SozialstiftungNRW unterstützt Projekt zur besseren Unterstützung Pflegebedürftiger
Förderbescheid an Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband Landesverband Nordrhein-Westfalen e. V. übergeben
Wuppertal/Osnabrück, 06.11.2026
Pflegebedürftige Menschen möchten so lange wie möglich in ihrem vertrauten Umfeld bleiben. Die Chancen dafür steigen, wenn alle Unterstützungsmöglichkeiten durch Familie, Bekannte und örtliche Hilfsangebote optimal genutzt werden. Pflegedienste können einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, die vorhandenen Ressourcen zu erkennen und zu aktivieren. Die SozialstiftungNRW fördert ein Projekt, das die Möglichkeiten des sozialräumlichen Arbeitens von Pflegediensten erprobt mit 700.000 Euro. Der Stiftungsratsvorsitzende der SozialstiftungNRW, Marco Schmitz, MdL, übergab am Freitag in Wuppertal den Förderbescheid.
Das landesweit bislang einzigartige Projekt „ESOP – Erprobung Sozialraumorientierung im Pflegeprozess“ des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. zielt auf die ganzheitliche Versorgung pflegebedürftiger Menschen im eigenen Zuhause. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt über die gesamte Laufzeit von der Hochschule Osnabrück.
Ressourcen erkennen und nutzen
Das Projekt nimmt Pflegebedürftige in den Blick, die von einem ambulanten Pflegedienst versorgt werden sowie deren Zugehörige und das soziale Umfeld. Hintergrund ist, dass ambulante Pflegedienste nur pflegerische Leistungen wie etwa Hilfe beim Aufstehen oder der Körperpflege abrechnen können. Dabei bleibt der ganzheitliche Blick auf die Ressourcen des Pflegebedürftigen und sein Umfeld in der Regel unberücksichtigt. Das Projekt zielt deshalb unter anderem darauf, Pflegekräfte darin zu schulen, das soziale Umfeld von Pflegebedürftigen mit seinen Unterstützungsmöglichkeiten in die Pflege einzubinden. Im Mittelpunkt stehen dabei die individuellen Bedürfnisse, Fähigkeiten und Wünsche pflegebedürftiger Menschen. Durch passgenaue, präventiv ausgerichtete Versorgungsangebote sollen Selbstbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe und ein möglichst langer Verbleib im eigenen Zuhause unterstützt werden. Gleichzeitig sollen Angehörige durch Beratungs-, Betreuungs- und Entlastungsangebote sowie durch die Einbindung nachbarschaftlicher und ehrenamtlicher Strukturen gestärkt werden. Dabei kann es zum Beispiel darum gehen, pflegende Angehörige auf Unterstützungsangebote aufmerksam zu machen wie etwa ein Demenzcafé. Oder es kann zum Beispiel ausgelotet werden, ob es in der Nachbarschaft Menschen gibt, die bereit sind, zu unterstützen, etwa mit kleinen Einkäufen oder stundenweiser Betreuung.
