Blinde Frau führt Tastuntersuchung an der Brust einer Frau durch.

Brustkrebs-Vorsorge

Blinde und sehbehinderte Frauen werden zu Medizinischen Tastuntersucherinnen

„Offen denken – damit sich Neues entfalten kann“: Unter diesem Motto stand in diesem Jahr der Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“. Zu den durch die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft ausgezeichneten Orten zählt auch discovering hands, Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW. Die Ausbildung von blinden Frauen zu Medizinischen Tastuntersucherinnen zeige, wie durch Experimentierfreude, Neugier und Mut zum Umdenken zukunftsweisende Innovationen im Bereich Brustkrebsfrüherkennung entstehen können.

Blinde und sehbehinderte Menschen haben einen besonders guten Tastsinn. Diese Begabung macht sich discovering hands zu Eigen und bildet blinde und sehbehinderte Frauen zu Medizinischen Tastuntersucherinnen (MTUs) für die Brustkrebsfrüherkennung aus. Eine Studie hat gezeigt, dass MTUs dabei mehr und deutlich kleinere Gewebeveränderung finden als Gynäkologinnen und Gynäkologen im Rahmen einer Routinevorsorgeuntersuchung. Eine frühzeitige Entdeckung von Brustkrebs ermöglicht eine weniger belastende Behandlung und verbessert die Heilungschancen erheblich. 

Neue berufliche Perspektiven

Den blinden und sehbehinderten Frauen ermöglicht die Ausbildung neue berufliche Perspektiven. In einer neunmonatigen Ausbildung erlernen sie das speziell entwickelte, standardisierte und qualitätsgesicherte Untersuchungskonzept. Die Ausbildung erfolgt zunächst sechs Monate theoretisch, es folgt ein dreimonatiges Praktikum in einer Praxis oder Klinik. Anschließend werden sie im Rahmen der Brustkrebsfrüherkennung als Ergänzung zu bestehenden Vorsorgeuntersuchungen eingesetzt. Bevor eine Ausbildung begonnen werden kann, erfolgt eine Eignungsprüfung. Die nächste in Nordrhein-Westfalen findet vom 16. bis zum 20. Juli 2018 in Düren statt. 

Die Medizinischen Tastuntersucherin Anita Spickhofen bei der Arbeit.
©discovering hands
Durch ihren ausgeprägten Tastsinn können blinde Frauen viel kleinere Knoten erkennen als bei gewöhnlichen Vorsorgeuntersuchungen.
©discovering hands