Der Paritätische NRW

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Junge Person mit Down-Syndrom und eine andere Person arbeiten gemeinsam in einem Blumenhandel.

Duale Ausbildung statt Werkstatt: Inklusion auf dem ersten Arbeitsmarkt

08.09.2026

Lernen und Arbeiten, wo alle lernen und arbeiten – Der Wunsch, Jugendlichen mit kognitiver Einschränkung eine Berufsausbildung zu ermöglichen, hat den Verein mittendrin aus Köln, Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW, dazu veranlasst, das Modellprojekt „Ausbildung mittendrin“ ins Leben zu rufen. In Kooperation mit dem Kölner Inklusionsdienstleister ProjektRouter, ebenfalls Mitgliedsorganisation des Paritätischen NRW, können junge Menschen mit Lernschwierigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß fassen.

Alternative zu Werkstätten

Eine duale Ausbildung ohne Schulabschluss absolvieren? Das ist in Deutschland möglich und war für den Elternverein mittendrin aus Köln Ausgangspunkt für das inklusive Modellprojekt „Ausbildung mittendrin“. Denn die meisten Förderschüler*innen mit Schwerpunkt Geistige Entwicklung arbeiten nach der Schule in Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Die Initiator*innen des Projekts wünschten sich für ihre Kinder jedoch eine inklusivere Arbeitsmöglichkeit – mittendrin in der Gesellschaft und in Arbeitsfeldern, die den Auszubildenden aus ihrem Alltag bekannt sind. In Zusammenarbeit mit dem Inklusionsdienstleister ProjektRouter und gefördert durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW sowie den Europäischen Sozialfonds wurde seit 2022 so 14 interessierten Menschen mit Lernschwierigkeiten mit der „Ausbildung mittendrin“ der Schritt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglicht.

Berufsabschluss auf dem ersten Arbeitsmarkt

Ob in Restaurants, Hotels, sozialen Einrichtungen oder im Supermarkt – Ausbildungen für Menschen mit kognitiver Einschränkung sind in unterschiedlichen Branchen möglich. Mittendrin hilft interessierten Schulabgänger*innen und Werkstattbeschäftigten, einen passenden Ausbildungsplatz zu finden, und unterstützt beim Beantragen des „Budgets für Ausbildung“ der Arbeitsagentur – darüber erhalten die Auszubildenden Vergütung, Jobcoaching und Stützunterricht. Die Arbeitscoaches von ProjektRouter begleiten die jungen Menschen durch die gesamte Ausbildung: Sie unterstützen in der Berufsschule, besuchen die Auszubildenden im Betrieb und vermitteln deren Fähigkeiten und Bedarfe an Ausbilder*innen, Kolleg*innen und Lehrkräfte. Bei entsprechender Leistung sind ein offizieller Berufsabschluss und die Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis möglich.

Erfolgreiches Modellprojekt findet Nachahmer

Mit dem Ende 2026 auslaufenden Modellprojekt „Ausbildung mittendrin“ wurde erstmals versucht, Menschen aus dem schulischen Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung nicht nur im Einzelfall, sondern in größerer Zahl eine duale Berufsausbildung zu ermöglichen. Von sechs beendeten Ausbildungsverhältnissen haben fünf einen Abschluss erreicht, die übrigen acht Teilnehmenden befinden sich in verschiedenen Phasen ihrer Ausbildung. Während das Angebot von mittendrin auf den Raum Köln beschränkt ist, breitet sich die Projektidee weiter aus. Nach einem Workshop für Träger und Initiativen, in dem die Initiator*innen ihre Erfahrungen geteilt haben, hat sich im Raum Mönchengladbach, Neuss und im Großraum Düsseldorf das Netzwerk „Ausbildung inklusiv“ gebildet.