
Jenseits der Statistik: Erster Jahresbericht der NRW-Melde- und Informationsstellen zeigt Dunkelfeld rassistischer und queerfeindlicher Diskriminierung
03.09.2026
Mehrfachdiskriminierung, eingeschränkte gesellschaftliche Teilhabe, psychische Belastung: Der erste Jahresbericht der vier Online-Meldestellen MEDAR NRW (antimuslimischer Rassismus), MIRa NRW (antischwarzer, antiasiatischer und andere Formen von Rassismus), DINA NRW (Antiziganismus) und MIQ NRW (Queerfeindlichkeit) macht deutlich, worunter diskriminierungsbetroffene Personen leiden und zeigt, wie wichtig das anonyme Meldeangebot ist. Mit PLANB aus Bochum, interKultur, dem Queeren Netzwerk NRW und rubicon aus Köln, dem LSVD⁺ NRW aus Düsseldorf, dem VMDO aus Dortmund und ARIC-NRW aus Duisburg übernehmen in allen vier Meldestellen Mitgliedsorganisationen des Paritätischen NRW Verantwortung.
Diskriminierung sichtbar machen
Seit dem 17. März 2025 können sich von Diskriminierung Betroffene in Nordrhein-Westfalen erstmals an spezialisierte Meldestellen wenden, die sie ernst nehmen und ihnen eine niedrigschwellige Möglichkeit bieten, ihre Erfahrungen zu dokumentieren. Dabei werden sowohl strafrechtlich relevante Vorfälle als auch solche unterhalb der Strafbarkeitsgrenze erfasst. MEDAR, MIRa, DINA und MIQ leisten damit einen wichtigen Beitrag, das weit verbreitete Dunkelfeld rassistischer und queerfeindlicher Diskriminierung in NRW sichtbar zu machen. Denn wie die Zahlen aus dem Jahresbericht verdeutlichen, wurde bei rund 60 Prozent der eingegangenen Meldungen über die Dokumentation hinaus keine weitere Maßnahme ergriffen. Die Vorfälle tauchen also in keiner anderen öffentlichen Statistik auf. Die insgesamt 871 Meldungen beinhalten zudem 126 Vorfälle, die vor 2025 passiert sind. Es war den Meldenden also ein Anliegen, Vorfälle auch rückwirkend zu dokumentieren.
Vorfälle im öffentlichen Raum
Für den gemeinsamen Jahresbericht wurden 571 Vorfälle aus dem Jahr 2025 ausgewertet. Hinzu kamen 63 Hass- und Angriffsmeldungen, die sich direkt gegen die Meldestellen selbst richteten. Die Fälle decken ein breites Spektrum ab: von Vandalismus und Beleidigungen über Drohungen bis hin zu physischer Gewalt. Rund ein Drittel der Meldungen weist eine Mehrfachdiskriminierung auf, wobei die Verschränkung mit Sexismus und Frauenfeindlichkeit am häufigsten vorkommt. Der überwiegende Teil rassistischer und queerfeindlicher Vorfälle ereignete sich in Parks, auf Plätzen, in Einkaufsstraßen oder im ÖPNV, also im öffentlichen Raum. Das führt bei Betroffenen regelmäßig zu Vermeidungsverhalten, wodurch die gesellschaftliche Teilhabe eingeschränkt und die demokratische Selbstbestimmung geschwächt wird. Als häufigste persönliche Auswirkung nennen Meldende Angst, Ohnmachts- und Minderwertigkeitsgefühle – Folgen die durch die Alltäglichkeit von Diskriminierungserfahrungen zu anhaltenden psychischen Belastungen und sozialer Isolation führen können.
Jahresbericht lesen
Der gemeinsame Jahresbericht von MIRa, MEDAR, DINA und MIQ ist auf der Homepage diskriminierung-melden.nrw abrufbar. Die ausführlichen Einzelberichte finden sich auf den jeweiligen Websites der Meldestellen zum Download.