
22 Jahre danach: Projekt kämpft um Erinnerungsort für Kölner NSU-Anschläge
03.06.2026
22 Jahre nach dem rechtsterroristischen Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstraße warten die Opfer und Angehörigen weiterhin auf einen würdigen Gedenkort und die Aufarbeitung der Ereignisse. Das Projekt „Doing Memory: Keupstraße“ des Vereins interKultur, Mitgliedsorganisation des Paritätischen NRW, setzt sich für eine aktive Erinnerungskultur aus der Perspektive der Betroffenen ein und fordert ein längst beschlossenes Mahnmal zum Gedenken und Informieren.
Erinnerungsarbeit mit Betroffenen
Am 9. Juni 2004 zündete der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) eine Nagelbombe in der migrantisch geprägten Einkaufsstraße Keupstraße in Köln. Bereits 2001 hatte es einen ähnlichen Anschlag in der Kölner Probsteigasse gegeben. Über 20 Menschen wurden teils schwer verletzt. Bis zur Selbstenttarnung des NSU 2011 verdächtigten die Ermittlungsbehörden die Opfer und Anwohner*innen selbst für die Anschläge verantwortlich zu sein. Fünfzehn Jahre später stehen nicht die Opfer und das Unrecht, das ihnen widerfahren ist, im Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung, sondern die Täter. Die Betroffenen kämpfen derweil weiter für Anerkennung, Aufklärung und ein würdiges Gedenken. Unterstützt werden sie dabei von Initiativen wie „Doing Memory: Keupstraße“, die Erinnerungsarbeit am Tatort leisten, der für viele bis heute Lebensmittelpunkt ist.
Wo bleibt das Mahnmal?
„Doing Memory: Keupstraße“ möchte durch partizipative Zusammenarbeit und konsequent aus der Perspektive der Betroffenen die Geschichte der Keupstraße und den Umgang mit rechter Gewalt sichtbar und erfahrbar machen. Seit vielen Jahren setzt sich die Initiative dafür ein, ein Mahnmal zu realisieren. Bereits 2015 fasste der Kölner Stadtrat einen entsprechenden Beschluss, 2021 wurde der Platz am Eingang der Keupstraße offiziell für das Vorhaben überschrieben. Umgesetzt wurde bislang jedoch nichts. Im April 2026 machte das Projekt gemeinsam mit Betroffenen und der Initiative „Herkesin Meydanı – Platz für alle“ mit einer Aktion vor Ort erneut Druck: Ein 5 × 10 Meter großes Banner mit der Aufschrift „Wo bleibt das Mahnmal?“ markiert den geplanten Standort. Neben einer Betonplatte, die den Grundriss des Hauses nachzeichnet, vor dem die Nagelbombe gezündet wurde, soll die Gedenkstätte per App zu einem interaktiven Lern- und Erinnerungsort werden: Ein Filmarchiv mit Interviews von Überlebenden dokumentiert die Anschläge sowie die jahrelangen rassistischen Ermittlungen gegen die Betroffenen und soll ihr Leid öffentlich sichtbar machen.