
Jugendsozialarbeit
Die Angebote der Jugendsozialarbeit richten sich an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 27 Jahren, die aufgrund individueller Beeinträchtigungen oder sozialer Benachteiligungen einen besonderen pädagogischen Unterstützungsbedarf haben. Dazu gehören junge Menschen mit Lernschwierigkeiten ebenso wie Jugendliche, die in instabilen familiären Verhältnissen aufwachsen, von Armut betroffen sind, unter psychischen Belastungen leiden oder keinen verlässlichen Zugang zu Bildung, Ausbildung oder gesellschaftlicher Teilhabe finden. Die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen NRW bieten in diesem Feld ein breites Spektrum passgenauer Unterstützungsangebote an.
Probleme lösen und Perspektiven entwickeln
Jugendsozialarbeit setzt dort an, wo andere soziale Systeme an ihre Grenzen stoßen oder keinen Zugang mehr zu jungen Menschen finden. Wenn familiäre Strukturen brüchig sind, schulische Anforderungen überfordern oder soziale Isolation zunimmt, drohen Jugendliche den Anschluss zu verlieren. Häufig stehen dabei mehrere Problemlagen gleichzeitig im Raum. Bildungsabbrüche, Wohnungsunsicherheit, gesundheitliche Krisen oder Konflikte mit dem Gesetz greifen ineinander und verstärken sich gegenseitig. Dort setzt die Jugendsozialarbeit ein: Gemeinsam mit den Jugendlichen wird versucht, Probleme zu lösen und Perspektiven zu entwickeln. Ziel ist es, die Jugendlichen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen und sie zu befähigen, ein selbstständiges Leben zu führen.
Dem Scheitern in der Schule entgegenwirken
In NRW ist die Jugendsozialarbeit stark auf die Berufshilfe und den Übergang von Schule und Beruf ausgerichtet. Aufgabe der schulbezogenen Jugendsozialarbeit ist es, einem Scheitern in der Schule entgegenzuwirken und Bildungsperspektiven zu eröffnen, etwa durch Schulverweigerungsprojekte. So verbindet zum Beispiel das Handwerkerinnenhaus Köln schulbezogene Präventionsangebote mit praxisorientierter Werkstattarbeit und unterstützt insbesondere Mädchen und junge Frauen dabei, schulische Krisen zu überwinden und berufliche Perspektiven zu entwickeln. Ein anderes Beispiel ist der Verein impulse aus Warendorf, der ambulante sozialpädagogische Hilfen für Jugendliche und ihre Familien anbietet. Dazu gehören unter anderem sozialpädagogische Einzelbetreuung und weitere Unterstützungsangebote, die junge Menschen in belastenden Lebenslagen stabilisieren und sie im Übergang von Schule in Ausbildung und gesellschaftliche Teilhabe begleiten. Daneben gibt es noch weitere Angebote für Jugendliche in speziellen Lebenslagen, wie zum Beispiel der Jugendmigrationsdienst für junge Zugewanderte und ihre Angehörigen, oder aufsuchende Angebote im öffentlichen Raum (Streetwork).
Vertrauens- und Beziehungsarbeit
Der Paritätische NRW steht für ein Verständnis von Jugendsozialarbeit, das auf kontinuierlicher Beziehungsarbeit beruht. Vertrauen entsteht nicht auf Knopfdruck, sondern durch Verlässlichkeit, Zugewandtheit und das Ernstnehmen individueller Lebenslagen. Ziel ist es, junge Menschen nicht auf Defizite zu reduzieren, sondern sie in ihrer Persönlichkeit zu stärken. Angesichts wachsender psychischer Belastungen, sozialer Verunsicherung und komplexer Lebensverläufe gewinnen flexible und niedrigschwellige Unterstützungsformen zunehmend an Bedeutung, insbesondere für Jugendliche, die von bestehenden Angeboten kaum erreicht werden.
Förderung anpassen und ausbauen
Sozialpolitisch streitet der Verband für eine dynamische Anpassung der bestehenden Strukturförderung durch Land und Kommunen und für eine flächendeckende Regelförderung der schulbezogenen Jugendsozialarbeit. Zudem bringt er sich als Kooperationspartner von Politik und Verwaltung, Wirtschaft und freier Wohlfahrtspflege, etwa in der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit NRW, fachlich ein.
Zuordnung des Themas im Verband:
Fachbereich Jugendsozialarbeit
Fachgruppe Arbeit, Armut, Soziale Hilfen, Europa (Fachgruppenleitung: Samina Imam)
Ansprechperson
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Zu vielen unserer Themen gibt es fachliche Broschüren zum Herunterladen.