihre „Wohnfähigkeit“ in einem Stufensystem unter Beweis stellen, Unterkünfte und Trainingswohnungen durchlaufen. Der Aufstieg in ein normales Mietverhältnis scheitert dann häufig am Wohnungsmangel und so droht die erneute Wohnungslosigkeit: Ein „Drehtür-Effekt“ stellt sich ein und der Durchlauf des Stufensystems beginnt von neuem. Housing-First hingegen bedeutet: Mit den Wohnungslosen wird ein normales, unbefristetes Mietverhältnis mit allen Rechten und Pflichten abgeschlossen. Nach Bezug der Wohnung werden sie ermutigt, ihre individuellen Probleme anzugehen, unterstützt durch wohnbegleitende Hilfen zum dauerhaften Wohnungserhalt.

Menschen dauerhaft von der Straße holen


fiftyfifty hat in Düsseldorf bereits gute Erfahrungen mit dem Housing-First-Ansatz gemacht. Auch internationale Studien beweisen, dass Housing-First nicht nur mehr Menschen dauerhaft von der Straße holt, sondern auch kostengünstiger ist als die wiederholte Unterbringung in Übergangsunterkünften. Doch Mietwohnungen sind schwer zu kriegen und zum Wohnungskauf fehlt sozialen Organisationen oft das Kapital. Hier gibt der Housing-First-Fonds Starthilfe durch zweckgebundene Zuschüsse.

Projektpartner werden


Im Mai 2018 fand der Projektauftakt im Landtag statt. Innerhalb von einer Woche waren die ersten Richter-Bilder verkauft. Bereits im Juni konnte das erste Appartement gekauft werden und der erste ehemals Wohnungslose ist eingezogen. Es laufen derzeit Gespräche mit verschiedenen Organisationen; noch können weitere Träger der Freien Wohlfahrtspflege aus NRW sich um Fonds-Mittel bewerben. Mit den zweckgebundenen Zuschüssen werden Finanzierungsgrundlagen zum Ankauf von Wohnungen geschaffen. Auch Umbaumaßnahmen und Nebenkosten können mitfinanziert werden.

Förderung durch das Land NRW


Das Projekt ist eine Kooperation des Paritätischen NRW und seiner Mitgliedsorganisation Asphalt e.V. / fiftyfifty. Die Implementierung und Durchführung wird durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW bis November 2020 gefördert.