
Schulstart für immer mehr Familien ein Preisschock
31.08.2026
Steigende Schulmaterial-Kosten verschärfen die Bildungsarmut in NRW. Der Sozialverband VdK NRW, Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW, fordert bessere Chancen für Kinder aus ärmeren Haushalten – etwa durch die kostenlose Bereitstellung von Lernmitteln.
Belastung für Familien und Alleinerziehende
Ob Stifte, Hefte oder Bücher – der Beginn eines neuen Schuljahres ist mit zahlreichen Anschaffungen verbunden. Schnell summieren sich mehrere hundert Euro. Für Alleinerziehende und Familien mit geringem Einkommen bedeutet dies eine erhebliche finanzielle Herausforderung. Zwar können sie bei ihrer Kommune Unterstützung aus dem Bildungs- und Teilhabepaket beantragen, diese deckt aber oft nicht die tatsächlichen Ausgaben. Laut des NRW-Familienberichts 2026 ist generell jede sechste Familie in NRW von Armut bedroht – Alleinerziehende sind dabei überproportional betroffen.
Schulmaterialien immer teurer
Dass die Preise für Schulmaterialien gestiegen sind, belegen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts: Demnach sind Schul- und Lehrbücher 2,3 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Für Füller und Farbkästen müssen sogar 3,5 Prozent mehr bezahlt werden. „Das ist eine Hiobsbotschaft für all jene, die ohnehin jeden Monat aufs Neue genau rechnen müssen“, sagt VdK-Präsident Horst Vöge und fügt hinzu: „Bildung ist kein Luxus, sondern Zukunft. Wenn Familien vor der Wahl stehen, ob sie ihren Kindern Kleidung, gesundes Essen oder die nötigsten Schulutensilien kaufen, dann haben wir ein strukturelles Problem. Das ist kein individuelles Versagen, sondern ein politisches.“
Teilhabe an Bildung erschwert
Kindern aus ärmeren Familien wird Teilhabe an Bildung zunehmend erschwert. Bestätigt wird dies durch eine aktuelle UNICEF-Studie, wonach bundesweit 40 Prozent der 15-Jährigen in Lesen und Mathematik nicht einmal das 2022er PISA Grundniveau 2 erreichen.
Bisherige Unterstützung reicht nicht aus
Horst Vöge mahnt: „Die Regelsätze in der Grundsicherung und die ergänzenden Leistungen im Bildungs- und Teilhabepaket reichen einfach nicht aus. Sie sind veraltet und nicht an die Lebensrealität der Menschen angepasst. Wir brauchen eine dauerhafte, unbürokratische Unterstützung für armutsgefährdete Kinder – etwa durch die kostenlose Bereitstellung von Lernmitteln. Außerdem mehr Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, unter anderem durch flexiblere Arbeitszeitmodelle.“