
Virtuelle Welten inklusiv gestalten: Gelsenkirchener Projekt bringt Technik und Soziale Arbeit zusammen
07.10.2026
Beim Projekt „Empower XR – Die virtuelle Welt für Alle“ des Paritätischen Gelsenkirchen entwickelten Technik-Expert*innen und Menschen mit Behinderung gemeinsam innovative Lösungen für mehr Inklusion im digitalen Alltag. Mit der Lebenshilfe Gelsenkirchen, dem Mädchenzentrum Gelsenkirchen und dem Verein Nienhof, waren drei Mitgliedsorganisationen des Paritätischen NRW mit in das Projekt eingebunden.
Tech-Szene trifft Wohlfahrtspflege
Eine Brille, die auditiv die Umgebung beschreibt oder Avatare, die Hilfsmittel wie Rollstühle abbilden – Extended Reality (XR), also Technologien, die virtuelle Welt und reale Welt miteinander verbinden, bietet großes Potenzial, Räume und Anwendungen inklusiv zu gestalten. Zielgerichtete digitale Lösungen scheitern jedoch oft daran, dass Technik-Expert*innen die Bedarfe von Menschen mit Behinderung zu wenig kennen. Um das zu ändern, bringt das Projekt „Empower XR – Die virtuelle Welt für Alle“ des Paritätischen Gelsenkirchen Menschen mit Behinderung, Angehörige, Expert*innen und Entwickler*innen zusammen. Gemeinsam untersuchen sie, auf welche Barrieren Betroffene im (digitalen) Raum stoßen und wie sich diese technisch überwinden lassen. Das Projekt ist eine Kooperation mit dem Gelsenkirchener Tech- und Projektstudio mxr-storytelling.
Virtuelle Inklusion in 44 Stunden

Auch Mitgliedsorganisationen des Paritätischen NRW waren an dem Projekt beteiligt. In Workshops bei der Lebenshilfe Gelsenkirchen, dem Mädchenzentrum Gelsenkirchen und dem Verein Nienhof, der Menschen mit psychischen Erkrankungen und Krisen begleitet, wurden als Grundlage für einen anschließenden Hackathon gemeinsam Anforderungen für barrierefreie XR-Anwendungen erarbeitet. Bei dem 44-stündigen Programmier-Marathon kamen 20 Programmierer*innen, Designer*innen und Sozialarbeiter*innen aus ganz Europa in der Eventkirche Heilig-Kreuz in Gelsenkirchen zusammen. In kurzer Zeit entstanden Prototypen zu Themen wie Sehbeeinträchtigungen, inklusive Avatare und Neurodiversität. „Der Spirit in der Heilig-Kreuz-Kirche war einzigartig. Dass Menschen aus fünf Nationen hier zusammenkommen und in unter zwei Tagen funktionierende Lösungen für komplexe soziale Herausforderungen bauen, zeigt das immense Potenzial von XR-Technologien“, freut sich Sven Lütkehaus, Kreisgruppengeschäftsführer des Paritätischen Gelsenkirchen.

Gewinn für den Alltag

Im Anschluss an die kreative Schaffensphase konnten Besucher*innen die entstandenen Prototypen ausprobieren, sich austauschen und per Publikumsvoting über ihren Favoriten abstimmen. Den Publikumspreis gewann das Team „Nasse Füße" mit einer Einstiegs-App für eine AR-Brille: Mithilfe von Augmented Reality (AR) werden den Träger*innen Informationen zum Veranstaltungsort direkt ins Sichtfeld eingeblendet. Der Raum wird so für alle neu und barrierefrei erlebbar. Wo die eine Brillen-Anwendung etwas hinzufügt, kann die andere Objekte im Sichtfeld ausblenden: Mit dieser Idee gewann das Team focusProVision den Jury-Hauptpreis. Gemeinsam mit einer autistischen Person entwickelt, verhindert die Anwendung durch gezieltes Weichzeichnen in der realen Umgebung sowie einem Echtzeitfilter für Helligkeit und Kontraste eine Reizüberflutung in Alltagssituationen.