„Wir freuen uns, das Projekt mit 700.000 Euro zu fördern“, sagte Schmitz bei der Übergabe des Förderbescheids. „Hier geht es nicht nur darum, die Bedarfe des pflegebedürftigen Menschen zu versorgen, sondern auch zu erkennen, über welche Ressourcen der Mensch und sein gesamtes soziales Umfeld, das weit mehr umfasst als die pflegenden Angehörigen, noch verfügen. Der Fokus auf eine ganzheitliche Betrachtung wird die Haltung innerhalb, aber auch gegenüber der ambulanten Pflege nachhaltig verändern.“
Christian Woltering, Vorstand des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband Landesverband Nordrhein-Westfalen e. V., begrüßt die Förderung des Projektes durch die Sozialstiftung NRW: „Pflege beginnt beim Wunsch des Menschen. Jeder hat andere Bedürfnisse und bringt ein anderes persönliches Umfeld mit. Im Alltag der ambulanten Pflege spielt das noch zu selten eine Rolle, obwohl die Dienste tun, was ihnen möglich ist. Doch über die derzeit geltenden starren Leistungskomplexe sind ihnen die Hände gebunden. Mit dem Projekt ESOP können wir nun in der Praxis neue Leistungen und Ansätze erproben und sichtbar machen was möglich ist – mit den Menschen, ihrem Umfeld und dem Sozialraum. Wir sind dankbar, dass uns die Sozialstiftung NRW dabei unterstützt.“
Häusliche Pflege auf mehr Schultern verteilen
„Besonders überzeugt hat uns, dass im gesamten Prozess nicht nur die pflegebedürftigen Menschen, deren pflegende Angehörige und deren Sozialraum beteiligt sind, sondern auch die Praxis in Form von ambulanten Pflegediensten einbezogen ist. So entsteht hier ein Konzept in der Praxis für die Praxis“, betonte Schmitz. „Hier wird ‚mit den‘ statt ‚für die‘ betroffenen Zielgruppen gearbeitet. Die Vernetzung der unterschiedlichen Zielgruppen wird in diesem Projekt aus unserer Sicht gelungen umgesetzt.“
Ambulante Pflege in NRW zukunftsfähig machen
Auch ambulante Pflegedienste können profitieren: Eine bessere Vernetzung und die Verteilung von Aufgaben auf mehrere Schultern bieten Chancen, Pflegefachkräfte zu entlasten und die Qualität der Versorgung zu verbessern. Darüber hinaus soll das Projekt Erkenntnisse darüber liefern, welche Rahmenbedingungen und Finanzierungsmodelle erforderlich sind, um sozialraumorientiertes Arbeiten dauerhaft in der ambulanten Pflege zu verankern. Ziel des dreijährigen Projekts ist es, neue Wege für eine bedarfsgerechte, vernetzte und zukunftsfähige Pflege zu entwickeln. Damit soll das Projekt Impulse für ein Versorgungssystem setzen, das professionelle Unterstützung mit den Ressourcen des sozialen Umfelds verbindet und den Grundsatz „ambulant vor stationär“ nachhaltig stärkt.
Zum Hintergrund:
Informationen zur SozialstiftungNRW:
Die SozialstiftungNRW – mit gesetzlichem Namen Stiftung Wohlfahrtspflege NRW – ist eine Stiftung öffentlichen Rechts des Landes Nordrhein-Westfalen. 1974 als Sozialstiftung gegründet, erhält sie jährlich 24,5 Millionen Euro aus den Erlösen der Spielbanken in Nordrhein-Westfalen sowie rund 1,1 Millionen Euro aus den Lotterie- und Wetteinnahmen. Damit finanziert sie soziale Projekte der gemeinnützigen Träger der freien Wohlfahrtspflege und ermöglicht die Umsetzung innovativer Ideen. Bis heute hat sie rund 8.700 Vorhaben mit einer Fördersumme von einer Milliarde Euro unterstützt. Über die Auswahl der Projekte entscheidet der zehnköpfige Stiftungsrat. Er besteht zur Hälfte aus Parlamentariern, die vom NRW-Landtag entsandt werden. Jeweils zwei Mitglieder stellen die Spitzenverbände in der Arbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege NRW sowie das Sozialministerium. Ein weiteres Mitglied stellt das Finanzministerium.
Ansprechperson

Pressefotos
Von links: René Bernards (Fachgruppenleiter Alter und Pflege beim Paritätischen NRW), Sofia Burkard (Projektkoordination ESOP), Christian Woltering (Vorstand des Paritätischen NRW), Marco Schmitz MdL (Stiftungsratsvorsitzender der SozialstiftungNRW), Dirk Brieskorn (Geschäftsführer Familien- und Krankenpflege, Essen), Claudia Lamsfuß (Projektleitung ESOP), Maike Rock (Bereichsleiterin Stiftungs- und Fördermittel beim Paritätischen NRW)
Von links: Claudia Lamsfuß (Projektleitung ESOP), René Bernards (Fachgruppenleiter Alter und Pflege beim Paritätischen NRW), Sofia Burkard (Projektkoordination ESOP), Maike Rock (Bereichsleiterin Stiftungs- und Fördermittel beim Paritätischen NRW), Dirk Brieskorn (Geschäftsführer Familien- und Krankenpflege, Essen)
Mehr Informationen zu ESOP
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